Mankurts (Jetztzeit 6)

Mankurts

Vorstehendes ist ein Ausschnitt aus dem Beitrag von Hans-Christoph Schröder „Geschichte, Wahrheit und Sprache bei George Orwell“ in diesem Almanach des Beck-Verlages.

Aitmatows Roman „Der Tag zieht den Jahrhundertweg“, in deutscher Übersetzung bei Volk und Welt, Berlin, 1982 erschienen (eine ausführliche Kritik hier), konfrontierte mich schon damals mit der Legendengestalt der Mankurts. Der Mankurt ist ein kriegsgefangener junger Mann, den seine neuen Herren schrecklichen Foltern unterwerfen, durch die er erinnerungs-, willen-, gewissenlos gemacht wird und fortan als entmenschlichtes Halbwesen zu allen befohlenen Taten bereit ist. Als seine Mutter ihn ins Menschsein zurückholen will, bringt er sie um.

Bei der Diskussion des Kampfverlaufs in Syrien bezeichnen manche Kommentatoren die islamistischen Terroristen als Orks, nach den bösen Gestalten aus Tolkiens „Herr der Ringe“. Mir steht dagegen eher der Mankurt der Legende vor Augen, besonders nachdem dieser Kommentar direkt auf „Nasheed“ des deutschsprachigen Salafisten und Rappers „Deso Dogg“ verlinkt. Der Mankurt war ursprünglich Mensch. Menschliche Macht, also das planvolle Handeln von Mächtigen, hat ihn zu einem Halbmenschen umgebrochen. Und das unwiderruflich. Was als Al-Nusra-Front und Kämpfer gegen „Schlächter Assad“ abstrakt in den Nachrichten erscheint, wird in des Rappers deutschem Text in seinem religiös-menschenfeindlichen Ungeist kenntlich. Am Werk sind irgendwie „beseelte“ aber zugleich entselbstete Menschen.

Das Wüten solcher Mankurts treibt ganze Länder in die völlige materielle und sittliche Zerstörung. Erzeugung von Chaos. Angst und Schrecken sollen herrschen und sollen jede Gegenwehr lähmen, besonders auch die geistige. Die Dominanz des Grauens in der Wahrnehmung lenkt davon ab, daß die Mankurts selbst keineswegs geschichtsmächtig sind. Sie sind Instrumente von Geschichtsmächtigen, von Leuten, deren Namen und Adressen zu nennen sind. Das neue Gottesgnadentum auf der Seite der Macht produziert die „von allen guten Geistern verlassenen“ Ohnmächtigen, die zu bloßen Werkzeugen werden. Mir scheint, daß die skeptische Frage: „Wozu beschäftigen wir uns eigentlich mit den Superreichen?“ ein Unvermögen ausdrückt, solche Zusammenhänge zu erkennen.

Mankurts erscheinen nicht nur in der Rolle des todesverachtenden Kämpfers. Bevor sie zu den extremen Taten fähig sind, dafür eingesetzt werden und schließlich auf diese Weise auch entsorgt werden, werden sie entpersönlicht, entselbstet. Erst wer seiner eigenen Würde beraubt ist, diese Dimension gar nicht mehr kennt, ist grenzenlos gefügig. Dieser Prozeß findet täglich statt, nicht selten verknüpft mit Glanz und Gloria.

bigbrother

Viele gutwillige Menschen grübeln, ob nicht ein ganz neuer sittlicher Aufstand der Menschheit dringlich wäre. Die Formationen und Aktionen der Mankurts scheinen zu mahnen, daß auch die Dimensionen und Grenzziehungen des Sittlichen längst in Bewegung sind. Die Freiheit zu einer neuen Sittlichkeit könnte sich als letzte und bitterste Notwendigkeit erweisen.

Dieser Beitrag wurde unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Kirche, Krieg, Krise, Machtmedien, Mensch, Realkapitalismus, Revolution, Widerstand abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

24 Antworten zu Mankurts (Jetztzeit 6)

  1. Frieder Kohler schreibt:

    Danke für diese (Aussichts-) Plattform, von hier aus ist der „Blick ins Land“ mit dem alten und neuen Gottesgnadentum ein besonders klarer: Mit Glanz und Gloria wird die uns anvertraute Welt zerstört!

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  2. Dietmar Nisch schreibt:

    Hallo OpaKranich, ich möchte heute auf ein etwas anderes Thema hinführen. Der smarte Bischof von Limburg hatte vielleicht erhofft, in Limburg/Lahn seinen eigenen „Vatikan“ aufbauen zu können: statt veranschlagten zunächst 5 Millionen Euro wären es bislang bis zu 20 Millionen Euro. Ab 2008 bis 2012 wurden amtsgerichtlich 25.000 aus dem Erzbistum Limburg ausgetretene Katholiken registriert. Und 4.500 Unterschriften dagegen hätten auch nichts bewirkt. Die Gelder kommen seit der Säkularisierung von uns allen Steuerzahlern (hat mit zusätzlicher Kirchensteuer von 8-10% von der Lohnsteuer nichts zu tun. Also demnächst die MWSt von derzeit 19% auf 21 oder 22%?

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  3. raben2013 schreibt:

    Wenn man von hirnorganischen Defekten und hirnorganischen Entartungen (entsprechenden Gen-Fehlern) absieht, ist die Hinwendung zum Bösen gerade nicht unumkehrbar. Es muss keineswegs eine Fabel sein, dass Maria Magdalena der Sünde stark verfallen war, doch dann geläutert wurde. Das Beispiel der Läuterung des indischen Königs Ashoka ist in Stein gemeiselt überliefert. Er führte grausige Eroberungskriege, und einmal betrat er dabei eine Stadt, die soeben von seinen Truppen genommen worden war, wobei diese wüst gemordet hatten.

    Er betrat ein Haus, in dem eine Mutter ein totes Kind im Arm hatte. Sie sah ihn voller HAss und Verachtung an, sagte zu ihm sinngemäß: „Du bist doch so ein mächtiger König, kannst Du mein Kind wieder lebendig machen, oder kannst Du nur töten?“

    Ashoka verließ wortlos das Haus, führte niemals wieder Eroberungskriege, und ließ eine große Anzahl von Steinsäulen (z.T. heute noch erhalten) in weitem Umkreis aufstellen, auf denen er seinen Nachbarn schriftlich versicherte, sie bauchten keinerlei Angst davor zu haben, dass er kriegerisch gegen sie ziehen würde, dass er Frieden und Freundschaft mit allen wolle.

    Tatsächlich verhielt er sich danach, und wurde ein großer König dadurch, dass er erfolgreich bemüht war, zum Wohle seines Volkes zu regieren.

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  4. Bert schreibt:

    Ein Kind spielt in einer Pfütze, oder fokussiert seine ganze Welt-Aufmerksamkeit auf einen Stein – Bedeutungslos für uns Entwachsenen; ist es nun etwas schlimmes, dass wir Steine auf der Straße übergehen, und in anderen Sphären uns abrackern?

    Wir müssten eigentlich verstehen lernen, dass wir momentan einen Verselbständigungsprozess erleben, dessen automatisierte Mechanismen unabhängig von Gedanken, Handlungen, Gefühlen, Reden etc. wird.
    Und wie es bei halbstark pubertierenden Heranwachsenden nicht mehr hilft in alten Kinder-Dimensionen lenken und beeinflussen zu wollen, so wird das auch in unserer Gesellschaft nicht mehr so funktionieren wie früher.
    Alte Gedanken-Welten, Werte und Gedanken spielen keine Rolle mehr, haben ihre Wirkmacht verloren – es gilt die neuen Regeln (auf Grundlage des Alten) zu finden. Das muss man akzeptieren, die Welt gehört nicht nur uns, sie gehört sozusagen mit-uns.

    Und wie im Umbruch der Pubertät keine Orientierung vorhanden ist, so leiden wir eigtl. nur daran: dass die Sinnhaftigkeit des Neuen, seine Regeln noch unausgesprochen, unentdeckt, unerlebt und un-vorgelebt noch nicht erkannt wurden.
    Erst mitgerissen durch die Zeit kann danach nach-gedacht, re-flektiert werden, wenn es bereits erlebt wurde, und erst hernach werden die Frühahnungen als solche erkannt, und ihre Zukunftsprognosen samt Gedankengebäude Wirkmächtigkeit bekommen.

    Das Alte – vorbei. Das Neue – noch nicht da. Der Umbruch, unerträglich!

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      • expert schreibt:

        Von einer Gefahr durch entkalkte Ozeane warnt der Verrückte Sobottka schon seit 6 Jahren:

        http://belljangler.wordpress.com/2011/03/14/winfried-sobottka-der-tanz-mit-dem-teufel-robert-henderson-und-charles-s-eaglestone/

        Weil Sobottka verrückt ist, schließlich wird er ja nicht umsonst von den klügsten und engagiertesten Kritikern im Internet boykottiert (Wolff, Opa, Deeg u.d.a.), ist auch alles verrückt, was er schreibt.

        Dem Spiegel geht es also wieder einmal bloß um Panikmache, ist doch ganz klar. Stimmt’s, Opa?

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      • Dian schreibt:

        @expert 4. Oktober 2013 um 01:42
        Für mein Gefühl ist die Etikettierung „verrückt“ – auch und hier insbesondere bei Herrn Sobottka – zu sehr psychiatrischer und damit herrschaftlicher Ideologie entlehnt, dass sie damit schon fast als chauvinistisch gelten darf. Ach wenn wir Mode, Ideen oder Kuriositäten (umgangssprachlich) als verrückt bezeichnen, grenzen wir uns damit von diesen ab.
        expert, Ihre vermeintlich ironische „Überhöhung“ bekommt damit für mich einen bitteren Beigeschmack, der Ihre – wie ich finde – teilweise berechtigte Kritik unnötig herunter zieht.
        Ich hörte, dass es in der Menschheitsgeschichte mehr als ein „weniger zivilisiertes“ Volk gab, dass in seinem Glauben die „Entrückten“, die „Tollenden“ und vielleicht eben auch die hier einmal wertneutral als „verrückt“ Bezeichneten gerade wegen derer Besonderheit, nämlich sich nicht nur durch auffälliges – weil anderes – Verhalten hervor zu tun, sondern viel mehr wegen der (auch nur vermeintlich) dahinter stehenden anderen Perspektive so weit achteten, dass sie ihnen sogar (teilweise) ein arbeitsfreies und daher sorgenfreies Leben ermöglichten. Ich kann nicht anders vermuten, als dass dieser Glauben durch die Wertschätzung dieser den „Normalen“ nicht vergönnten Lebenssicht gestärkt wurde. Heute fassen wir dies z. B. kurz, indem wir leichtfertig formulieren: mittelmäßige Geister verurteilen gewöhnlich, was über ihren Horizont hinaus geht.
        Die von mir gewünschte Veröffentlichung dessen hier ist doch schon ein erster Schritt zur Rehabilitierung wenigstens des von uns geschätzen Opa Kranich, ohne den wir beide nicht kommunizieren könnten – wahrscheinlich. In diesem Sinn wünsche ich mir von Ihnen noch mehr Mitgefühl, denn schließlich „irrt der Mensch, so lang er strebt“.
        Oder sehe ich die dahinter stehende Böswilligkeit nur nicht?

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        • kranich05 schreibt:

          @ Dian
          Mir ist schlicht nicht bewußt, wo ich zur Frage der Entkalkung der Meere etwas gesagt habe und zu berichtigen hätte. Grund eins, den verbalen Schlenker von „expert“ zu ignorieren.
          Von Herrn Sobottka habe ich im Blog manches gebracht und manches ‚rausgeschmissen, weil mir manches hellsichtig und anderes unterirdisch erschien. (Mir ist aber nicht bekannt, daß ich ihn als verrückt bezeichnet hätte. -Oder steht das irgendwo, und ich habe es verdrängt?) Mag ja an meinen Grenzen liegen, dennoch bleibe ich so frei, innerhalb meiner Grenzen zu entscheiden. Grund zwei, den „expert“ zu ignorieren.
          „Expert“ selbst bin ich in den letzten zwei Wochen (Jetztzeit-Postings) paarmal argumentativ auf die Zehen gelatscht, was er mir anscheinend nachträgt. Grund drei zunächst seine unerfreulichen verbalen Schlenker zu ignorieren

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      • Euler Hartlieb schreibt:

        Die Zerstoerung der Meere bedeutet in der Konsequenz sehr viel mehr tote Menschen und Not als alle hier bisher diskutierten Kriege zusammen. Gigantische Enteignung, Entzug von Lebensgrundlagen, Hunger. Das ist schrecklich.
        Die erfolgreiche Verharmlosung, das Schoenreden der Zerstoerung der Umwelt, der mangelnden Zuwendung, des mangelnden Respekts gegenueber Pflanzen, Tieren, Boeden und Meeren ist aus meiner Sicht die „wesen“tlichste und folgenschwerste ideologische Leugnung, Verdrehung und Verschleierung unserer Zeit.

        Daran sind die verschiedensten Kraefte, rechts, mitte und links, oben, unten, oft „bewußtlos“ verstrickt beteiligt und schauen – wie ueblich – ueberwiegend weg.
        Der als „natuerlich“ scheinende Hochmut der menschlichen Monokultur, des Anthorpozentrismus, unser „Glaube“ man koenne, man duerfe sich ungestraft die Erde untertan machen, nehmen ohne zu geben, von, aus der man stammt, und stattdessen hoeheren, heiligeren Werten huldigen, ist fatal.
        Er duerfte sich als der folgenschwerste Fehler der menschlichen Geschichte erweisen, und als der vielleicht tatsaechlich „unendliche“ Fluch des „Buches“ etal, der unsere Ein“bildungen“, unserer „Vernunft“ eingepraegt und einge“dru(e)ckt“ wurde.
        Das Vergessen unserer Herkunft wiegt so schwerer als wir zu „wissen schaff(t)en“.

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        • kranich05 schreibt:

          Ja, es gibt eine zerstörerische Seite der menschlichen Gesellschaft, die eine Klassengesellschaft ist. Ich kann es verstehen, daß das zu tiefem Pessimismus führen kann.
          Ich sehe aber auch die aufbauende und bewahrende, die behutsame Seite der menschlichen Kultur. Auch sie ist real. Der menschliche Geist kann den kühnen Plan fassen, daß diese Art Kultur das ganze Leben durchdringen möge. Die Unmöglichkeit, diesen Plan zu verwirklichen ist nicht erwiesen.

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      • expert schreibt:

        Kranich ist mir argumentativ auf die Zehen gelatscht? Unbegründete pausschale Behauptungen sind für Kranich demnach Argumente – jedenfalls dann, wenn sie von ihm stammen. Das ist wahre Dialektik!

        Wer sich selbst ein Bild machen will, was von den angeblichen „Argumenten“ des Kranichs zu halten sei, der braucht sich nur die Kommentare zu folgendem Artikel anzusehen (nur die kann er meinen):

        https://opablog.net/2013/09/25/charles-eisenstein-jetztzeit-5/#comment-7452

        Aus dem Umstand, dass es mir zu blöd wurde, gegen begründungsfreie Ablehnungen meiner logischen Herleitungenm anzuschreiben, könnte Kranich allerdings möglicherweise den falschen Schluss gezogen haben, seine unbegründeten Behauptungen seien von mir als unschlagbare Argumente verstanden worden.

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      • Dian schreibt:

        @kranich05 4. Oktober 2013 um 14:35, @expert 4. Oktober 2013 um 15:15
        Bitte immer schön geschmeidig bleiben! (In hitzigen Situationen scheint es mir ratsam, sich vor allem der Ich-Form zu bedienen und sich der Beurteilung vor allem des Gegenüber zu enthalten.) Insofern danke ich Ihnen beiden dafür, dass Sie den Dialog nicht abreißen lassen – wir werden alle nicht dümmer dadurch.
        Ich habe große Schwierigkeiten, eine Ablehnung nicht persönlich zu nehmen und sie also als Verletzung zu empfinden. Streng genommen bin ich für Ablehnungen so stark hypersensibilisiert, dass es sich bei einer vermeintlichen überhaupt gar nicht um eine solche handeln muss. Das ist eine meiner größten Schwächen.
        Opa Kranich, in dem von mir zuletzt Beschriebenen sind Sie mir so weit über, dass ich darauf vertraue, dass Sie durch Ihr Lesen gerade Ihres hier von mir bezogenen Kommentars und vielleicht meines vorangegangenen erkennen, wie weit Sie mir vermeintlich eher unbewusst darin inhaltlich beipflichteten. (Und expert legte Ihnen gar keine „entkalkten“ Worte in den Mund.)
        expert, mir selbst erscheinen meine „Argumente“ immer als die logischsten und trefflichsten, wenigstens bis mir bessere entgegnet werden. Welches sind die „besseren“? Ich denke die, die besser greifen. Je besser man den Widersacher kennt, desto bessere Argumente fallen einem ein – für ihn! Für manch einen Streiter, sofern man ihn erreichen will, muss man sich „herablassen“, für andere „aufschwingen“. Jedenfalls ist es immer hilfreich, mit einfachen, verständlichen Worten klar zu formulieren – eventuell auch mal nachzubessern.
        Schönen Abend wünscht Ihnen beiden Dian.

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      • Euler Hartlieb schreibt:

        Naja, bei dieser Frage hilft der Fokus auf „Klassengesellschaft“ vielleicht nur bedingt weiter. Es geht auch darum, dass die/der vermeintliche „Klasse-Mensch“ nicht begreift, begreifen will, begreifen soll, begreifen kann, dass es noch Andere Lebewesen hier gibt, die er vernichtet, meist auch verachtet und quaelt, obwohl er sie braucht.
        Auch diejenigen, die den Klassencharakter der menschlichen Gesellschaft beklagen und bekaempfen, sind sich darueber meist nicht hinreichend im Klaren oder erklaeren es zum marginalen „Nebenwiderspruch“. M.E. weit gefehlt.
        Es ist inzwischen vielleicht der/ein Hauptwiderspruch, .weil im gesamten Einzugs- und Ausbreitungsgebiet der aktuellen und ehemaligen „Buch“religionen, am heftigsten aber der christlichen, bis heute kaum verstanden und hinterfragt. An dem Punkt haben in der Vergangenheit die (sog) „sozialistischen“ Regierungen und Bewegungen m.E. kein besseres Bild abgegeben als die kapitalistischen, eher im Gegenteil.

        Bodenschätze: Putin: Arktis gehört zum russischen Staatsgebiet
        Rußland will in der Arktis Bodenschaetze foerdern
        http://www.sueddeutsche.de/politik/putin-arktis-gehoert-zum-russischen-staatsgebiet-1.1786647
        30 Greenpeace-Aktivisten wegen Piraterie angeklagt
        Die Aktivisten des Greenpeace-Schiffs Arctic Sunrise, die vor zwei Wochen gegen eine Bohrinsel des russischen Konzerns Gazprom in der Arktis protestiert hatten, werden möglicherweise schon an diesem Freitag vor Gericht gestellt. Beamte des Ermittlungskomitees in der Stadt Murmansk hatten 14 Männern und Frauen bereits am Mittwoch die Anklage wegen bandenmäßiger Piraterie eröffnet. Am Donnerstag wurden die verbliebenen 16 Beschuldigten aus der Untersuchungshaft in die Behörde gebracht.
        http://www.sueddeutsche.de/politik/russland-greenpeace-aktivisten-wegen-piraterie-angeklagt-1.1786431

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        • kranich05 schreibt:

          Ob ich den „Focus“ auf Klassengesellschaft legte?
          Eigentlich habe ich nur festgestellt, daß unsere Gesellschaft eine Klassengesellschaft ist. Wird das im Ernst bestritten?
          Ich wünsche mir Aufklärung (und bemühe mich mit der Folge „Jetztzeit“ in diesem Sinne) über die moderne kapitalistische Klassengesellschaft des Superreichtumns.
          Die „realsozialistischen“ (meine Terminologie) Bewegungen haben kein besseres Bild abgegeben? Darüber könnte man vielleicht im Detail streiten. Das will ich aber nicht, um beim Wesentlichen zu bleiben, nämlich: Der Realsozialismus ist untergegangen und zwar zu Recht.
          Über „diejenigen, die den Klassencharakter der menschlichen Gesellschaft beklagen und bekaempfen“… Welche konkret meinen Sie?
          Ich meine, über sie läßt sich heutzutage kaum etwas sagen – mangels Vorhandensein. Die Wenigen dieser Richtung, die ihre Stimme erheben, sehe ich eher bei den Warnern vor Umweltzerstörung.
          Was Ihr Link auf Putin-Greenprace-Arktis in diesem Zusammenhang sagen soll, erschließt sich mir nicht.

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      • Euler Hartlieb schreibt:

        „Ja, es gibt eine zerstörerische Seite der menschlichen Gesellschaft, die eine Klassengesellschaft ist.“ antworten Sie auf meine Trauer auf die Zerstoerung der Meere, unsere, eine unserer wichtigsten, vielleicht unabdingbaren Lebensgrunlagen.
        Ich hatte vom „Fluch des Buches“ gesprochen, und damit vor allem auf die Entwicklungen die sich aus den Heiligen Schriften der drei Monotheismen entwickelt hatten, als wichtige Wurzel angespielt. Insofern habe ich schon gehoert, dass Sie den Klassencharakter als Kernursache sehen. Aber es gibt durchaus Glaubenssysteme auch in Klassengesellschaften, die ein verschiedenes Naturverhaeltnis enwickelt haben/hatten, bspw. auf dem indischen Subkontinent. Und wenn ich den Marxschen Klassenbegriff in diesem Kontext einfuehre, will ich wissen, ob und was er zur Loesung beitraegt, beigetragen hat, beitragen koennte. Der Versuch die Klassenfrage als die „zentrale Frage“ zu loesen, ist, wie sie sagen „grandios gescheitert“. Sie sagen „das ist auch gut so“.
        Naechster Versuch also, die Klassenfrage zu loesen, die haben es nur falsch gemacht?
        Der Fokus auf die Klassenfrage ist fuer die Umweltfrage eben vermutlich, vielleicht ein notwendiger, aber sicher kein hinreichender Fokus. Da haben m.W. wenige eher „linke“ Regierungen wenig Sensibilitaet gezeigt, Ecuador, inzwischen Kuba, Guyana, Bolivien, Burkina Faso ehemals, inzwischen z.T. auch China? Bei Venezuela weiss es nicht. Der „Ostblock“ inkl. DDR erschien mir extrem unsensibel? Auch Vietnam. Selbst die linke Regierung in Brasilien, vielleicht am meisten sensiblisiert, sieht die Umweltfrage und dadurch bedingte Zerstoerung der Lebensgrundlagen, immer noch als „sekundaere“.
        Sie erwaehnten hier des oefteren Marx, einmal Mugabe, Stalin, mehrfach Putin – ich vermute dass es da doch noch bestimmte Affinitaeten, Hoffnungen auf Antwort bei Ihnen gibt. Ich fuerchte aber was „Umwelt“ angeht, hat sich bei den damals vor allem mit Marx „erzogenen“ Menschen erst relativ wenig bewegt?
        Putin zumindest, was Umwelt, Meere und Klima angeht, steht m.E. definitiv eher auf der „falschen“ Seite?! Und sein Umgang mit der Arktis (u.a. Rohstoffe in diesem letzten Naturreservat gewinnen), und jezt die Kriminalisierung von Greenpeace, hat durchaus mit dem Niedergang der Meere zu tun. Aber ich lassse mich gerne korrigieren.

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        • kranich05 schreibt:

          In meiner Sicht hat der nicht von Marx eingeführte Klassenbegriff Grundsätzliches geleistet, um sich im Wirrwarr der politischen und geistigen Kämpfe des Tages der gegensätzlichen Interessenlinien bewußt zu werden. Mit Marx‘ und Engels‘ Klassenbegriff wurden darüber hinaus die Materialität und Historizität dieser Interessen klarer und schließlich (mit dem „Kapital“) Entscheidendes zum Bewegungsgesetz des Kapitalismus der damaligen Zeit aufgedeckt. Den unvergleichlichen heuristischen Wert von Marxens Methode auch in heutiger Zeit sehe ich in der Orientierung auf die realen (materiellen, aber auch ideellen, darunter auch religiösen) Verhältnisse und Verhaltensweisen der Menschen. Mit Marx und Engels (übrigens auch mit Lenin) ist man bei den „lebendigen Menschen“. Der lebendige Mensch in seinem Reproduktionszusammenhang ist eben kein Herr, der alles andere Untertan macht.
          Natürlich muß/wird es nächste Versuche geben, die Klassenfrage zu lösen. Wann? Wieviele? Ob erfolgreich? Keine Ahnung. Auch die noch viel weitergehende Zerstörung unserer Zivilisation ist eine realistische Möglichkeit.

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      • Euler Hartlieb schreibt:

        Das ist keine Antwort aber fand ich heute in der SZ.
        „Ein Veggieday reicht nicht – wir brauchen fuenf“
        Denn ein größeres und drängenderes Problem als den Klimawandel gibt es nicht.
        http://www.sueddeutsche.de/politik/klimapolitik-wo-bleiben-die-zumutungen-1.1787481

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        • kranich05 schreibt:

          Ich glaube, ökologisch sensibilisiert zu sein, doch betrachte ich es mit großem Mißtrauen, wenn laufend und oftmals schwach begründet neue „größte Probleme“, „allergrößte Probleme“ kreiert werden. Mehr als mißtrauisch bin ich, wenn solche „Warnungen“ in dem Ruf gipfeln: „Wo bleiben die Zumutungen!“ Der Ruf nach solchen „Zumutungen zum Besten“ ist von allem Denkbaren das Reaktionärste, Menschenfeindlichste.

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  5. Euler Hartlieb schreibt:

    Ich kann irgendwie nicht mehr Horror verkraften, verdauen, anschauen.
    Ich weiss es. Das hilft mir nur noch selten.
    Sollte man nicht eine Horrorseite einrichten fuer die, die noch mehr wollen, brauchen, vertragen.
    Dann kann man die anderen Aspekte vielleicht etwas gelassener in menschlichen Sphaeren besprechen.
    Immer noch eine „Schrecklichkeit“ mehr oben drauf, erschlaegt irgendwie das Verfolgen von konstruktiven, kritischen, selbstkritischen Gedanken, scheint mir. Es verdeckt auch Unsicherheit und Entwicklung bei den konstruktiven Gedanken, der Diskussion und dem wirklichen Verstaendnis, dessen was sich abspielt, wo Eigenanteile sind, und welche Antworten realistisch sind, Relevanz haben, handlungsleitend sein koennen, Hoffnung machen.
    Die boesen „anderen“ sind immer auch ein wenig in uns. Ich las gestern, die Gruenen wurden nicht gewaehlt, weil sie die Gutmenschen spielten, ihnen der Stempel aufgedrueckt wurde; das wollte, das glaubte niemand.

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    • kranich05 schreibt:

      Mir geht es wohl ähnlich. Ich schütze meine eigenen Normalität, meine geistige Gesundheit, dadurch, daß ich Horrordarstellungen, wenn überhaupt, nur in geringsten Dosen an mich heranlasse. Das betrifft besonders die „Kultur des Ausstellens von Schreckenstaten“ im asymetrischen Krieg gegen Syrien. Aber auch im allgemeineren Sinne: Z. B. habe ich in meinem ganzen Leben höchstens einen oder zwei sog. Horrorfilme gesehen.
      Auf einem ganz anderen Blatt allerdings steht für mich die geistige Auseinandersetzung mit Schreckensereignissen. Diese halte ich für absolut unerläßlich im Sinne des „Erkenne Dich selbst!“. Habe ich kaum jemals einen Horrorfilm gesehen, habe ich doch eine Fülle von Literatur (sowie Erlebnisberichte von Überlebenden) über die Menschen in den deutschen KZ (und auch in anderen KZ) zur Kenntnis genommen.
      In die Entwicklung konstruktiver Gedanken, davon bin ich überzeugt, muß das Bewußtsein des möglichen Schreckens eingehen, andernfalls werden diese Gedanken nicht die Probe aufs Exempel bestehen.
      Die Rationalität des „irrationalen Terrors“ ist das Problem.
      Mein obiges Posting, so möchte ich doch behaupten, ist frei davon, dem Horror eine Bühne zu bieten. Der sprachliche Ausdruck freilich, der Rappertext, der offen Richtung Horror ist, den wollte ich nicht ignorieren. Und ebenso wollte ich nicht ignorieren mit dem Verweis auf Big Brother als Show den Horror, der als Nicht-Horror verkleidet ist.

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      • expert schreibt:

        Opa, man muss auf Toten schlafen können, wenn man den Schrecken besiegen will. Erst, wenn man dem Teufel absolut furchtlos in die Augen sieht, kann man ihn besiegen, denn die Angst ist sein wirksamstes Herrschaftsmittel.

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        • kranich05 schreibt:

          Wie man sich zu den Toten verhalten soll, ist ein weites Feld.
          Weil mir gefällt, was Erich Mühsam dazu sagte, habe ich das hier zitiert: https://opablog.net/2012/11/18/militarismus-in-stein/
          An den Teufel glaube ich so wenig, wie an den Lieben Gott, weshalb ich ihm auch nicht ins Auge blicke.
          Ich versuche stattdessen den Mächtigen (und ihren Knechten) auf die Finger zu sehen.
          Daß Angst eines der wirksamsten Herrschaftsmittel ist, sehe ich genauso.

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      • expert schreibt:

        Es ist egal, ob man an den Teufel glaubt oder nicht. Ob er eine eine Metapher für eine real wirksame Kraft ist, die man nicht leugnen kann (das Böse), die zumindest unter bestimmten Umständen aktiv wird, oder ob er ein personifizierter schwarzer Gott ist, der das Selbe bewirkt, ist im Grunde egal. Auch die Satanisten glauben nicht alle an einen Satan; siehe z.B. Aleister Crowley und den O.T.O.

        Tatsache ist, dass Satanisten sich nach ausgeklügelten Systemen konditionieren, u.a. in Richtung Skrupellosigkeit – um Bremsen auf dem Weg des Machtstrebens loszuwerden……… Tatsache ist auch, dass z.B. George W. Bush Mitglied in einem satanischen Orden ist („Skull and Bones“). In Amerika geht man etwas offener damit um als bei uns, die New York Times berichtete über Bush und Skull & Bones, auch Mitgliedschaften von Politikern (im ebenfalls satanischen) Ku-Klux-Klan wurden des Öfteren aufgedeckt.

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        • kranich05 schreibt:

          Satan hin, Satan her, heute arbeitet ein Friedensnobelpreisträger seine Tötungslisten ab und die schwersten Kriegsverbrechen werden angeblich im Interesse der Menschenrechte begangen.

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