Gedanken zum Gespräch am Runden Tisch in der Frauen-Forensik Taufkirchen

von Fritz Letsch

Mein persönliches Fazit und später folgende Gedanken, die Klinik und die Gesprächsleitung bereiten eine Presseerklärung vor.

Auf die aktuellen Vorfälle (Bericht Spiegel) reagiere ich erst im letzten Teil

Mit der gerichtlichen Unterbringung von Gustl Mollath wurde der Forensik ein besonderes Ei gelegt:

Ein Patient, dem politisch motiviert ein Wahn attestiert wurde, der sich dann als Realität der Bankenpraxis beweisen ließ.

Richter Huber, Eberl und Brixner und Gutachter Dr. Leipziger hatten mit Absicht, Vorsatz und Gefälligkeit gehandelt, wurden Ausführende der Wünsche der Gattin und ihres einflussreichen Umfeldes.

Auch, wenn die Eingeständnisse der Bank bisher noch mager sind, ist inzwischen das gesellschaftliche Bewusstsein zur Steuerhinterziehung gewachsen. Sie war zur Zeit der Anzeigen von Gustl Mollath ein Tabu der bezahlten Presse.

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Nun haben wir mit der Patientin Haslbauer keine Parallele, aber eine Analogie:

Sie hält sich für gesund und unschuldig, hat keine „Krankheitseinsicht“ und hat einige Unterstützende, etliche davon so radikal und emotionalisiert, dass sie psychische Krankheit und Gesetz nicht anerkennen.

Die Klinik hat den Auftrag, sie zu therapieren und zu verwahren, bis keine Gefahr mehr von ihr ausgeht. Dieser Auftrag ist therapeutisch nicht zu erfüllen, wenn sie nicht mit Therapeuten spricht und kooperiert. Bleibt damit die Verwahrung, bis sie / ihr Wille / ihre Sturheit / ihr Wahn gebrochen ist? Rechtlich sieht es so aus, therapeutisch gibt es anscheinend keine Lösung, menschlich eine Verschlechterung.

Eine andere Lebensmöglichkeit nach ihrem Wunsch, die einer freieren Unterbringung entspricht, hat unser System der Sicherung und Verwahrung noch nicht entwickelt.

Im Kontext der politischen sozialen Reduzierungen 

Verwahrung erscheint als Geschäftsidee der Quer-Finanzierung der Psychiatrie, deren Etats durch Gesundheitsfonds und Fall-Pauschalen begrenzt werden.

Bleibt noch die Frage der Verhältnismäßigkeit

Die Konfliktsituationen, denen sich Frau Haslbauer ausgesetzt sieht, sind nicht alltäglich, können aber auch im Alltag immer mal wieder vorkommen. Wie weit hat der Staat die Aufgabe, potentielle Übergriffe durch Personen auszuschließen und wie könnte ein erwachsenen-entsprechendes Konflikt-Training aussehen?

Nicht besprochen hatten wir die Situation des Zwang nach neuem Gesetz und die Überprüfung der Menschenrechts-Beachtung.

Auch, wenn da keine Zwangsbehandlung mit Medikamenten stattfindet, ist die Anwendung von Zwang regelmäßige Praxis:

Was Frau Haslbauer per Nina Hagen „Zimmerarrest“ nennt, ist der Aufenthalt im abgeschlossenen Wachbereich, also nicht in ihrem ansonsten bewohnten Zimmer.

Die Sache hat unsere Gruppe in München sehr polarisiert,

und es ist nicht leicht, zu klären, was da mit uns passiert:

– Jede Seite legt in ihrer Weise aus ihrem eigenen Verständnis heraus die Sachen zurecht, die Identifikation mit je einer Seite scheint schnell festgelegt,

– Es gab nicht nur einen Vorfall, sondern eine Reihe von Vorgängen /Übergriffen?, die auch innerhalb der Klinik zu einer Isolierung geführt haben,

– Die Emotionen konzentrieren uns auf den Ist-Zustand, lassen wenig perspektivisches Arbeiten (Nachsorge / Verlegung / Pädagogik / Politik / Medizin) zu

Keine Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht

Die Klinikleitung ist an die ärztliche Schweigepflicht gebunden, alle Unterstützenden haben jeweils nach dem Einverständnis für eine Veröffentlichung zu fragen.

Weil nun auch die Gutachten zu Gustl Mollath im Netz sind, entsteht vielleicht der Eindruck, dies wäre allmählich selbstverständlich, doch ist bei allen solchen Veröffentlichungen das Persönlichkeitsrecht zu achten. (s.u.)

Einige Fakten waren zu klären: 

Auf die Behauptung (Lüge?), es würde Post unterschlagen werden, wurde die Bestätigung des Erhalts von Post eingeführt, da diese verweigert wird, geht die Post zurück.

Hofgang war regelmäßig angeboten und wurde nicht angenommen, allerdings alleine und zu Zeiten, in den sich die anderen Patientinnen nicht im Hof befinden, da diese eine Konfrontation vermeiden wollen.

Die evang. Pfarrerin meinte, mit ihr hervorragende Gespräche geführt zu haben, was auch unser regelmäßiger Besuchender so erlebt.

So liegen zwischen den Wahrnehmungen der Klinik und der Besuchenden emotionale Welten,die bisher unüberbrückbar erscheinen. Diese Polarisierung scheint auch alle mit der Sache befassten Personen zu ergreifen.

Darstellung als Folter, Sadismus und Zwang ist wenig hilfreich.

Kräfte der Polarisierung begreifen, Interessen dahinter,

Anstaltsabläufe und ihre Sackgassen.

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Es gibt ein „Entlassmanagement von Anfang an“

Bei einem Informationsbesuch vor einigen Wochen wurde uns die Arbeit vor allem im Suchtbereich (Entzug und Therapie,Wiedereingliederung) sowie Arbeitstherapie, auch das System der Stufungen und ihre Sicherheit / Verlässlichkeit / Rücknahme für die PatientInnen vorgestellt.

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Der Einfluss von Psychiatrie-Gegnern: Stimmt die regelmäßige telefonische Anweisung an Ilona, nicht mit dem „KZ-Personal“ zu sprechen?

Welche Rolle spielen die Interventionen von Nina Hagen? (Internet-Seite)

Von wem stammt die Unterstellung von Sadismus?

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die aktuellen Vorfälle (Bericht Spiegel) 

kann ich mir so sehr gut vorstellen, die Frage dahinter bleibt natürlich immer noch, wessen Notwehr da jeweils emotional in den Vordergrund gerufen wird.

Kann die Fixierung als Erziehungsmaßnahme gedacht werden, und wie ist sie tatsächlich therapeutisch begleitet und überwacht,

sind zusätzliche externe Überprüfungen ab einer bestimmten Zeit der Fixierung notwendig oder grundsätzlich auszuschließen?

Was ist der Standard der ärztlichen Kunst und was ist Unbeholfenheit der Anstalt?

Rechtliches: Ich hatte in meiner Mitarbeit im Netzwerk Psychiatrie einige Hintergrund-Informationen, die aber jetzt durch den aktuellen Anwalt erst freigegeben werden müssten. Alle hier von mir kommentierten Informationen beruhen auf früheren Veröffentlichungen mit Einverständnis von Frau Haslbauer.

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2 Antworten zu Gedanken zum Gespräch am Runden Tisch in der Frauen-Forensik Taufkirchen

  1. ohje schreibt:

    „Darstellung als Folter, Sadismus und Zwang ist wenig hilfreich.“

    Hilfreich wofür?

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  2. Bert schreibt:

    Wenn ich recht informiert bin, gibt es ein ‚Recht zu Krankheit‘, also kein Verpflichtung oder Aufgabe einen Patienten therapieren zu müssen.

    Zur Deutlichkeit sollte das Bundesverfassungsgericht die unabwägbare Deutungshoheit über die eigene Krankheit aussprechen.

    Es wird stets die Staatsgewalt, die ihre Legitimation/Rechtfertigung durch den Staat erhält, dazu missbraucht, dass medizinisch-psychische Gründe Legitimation schaffen würden, sich über Patienten zu stellen, und Angriffe auf die Person durch eine medizinisch-psychiatrische Wissenschaft gerechtfertigt seien.

    Die Mitarbeiter in einer forensischen Klinik sind erst einmal (nur) ‚Strafvollstrecker‘ (mit Option und Zusatzprofessionalität). Die Gewalt die durch diese (Staatsgewalt-) Funktion den Patienten entgegentritt kann nicht einfach mit therapeutischem Lächeln verleugnet werden.
    So ist die Doppelfunktion der ‚Ärzte‘ schon ein Irrwitz, der gerade dadurch zu einem Stein des Anstoßes werden muss(!) umso mehr die reale Gewaltfunktion im Arzt verleugnet und unberücksichtigt werden/bleiben soll.

    Diese Doppelfunktion und das unklares Bewusstsein des Personals darüber führt regelmäßig zu Argumentations-missbrauch, welcher diese zwei Ebenen vermischt. Personal sieht sich ‚unschuldig‘, weil nichts getan, als ‚Opfer‘, geben den Patienten die Schuld an Eskalationen und übersehen, dass bereits ihre Funktion, die Situation, die Institution ein Akt von ‚Staatsgewalt‘ sind.

    Durch die von der Staatsgewalt her legitimierten (und realisierten) Asymmetrie und der nicht(!) durch den Staat zusätzlich legitimierten aber angemaßten ‚Therapiegewalt‘ entsteht ein Missbrauch, der die Integrität (Deutungshoheit über die eigene Krankheit) der Patienten nicht anerkennen zu brauchen meint, und sich einbildet, der wissenschaftliche (medizinisch-psychiatrische) Standpunkt stünde über dem Patienten, und dürfte übergriffig ‚Folgsamkeit‘ einfordern. Und dann wundern sich die Psychiater, dass ihr übergriffig-missbrauchendes Verhalten der Integrität und Deutungshoheit über die intime Psyche der Patienten, Abwehrreaktionen existentiellster Art hervorrufen. … …

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