Welche Rolle spielt das Geld in der Psychiatrie? – Gegen PEPP!

Ich stelle hier keine rhetorische Frage.

Offenkundig ist, daß mit der CDU/CSU/FPD/SPD/Grüne-„Politik der Sparsamkeit“, die ja eigentlich eine Politik der Umverteilung von unten nach oben ist, auch im Bereich der Psychiatrie Ursachen dafür gesetzt werden, daß die Rechte und die Würde von Patienten verletzt werden. Verletzt werden MÜSSEN, weil viele in der Psychiatrie Beschäftigte mehrfach überfordert sind.

Darauf hat hier im Blog schon vor langer Zeit Chefarzt Dr. Zinkler hingewiesen in einem Brief an Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger. Natürlich (?) wurden seine sachkundigen Hinweise und Vorschläge mißachtet.

Medico international hat eine Petition gestartet gegen das pauschalierende Entgeltsystem für Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP), das die jetzige Bundesregierung vorantreibt.

Die „Verbetriebswirtschaftlichung” medizinischer und menschlicher Prozesse ist menschenfeindlich!

Hier geht es direkt zur Petition „Weg mit PEPP!“

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Für Mollathunterstützer ist die Unterzeichnerliste interessant:

Zig Klinikleitungen und Chefärzte haben diese Petition unterzeichnet. Auch Dr. Zinkler gehört dazu.

Auf der Unterzeichnerliste sind NICHT  zu finden: Dr. Leipziger, Dr. Zappe, Dr. Wörthmüller, Prof. Dr. Kröber, Prof. Dr. Pfäfflin, Klinikleitungen des BKH Bayreuth, des Klinikum am Europakanal Erlangen, des BKH Straubing. Weitere Ärztenamen aus der Mollath-Geschichte habe ich nicht überprüft.

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10 Antworten zu Welche Rolle spielt das Geld in der Psychiatrie? – Gegen PEPP!

  1. Susanne Stetter schreibt:

    Mit Verlaub, wollen Sie denn Gutmenschen, die nur wie Gutmenschen scheinen unterstützen? Natürlich ist es die richtige Richtung, Anreize zu schaffen, dass Menschen nicht unnötig die Freiheit entzogen wird. Da ist das ein Schritt in die richtung von dem was unser Sozialsystem fordert, nämlich eine „notwendige, hinreichende und zweckmäßige“ Krankenversorgung und kein unnötiges Prolongieren eines vom Betroffenen ungewünschten Unterbringens. Denken ist angesagt, der Fall Mollath ist ein Fall zum Denken und nicht ein Fall, um haarsträubenden Unsinn zu verbreiten.

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    • kranich05 schreibt:

      Sehr geehrte Frau Stetter,
      Ihre Einleitung „Gutmenschen, die nur wie Gutmenschen scheinen“ will ich als holprig beiseite lassen (und nicht als „diffamierend“ bezeichnen).
      Sie mögen die Durchdringung der Psychiatrie (wie beiläufig gesagt auch der Sozialen Arbeit) mit Betriebswirtschaft als den letzten Schrei und Triumph der Freiheit feiern. Das ist Konsens der neoliberalen Politik von Schwarz Gelb, Rot bis Grün. Mein Standpunkt ist: Wo es um Menschen geht, geht es um Wohlbefinden und wo um Kranke, geht es um Heilung. Und Effektivität kann nur das letzte Rad an diesem Wagen sein.
      Menschen, die Sie „Gutmenschen“ nennen vorzuwerfen, sie hätten Lust am „unnötigen“ Freiheitsentzug oder am „unnötigem Prolongieren eines vom Betroffenen ungewünschten Unterbringens“ scheinen mir, milde ausgedrückt, äußerst unbedacht zu sein.

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      • Susanne Stetter schreibt:

        Ich war schon sehr barsch. Ich habe die Fälle vor Augen, die man einfach nicht gehen lässt. Jeder Tag mehr in den zunehmend privatisierten Häusern bringt 250 Euro pro Tag. Im somatischen Bereich sind es Fallpauschalen, da wird niemand gegen seinen Willen festgehalten. Diese freiwillige Behandlung ist von Umwelt und der mit Polizeikraft ausgestatteten Psychiatrie „erpresst“. Und entgegen der Pflicht zur Versorgung Kranker darf keiner hierzulande Kranke ohne Rechtfertigung weg schicken. Zingler ist vielleicht etwas netter in seiner Art und lässt sich mehr Zeit, was er aber macht ist ebenfalls ein massives Eingreifen in den Privatbereich psychisch Gestörter: Er lässt Menschen die Substanzen schlucken und kontrolliert stasiartig per „Spiegelkontrolle“, eine Art Dopinkontrolle, ob die Substanzen auch ambulant weiter zu sich genommen werden. Das ist ohne gerichtliche Genehmigung „normalerweise“ definitiv untersagt! Und eine solche Genehmigung kann es nur als Bewährungsauflage geben, niemals für nicht strafverurteile Probanden/Kranke. Verstehen Sie jetzt vielleicht, dass „Gutmensch“ für Zingler eigentlich ein zu harmloses Wort ist.

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  2. Das Geld ist nicht das Problem. Mollath wäre es nicht besser ergangen, wenn seine Gurachter, die Bezirksklinik und Straubing jeweils das Zehnfache erhalten hätten.

    Winfried Sobottka

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    • kranich05 schreibt:

      Das Geld war nicht das Problem der Psychiatrisierung Mollaths. Völlig richtig! Aber die Psychiatrie der neoliberal ausgerichteten Gesellschaft (d.i. die zunehmend sozialdarwinistisch geprägte Gesellschaft) hat ein Geldproblem. Dafür ist (und wird noch mehr sein, je mehr er spricht) Gustl Mollath ein Kronzeuge.

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      • Vom Geld kann keine Institution genug haben, nicht einmal ARD und ZDF, das ist schon klar. Ich gehe aber von einem anderen Ansatz aus, was die Psychiatrie angeht: Um den Menschen beherrschen zu können, musste man ihn psycho-sozial krank machen.

        So brauchte man Entsorgungsmöglichkeiten für Menschen, die aufgrund der Lebensverhältnisse in der einen oder anderen Form durchdrehen. Weiterhin ging und geht es aber auch gezielt darum, eine Form der Inquisition zur Ausschaltung kritischer Köpfe nutzen zu können.

        Der Arzt, der die Ursache des Kindbettfiebers (an dem in England massenhaft Frauen starben) erkannt hatte, hatte gefordert, seine Kollegen sollten sich vor jedem Patientenwechsel die Hände waschen. Man lachte ihn aus. Er begann, diejenigen Kollegen, die sich nicht die Hände wuschen, als Mörder zu bezeichnen, und betrieb es, dass sie angeklagt werden sollten. Man sperrte ihn in die Psychiatrie, wo er von einem „Mitpatienten“ erschlagen wurde. Die Entsorgungssysteme funktionieren seit Jahrhunderten…

        Winfried Sobottka , http://united-anarchists.de

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  3. Susanne Stetter schreibt:

    Diese ATTAC Initiative ist sehr bedauerlich. Die Forderung müßte in die Richtung gehen, dass Gelder für Kriseninterventionen anderer Art als der geschlossenen Unterbringung in der Psychiatrie auf Krankenschein zur Verfügung zu stellen sind. Die Heilung des Seelischen ist nicht im ökonomisch durchorganisierten Durchschleusungsprozeß hin zum Drehtüreffekt zu finden, vermutlich, sondern in dem man Menschen als Einzelwesen auch beachtet. Bei uns gibt es aber nur Krankenbehandlung auf Rezept, keine „Seelenbehandlung“ auf Rezept. (Diese Soziotherapie ist nichts anderes als als Psychoedukation verkaufte „Gehirnwäsche“.)

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  4. psychiatrienogo schreibt:

    Den Iniatiatoren ist geht es nur um eins. Um die Erhaltung der Honigtöpfe.
    Es ist bekannt, dass man sich in der Psychiatrie Dumm und dämlich verdient und quersubventioniert wird.
    Mit PEPP verdient man sich nur noch Dumm.
    Hinzu kommt ,dass Mit manipulativen Falschmeldungen wie:

    “Weg mit PEPP!” –unter diesem Motto fordert eine breite Initiative aus Ärzten, Sozialverbänden, Psychiatrie-Erfahrenen, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, das Pauschalierende Entgeltsystem in Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP) nicht einzuführen.

    Siehe:
    http://www.weg-mit-pepp.de/presse/pressemitteilung

    oder
    Gegen den ausdrücklichen Widerstand aller Fachverbände einschließlich der Psychiatrieerfahrenen und trotz verweigerter Zustimmung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) läuft seit dem 1. Januar 2013 die Testphase eines neuen Entgeltsystems für Psychiatrie und Psychosomatik.

    Obwohl alle Fachverbände, Psychiatrie-Erfahrene sowie die Deutsche Krankenhausgesellschaft das PEPP-System ablehnen, hat das Bundesgesundheitsministerium den Katalog einseitig per Verordnung festgelegt. Seit Jahresbeginn läuft eine Testphase des neuen Finanzierungssystems in psychiatrischen Kliniken

    Siehe:
    http://www.weg-mit-pepp.de/presse/hintergrund-weg-mit-pepp

    wird versucht den Eindruck zu erwecken eine breite Front von Psychiatrie-Erfahrenen wäre gegen das neue Entgeltsystem.

    Dabei sind viele Psychiatrierfahrene froh wenn sie diesem System wieder entrinnen
    http://psychiatrienogo.wordpress.com/2013/08/07/8-4/

    oder wenigstens überleben:

    http://psychiatrienogo.wordpress.com/2013/06/29/6-24/

    Die Methoden in vielen psychiatrischen Anstalten, sind weit entfernt von dem was man eine Heilbehandlung nennt

    http://psychiatrienogo.wordpress.com/2013/03/28/3-5/

    http://psychiatrienogo.wordpress.com/2012/08/29/712/

    http://psychiatrienogo.wordpress.com/2012/11/03/01/

    http://psychiatrienogo.wordpress.com/2013/02/04/1-27/

    Klagende traumatisierte Opfer versucht man durch lange Rechtsstreit, welcher deren Gesundheit weiter schadet, zu zermürben.

    http://psychiatrienogo.wordpress.com/2013/07/23/7-6/

    Gerade hat eine Studie gezeigt das die von der Psychiatrie favorisierte Dauerbehandlung mit Nervengiften, für die Gesundung der Patienten kontraproduktiv ist
    http://psychiatrienogo.wordpress.com/2013/07/31/7-9/

    Der Direktor der NIMH Thomas Insel hat allen psychiatrischen Diagnonsens als nicht valide und damit zu esoterischer Kaffeesatzleser erklärt.

    http://psychiatrienogo.wordpress.com/2013/05/10/5-6/

    Der UN-Sonderberichterstatter über Folter beim UN-Hochkommissariat für Menschenrechte, Juan E. Méndez, hat in seiner Rede bei der 22. Sitzung des “Human Rights Council” am 4. März 2013 alle Zwangsbehandlungen in der Psychiatrie zu Folter, bzw. grausamer, unmenschlicher oder erniedrigende Behandlung erklärt.

    http://psychiatrienogo.wordpress.com/2013/04/03/4-3/

    Das Institut für Menschenrechte hat sich dem angeschlossen:

    http://psychiatrienogo.wordpress.com/2013/06/25/6-18

    Als Unterzeichner der Initative Folter-Abschaffen, die u.a. von Psychiatrie-Erfahrenen-Verbänden getragen wird, fehlt ATTAC bisweilen.

    http://www.folter-abschaffen.de/

    Johannes Georg Bischoff
    Wohlfeil 3
    67489 Kirrweiler

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  5. Susanne Stetter schreibt:

    Der Bundesverband bpe-online ist anerkannte Erfahrenen-Organisation. Diese Organisation ist als einzige Selbsthilfe Selbstbetroffener/Selbstbetroffengewesener zugelassen, bei Anhörungen etwa im Rechtsausschuß des Bundestags Expertisen abzugegen. Jedenfalls wüßte ich nicht, dass da neue Gruppierungen ebenfalls diesen Status erreicht hätte. (Ich rede nicht von Sozialverbänden, Angehörigenselbsthilfe und was es sonst noch alles so gibt.)

    Insoweit dürfte die Darstellung von Herrn Bischoff zutreffen, bpe-online unterstütze ATTAC in der Initiative „WEG MIT PEPP“ eben gerade nicht.(Bundesverband in Bochum)

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  6. Pingback: Tempo-Therapie? | opablog

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