Von Wolfgang Jensen

gibt es nicht nur erneut ein faszinierendes Bild (W. J. schreibt auf der Seite „Faszination Mensch“, nicht „Faszination Schmetterling“).

JensenHP Galerie 130292

Er bezieht sich auf einen Beitrag hier im Blog und was er ausführt, finde ich höchst anregend:

„Klarer wurde mir, wie Gustl Mollath die Jahre eines ihn ständig umgebenden Wahns aushalten konnte: In der Beobachter- oder besser Analytiker-Rolle. Er lernte seine Mit-Gefangenen zu unterscheiden in Opfer und Real-Gestörte. Er lernte die verschiedenen Geist-Gestörtheiten kennen, weil er neutral blieb und echte Informationen bekam. Er lernte die psychiatrischen „Therapie“-Ansätze kennen und durchschaute zunehmend das psychiatrische Verwaltungs-Szenario – und die verschiedenen Menschentypen, die in diesem Rahmen, so oder so, agieren konnten, oder mussten.

Ich möchte sagen, am Rande lernte er auch umfassender kennen, was in unserem Gesellschaftsbetrieb wirklich abläuft.

Mag man die persönliche Situation Gustl Mollaths – eingesperrt, schikaniert, gedemütigt, relativ hilflos – als erbärmlich einschätzen, für seine Recherchen waren sie eher relativ optimal. Er konnte sich seine Wehrhaftigkeit beweisen; er konnte sich beliebig wählend in die Segmente und Ebenen des Wahns stürzen, und er konnte entscheiden, wann er wieder daraus auftaucht und in eine relativ stabile Normalität. (Die es auch in einer Zwangs-Psychiatrie gibt, die es auch in Konzentrationslagern und Gefängnissen gibt.)

Stabilisierende Wirkung erfuhr Gustl Mollath durch seinen Glauben. Der äußerte sich deutlich auf der politischen Ebene: Ich bin ein Demokrat. Aber ich halte es für unwesentlich, WIE sich Glauben äußert, sondern für entscheidend, DASS sich Glauben äußert. Und zwar beharrlich, und dadurch beharrlicher werdend, weil – natürlich – versucht wird, das Beharrliche zu brechen. Mag man Gustl Mollath als Radikal-Demokrat sehen, ich sehe ihn als FEST im Glauben, aus dem heraus das klare „Ja,“ und das klare „Nein“ kommt; ganz leise vielleicht, gleichwohl unmissverständlich.

Gustl Mollath. Ich fühlte ihn als Gewinner. Sieben verlorene Lebensjahre? Nein. Er ging als Lehrling in die Lebensschule, und er kam als Meister heraus. Der den Wahn beherrschen lernte, der über den Wahn mehr weiß als die, die ihn misshandeln, pardon, behandeln wollten. Er kennt den Wahn in all seinen Farben, und blieb nicht nur gesund, sondern schaffte sich die Voraussetzungen, um gesund zu bleiben – und ist vielleicht durch seine persönliche Reifung (geistig-charakterlich) noch gesünder geworden.

Auch wenn’s langweilig wird:
Der Wahn hat Methode. Er ist Offenbarungs-Prinzip. Sein Erscheinen wird geregelt auf der traumatischen Ebene.
Und so sehe ich den Menschen gefangen in einem Wahnschraubstock. In seinem Innen die biografischen und archaischen Wahn-Informationen, in seinem Außen der sich in der Gesellschaft manifestierte Wahn. Und das gleich doppelt gefährlich: Einerseits subtil, andererseits brachial – beide Methoden erlauben ihm kein Erkennen, keine Analyse, kein Verstehen, kein Bewusstsein. Aber, auch diese Regel wird durch Ausnahmen bestätigt. Eine ist Gustl Mollath.

Dir alles Gute, mein Freund.“

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9 Antworten zu Von Wolfgang Jensen

  1. Julujulo schreibt:

    @ Wolfgang Jensen
    Schon jetzt zeichnet sich ab, wieviel Gustl Ferdinand Mollath für die Deutschen und Bayern (vielleicht für die ganze Welt) durch seine verlorenen Jahre geleistet hat. Meine große H O C H A C H T U N G dafür.

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    • Geleistet hat er sehr viel, indem er sich nicht beugte. Er hat ertragen, woran die meisten zerbrochen wären, und ohne Schlötterer und einige andere wäre er wohl auch zerbrochen. Erreicht ist aber noch nicht viel. Was es letztlich sein wird, hängt von vielem und vielen ab.

      Winfried Sobottka

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    • BB7 schreibt:

      Ja, seine einzigartige Leistung ist, nicht zerbrochen zu sein. Dass ist auch für mich der größten HOCHACHTUNG wert.

      Ohne Schlötterer und andere hätte es wohl kaum einer gemerkt !! – und das zu erreichende muss sich noch weiter ‚raus kristallieren‘. Da bin ich sehr gespannt.

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  2. Angelika Wessely schreibt:

    Herr Jensen,Sie haben es völlig erfasst.Gustl Mollath hat gelernt,diese Menschen zu durchschauen und ihre Intrigen und ihr Macht und Helfergetue genau bis ins kleinste Teil der Maske der Niedertracht zu analysieren.

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  3. Euler Hartlieb schreibt:

    Paranoide Wahnvorstellungen: Bayerns Justizministerin glaubt, Mollaths Freilassung sei ihr Verdienst
    http://www.der-postillon.com/2013/08/paranoide-wahnvorstellungen-bayerns.html

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  4. federleichtes schreibt:

    Wenn meine Annahme stimmt, Gustl Mollath sei ein „Kreuzträger“ (der sein Schicksal lebt für das Wohl der Menschen – Gerechtigkeit in umfassendem Sinne befördert), erklärte sich auch meine Annahme einer „hinter dem Geschehen wirkenden Interessen-Kraft“. Und es erklärte mein Gefühl für die Bedeutung der prozessualen Entwicklung, die ich globaler einschätzte.

    Schauen wir mal, ob Fortschritt auch bedeutet, dass weitere „Unbrechbare“ erscheinen – eben andere Menschen auch ihre Unbrechbarkeit erleben wollen. Wer das Gefühl kennen lernte, wird auf alles Andere, aber darauf niemals wieder verzichten wollen.

    Danke, Klaus-Peter, für die Veröfentlichung meiner Gedanken.

    Gruß in die Runde.

    Wolfgang

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    • kranich05 schreibt:

      Mir ist es wichtig die „hinter dem Geschehen wirkende(n) Interessen-Kraft“ jeder Mystifizierung zu entziehen. Wer ist denn der „Kraftprotz“ dieser „Interessen-Kraft“?

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    • kranich05 schreibt:

      „Schauen wir mal, ob Fortschritt auch bedeutet, dass weitere “Unbrechbare” erscheinen“ -Dazu fand ich hier eine interessante Information:
      http://www.goldseiten.de/artikel/179349–OECD-Fruehindikator-hoeher—ein-Exkurs-als-Post-Scriptum-fuer-politisch-Interessierte.html
      Am Schluß seines Beitrags spricht Hellmeyer von dem amerikanischen Unternehmer Ladar Lavison, der sagte: „Ich sehe mich gezwungen, eine schwierige Entscheidung zu fällen -entweder mitschuldig an Verbrechen gegen das amerikanische Volk zu werden oder zehn Jahre harte Arbeit aufzugeben und Lavabit zu schließen“, und weiter Hellmeyer:
      „Es handele sich um einen seltenen und vielleicht sogar einzigartigen Fall, dass ein US-Unternehmen lieber seine Tätigkeit einstelle, als einer Bitte von US-Behörden zur Herausgabe von Informationen nachzugeben, sagte Kurt Opsahl, ein Anwalt der Bürgerrechtsgruppe Electronic Frontier Foundation in San Francisco. Ihm sei kein Fall bekannt, wo ein Anbieter sich entschlossen habe, unter diesen Umständen seinen Dienst einzustellen.“

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    • Friedrich Leinweber schreibt:

      Ja, der Gustl ist ein besonderer Mensch, der in seiner Haftzeit sich trotz wideriger
      Umstände, innerlich Bewahrt hat! Bewundernswert ist seine aussergewöhnliche Weisheit.
      Ein Mensch der aus seiner Not, eine Tugend entwickelte.
      Er hat sich im Irrenhaus, weitergebildet und ist wie der Schmetterling aus dem dem
      Gefängnis des Raupendaseins in die Freiheit entschlüpft! Mit seinem Blumentopf!
      Das ist das Wunder der Metamorphose, ein sehr schönes Foto, lieber Wolfgang Jensen!
      Es sind Zeichen der Vergangenheit und Zukunft!
      Ich denke so ein Mensch wie Gustl Mollath kann nichts verlieren, sondern nur gewinnen !
      An seinem Verhalten sah man , wie man das Böse mit Gutem vergilt.
      Die Werte, Gerechtigkeit, Wahrheit und Freiheit auf die er beharrlich hoffte, haben ihn diese ganzen Jahre getragen und werden die zahlreichen Lügengebäude zum Einsturz bringen!

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