Es muß nicht immer Puzzle sein

Meiner Frau können Puzzle nicht groß und schwierig genug sein. Gelegentlich habe ich mich mal beteiligt, mit Vergnügen. Aber tagelang, wochenlang? Manchmal ist es überraschend und schön, wenn das Bild entsteht, aber, ehrlich gesagt, das sichtbare Raster hat mich immer gestört. Na ja, Grund zu Ehekrach war das noch nie.

Die „Causa Mollath“ ist nicht zuletzt ein riesengroßes Krimipuzzle. Viele begeisterte Puzzler sind findig, Schnipsel für Schnipsel zusammen zu tragen und ein Bild zu formen. Das Bild ist eindrucksvoll, trotz aller Konturen und Raster und obwohl die manchmal wie Grenzziehungen wirken. Interessant ist, daß mitunter Schnipsel ins Spiel geraten, die wieder verloren gehen. Plötzlich sind sie (wieder) oder sind neue Schnipselchen da, wie zur Zeit gerade Heinemann, Brixner, Maske. Da ereifert sich der echte Puzzler bei der kleinen Schnipseljagd.

Mich überfordert das. Weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht, und so fällt mir nur Langweiliges ein; kann gerade noch das Einfachste fassen:

Die Steuerbehörden haben keinen Finger gerührt. Dürfen die das? Sind die Jemandem verantwortlich? Ach so, der Landesregierung.

Diverse Staatsanwälte haben nicht ermittelt. Dürfen die das? Sind die Jemandem verantwortlich? Ach so, der Landesregierung.

Die Banken haben all ihr Wissen lange Jahre weggeschlossen. Dürfen die das? Sind da Staatsvertreter in den Aufsichtsgremien? Ach so, von der Landesregierung.

Der unabhängige Richter hat ein Urteil gesprochen. (Wie wir seit Neuestem wissen, war es nicht seins.) Darf der das? Natürlich; ist ja unabhängig von der Landesregierung. Oder doch nicht ganz? Wegen dieses Kettenspiels „Staatsanwalt-Richter-Staatsanwalt-Richter“ usw usf. Wer spielt denn sowas? Ach so, die Landesregierung.

Diverse Briefe schreibt der Delinquent, die nie beantwortet werden. Von wem?  Natürlich von der Landesregierung.

Drei Jahre Quasifolter eines Unschuldigen in der Hochsicherheitsforensik. Das muß schon mal sein. Meint fachaufsichtlich die Landesregierung.

Die Leute, irgendwelche Unterstützer, wollen mitreden, wollen von ihren gewählten Vertretern wahrhaftig informiert werden. Da könnte ja jeder kommen, sagt – die Landesregierung.

Das alles hier aufzureihen, ist wirklich öde. Man sollte es vergessen. Zumal noch hinzukommt, daß die Regierung sowieso nur „der geschäftsführende Ausschuß des Kapitals“ ist (hat mal, glaube ich, Karl Marx gesagt). Also Schwamm drüber.

Oder?

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9 Antworten zu Es muß nicht immer Puzzle sein

  1. federleichtes schreibt:

    Vor ein paar Minuten schrieb ich auf „Faszination Mensch:

    Es gibt prozessual Wissenserweiterung und Wissenverdichtung. Eine ausufernde Wissenserweiterung ist wenig hilfreich, ab und an sogar schädlich (Verwirrung). Gut beraten scheint mir, wer thematisch ein Fazit – auch wenn es vorläufig ist – ziehen kann. Erst dann schließen sich kleinere Kreise und erst dann kann eine spiralförmige Wirkung im Sinne von Bewusstseinsbildung entstehen.“

    So, das erinnere ich, erging es mir auch beim Puzzeln: Teilbilder konkretisierten sich erst durch mehr Abstand – NICHT durch mehr Nähe.

    Mir ein sehr guter Beitrag, Herr Kurch!

    Herzliche Grüße nach Berlin.

    Wolfgang Jensen

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  2. Frieder Kohler schreibt:

    “ Also Schwamm drüber“, aber mit starkem Reinigungsmittel getränkt, lieber opa! Der Kranich darf noch nicht landen, auch wenn die zu überfliegenden Felder weithin sichtbare Notstandgebiete sind! Noch sind wir unter „Artenschutz“ – und nicht zum Abschuss freigegeben! Vor 3 Stunden habe ich Ihr An-Denken mit Bildern/Fotos festgehalten und mit der alten Post an Sie weggeschickt! Ich mußte etwas kreatives Tun, um kein Geschirr zu zerschlagen oder gar zur Droge Alkohol (zur Mittagszeit!) zu greifen. Bis Berlin, ich hoffe auf ein (Wieder-)Sehen!

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  3. Reinhard Treudler schreibt:

    Hallo, Kranich,

    wenn Du schreibst, „Weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht“, zeugt das von Deiner Arbeitsleistung. Ohne opablog wäre man nur halb so weit. Aus meiner Sicht läuft es sehr gut. Die Sendung gestern bei Herrn Erwin Pelzig gestern (ZDF) war echt super. Immer mehr Zeitungen greifen das Thema auf. Immer mehr Leute, die man anspricht, haben von dem Fall „Mollath“ gehört. Vor Wochen schrieb einer „wo bleibt die Frankfurter Rundschau“. Hier ist sie. Ich verweise nochmals auf die Frankfurter Rundschau.

    http://www.frblog.de/mollath/

    Es sollten einige Unterstützer bei der FR posten, damit sich der Kranich etwas erholen kann. Denn er wird sehr viel Kraft für die Mahnwache am 06.07.2013 in Berlin brauchen. Frau Prof. Dr. U. Gresser bekam Ärger. Ebenso Herr RA Strate. Auf meine Wenigkeit wurde inzwischen wohl aufgrund eines opablogs-Kommentars vom 02.03.2013 ebenfalls geschossen. Solange die solche Angriffe starten, fühlen die sich nicht sicher. Und dass die mauern, war abzusehen. Aus meiner Erfahrung mit bayerischen Strukturen, war klar, das zieht sich in Sachen von Herrn Mollath. Voraussichtlich bis nach den Wahlen.

    Mein Vorschlag, lasst dem Kranich erst einmal ein paar Tage Auszeit, damit er sich von seiner bisher geleisteten und stressigen Arbeit etwas erholen kann.

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  4. Helmut Fischer schreibt:

    Auf Antrag und mit den Stimmen der CDU/CSU und der FDP wurde heute eine Unterrichtung durch Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger zum Fall Gustl Mollath im Menschenrechtsausschuss des Bundestages von der Tagesordnung abgesetzt.

    http://www.gruene-bundestag.de/presse/pressemitteilungen_ID_2000147/2013

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    • Lohengrin schreibt:

      Danke für den Hinweis!

      Das war dumm. Der Ausschuss tagt nichtöffentlich. Es hätte besser unter dem Teppich gehalten werden können, wenn nur diese 18 Leute darüber parlavert hätten.

      Laut Wikipedia kümmert sich dieser Ausschuss um
      * Religionsfreiheit und ihre Bedeutung für die europäische Identität,
      * Verantwortung von Unternehmen für Menschenrechtsschutz,
      * Menschenhandel,
      * Menschenrechtssituation von Flüchtlingen,
      * Stärkung der Arbeit des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag,
      * das Programm „Parlamentarier schützen Parlamentarier“ für in
      anderen Staaten bedrohte Abgeordnete.

      Der Fall Mollath gehört nicht dazu.

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  5. Pingback: Es muß nicht immer Puzzle sein | Der Fall...

  6. Pingback: Es muß nicht immer Puzzle sein | Mollath ...

  7. Reinhold Schell schreibt:

    Schwamm drüber. Hatte Herr Mollath Heute schon Ausgang ?

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  8. der karl schreibt:

    Hallo Opa Kranich, den Nichtpuzzler interessiert die Frau Dipl.-Med. B.-S. vom „Akademischen Lehrkrankenhaus“ der Uni Nürnberg-Erlangen, vulgo BKK Bayreuth, die den Herrn Klinikleiter Psychiatrie Dr.med. K.L. dort vertritt. Über deren „Leben und Wirken“ ist genau so wenig öffentlich bekannt wie über ihren Chef http://www.nuernbergwiki.de/index.php/Benutzer:Manfred_Riebe/Klaus_Leipziger – einmal davon abgesehen, daß ihr Titel auf die weiland DDR verweist.

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