Ein Richter a. D., Nürnberg, unterwegs von seinem Kaff nach München

Wie mich das anödet, zu diesem Ausschuß. Ich hätte mir das glatt gespart, wegen Unabhängigkeit und so. Sind sowieso alles Seehofer-Pantoffeln. Na, was tut man nicht aus alter Freundschaft. Erst kürzlich meinte Ecke noch, wir sollten die Merk nicht im Regen stehen lassen.

Losgehn wird’s natürlich mit dem Anruf. Als ob ich das heut‘ noch wüßte. Die haben ja keine Ahnung. Ich ohne Sekretärin, 50, manchmal 100 Telefonate am Tag. Ich mußte meine eigenen Anrufe zu mir durchstellen. Und das Wählen erst – die Hölle. Ja, den Typ kannte ich, war Linkshänder, sowas merkt man sich, hatte in jungen Jahren schon ’nen weißen Bart. Maske ’nen roten. Oder umgekehrt? Kann ich wissen, was der sich für Notizen gemacht hat? Manche schreiben viel, wenn der Tag lang ist. Keine Ahnung. Falls ich überhaupt angerufen habe.

Das Geschrei um das Urteil, das ist der Gipfel. Angebrüllt soll ich den haben, das Weichei. Na und? Keiner macht sich Gedanken, wie mir zu Mute war. Irgendwann um den Dreh hatte Helga den Schlaganfall. Da hat man sein Trauma weg. Aber keine Stunde hab‘ ich krank gemacht. Diese Sorgenqual! Manche Nacht bin ich alle zwei Stunden aufgewacht. Da soll dieser Kerl erstmal durch. Natürlich konnte ich unter diesen Umständen die Akten nicht lesen. Außerdem waren sie gar nicht da. Ich habe hunderte Urteile gefällt. Und manch Einer kam hinterher zu mir und sagte: „Es war zwar hart. Aber durch Sie bin ich wieder Mensch geworden.“ Als dieser Kerl rein kam, in Fesseln, renitent bis in die schmuddelige Unterwäsche, da war doch alles klar. Wenn ich fragte: „Sie waren Reifenhändler?“, sagte der: „Ich habe Ferraris restauriert.“ Mit mir nicht. Und als ich die Autos erwähnte, reihenweise mit 160 auf der Autobahn und er mit seiner Nagelfeile, da guckte der bloß widerspenstig. Beim Handball gehste dem anderen mit dem Knie in die Magengrube. Wird zwar abgepfiffen, klärt aber die Sache. Der aber ist wie Kuchenteig: Haust Du rein, gibt er nach, und paar Minuten später bläht er sich wieder. Ich kann nur hoffen, daß seine Ex, patentes Weib, ihn ordentlich vermöbelt hat.

Als er endlich im Kahn war, genial, gleich wieder nach Straubing, habe ich nicht eine Sekunde mehr an ihn gedacht. Mit Helga täglich geübt. Es war schwer aber eigentlich eine schöne Zeit, wie es millimeterweise aufwärts ging. Nach anderen Weibern gucken, das gibt’s bei mir nicht. Der Sohn macht Freude, die Schwiegertochter, Enkel. Eigentlich bin ich in einer Position, wo man Ehrenvorsitzender ist, Schirmherr oder so. Orden am Band. Stattdessen fahre ich zu diesem Ausschuß, binde Stunden ans Bein. Obwohl man dem Kerl die besten Leute geschickt hat. Der ist immer noch nicht breit. Jetzt ist da vorne auch noch „Rot“; ach nee, springt auf „Grün“. Sag‘ ich doch: „Freie Fahrt für freie Bürger!“

W(H)eiteres hier.

Dieser Beitrag wurde unter bloggen, kein Witz, Realkapitalismus, Widerstand abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Ein Richter a. D., Nürnberg, unterwegs von seinem Kaff nach München

  1. Harry schreibt:

    Hi Kranich07

    Ja was ist sie denn nun (ausser systemrelevant), diese Justiz im Freistaat Bayern und im ganzen Deutschland: volksfeindlich, kriminell, marode, korrupt oder überflüssig?

    Liken

  2. Robert Stegmann schreibt:

    An Harry
    Auch Richter sind ein Teil des Volkes. Auch sie haben ein Recht auf justizielle Aufarbeitung. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt die Unschuldsvermutung.

    Mich wundert schon sehr, dass Herr Brixner angeblich vor der StA Regensburg schon freiwillig seine Aussage gemacht haben soll, aber davon noch nichts im Netz steht.

    Wenn er seine Aussage ähnlich formuliert hat, wie vor dem Untersuchungsausschuss, dann müsste die Staatsanwaltschaft inzwischen tätig geworden sein, und zumindest Vorermittlungen aufnehmen.

    Wenn nicht, dann wird Herr RA Strate dafür sorgen. Davon bin ich überzeugt.

    Er braucht dazu nur das Wortprotokoll des Untersuchungsausschusses.

    Ich wundere mich sowieso, dass Herr Brixner überhaupt ausgesagt hat. Er hätte seine Aussage mit verweis auf den § 55 StPO verweigern können.

    Er verkennt offenbar die Situation im festen Glauben an seine absolute Unangreifbarkeit.

    Liken

    • Reinhard Treudler schreibt:

      Hallo, Herr Stegmann,

      Ihren Aussführungen, bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gelte die Unschuldsvermutung, kann ich aufgrund beruflicher Erfahrung nicht teilen. Mir sind Fälle bekannt, da wurden Urteile in dubiosen Clubs vorbesprochen. Gegenbeweismittel wurden in einem mir bekannten Fall von einerm Frankfurter OLG-Richter Dembwoski (a.D. + Club-Mitglied) systematisch gefälscht, damit einige Club-Mitglieder und Prozessgegner bevorteilt werden.

      Dann haben die Richter in der Prüfinstanz (Revison) für das Frankfurter Unrechtsurteil, die bis zum BGH (1. Senat) gleichfalls geheime Clubmitglieder sind, ein „rechtskräftiges“ Urteil nachgeschoben. Anschließend gibt es Club-Expertengespräche in Luxushotels im Ausland – in Deutschland gibt es schließlich keine Hotels.

      Drei Klagen, der Öffentlichkeit die Namen der Richter offenzulegen, die mit Prozessgegnern in dem Club hocken, wurden bis zum BGH abgeschmettert. Die zweite Klage gegen die Bundesjustziministerin LS (Club-Mitglied) habe ich gleichfalls verloren. Es wurde massiv Einfluss auf Richter genommen. Bei der dritten Klage hat der Club-Vize beim BGH mitgewirkt, die Namen der prozessaktiven Richter weiterhin geheim zu halten. Können Sie unter (PatanwZ 3/11 vom 23.07.2012)

      http://openjur.de/u/499427.html

      nachlesen. Geheime richter in Deutschland, das gibt es tatsächlich.

      Ebenso ist die BGH-Entscheidung I ZR 58/00 interessant (vgll. BGH-Datenbank), da hatte der Club eine Kölner Internetfirma bis zum BGH verklagt. Erst auf die Anfrage, das BGH-Aktenzeichen mitzuteilen, haben die BGH-Richter – I. Senat – die Selbstablehnung angezeigt. Die wollten in eigener Club-Vereinssache entscheiden UND DAS BEIM BGH!!! Nach meinem Kenntnisstand soll die Kölner Internetfirma inzwischen in Konkurs gegangen sein. Nun ist keine Entscheidung mehr erforderlich. Ein Schelm, der hier Zusammenhänge vermutet.

      Ich schreibe das, damit man nicht den Eindruck gewinnt, nur im „Freistaat“-Bayern – allein diese Bezeichnung ist ein Witz – in Sachen von Herrn Mollath läuft es schief. Das läuft bundesweit bei bestimmten Landesgerichten bis zum BGH schief. Und weil es inzwischen überall in Deutschland schief läuft, meinen die Bayern, sie könnten sich in Sachen von Herrn Mollath alles herausnehmen. Die letzte Hoffnung ist das völlig überlastete Bundesverfassungsgericht, weil die verzweifelten Bürger dort einen Rettungsanker gegen dieses Unrechtstreiben einiger Oberjuristen suchen.

      Die Bundesrepublik Deutschland entwickelt sich immer mehr zum Bananen-Gerichts-Hof und rechtstaatliche Grundsätze werden gezielt mit den Füßen getreten, wenn es um wirtschaftliche Interessen Einzelner geht. So schaut´s in Deutschland aus!

      Liken

  3. Harry schreibt:

    Hallo Herr @Stegmann, auch wenn Sie oberschlau mit Strafprozessordnungs§§ hantieren – richtig ist dies: Vors. LG, Herr B., jetzt außer Diensten leider nur aus Altersgründen, ist kein „normaler“ Bürger (wie ich). Sondern handelte als hoher Berufsrichter, unterlag als (nach meiner Meinung nach R 3 zu hoch besoldeter) Berufsbeamter auf Grundlage des Deutschen Richtergesetzes (DRiG) und hatte, wenn und insofern diese Bundesrepublik Deutschland keine Bananenrepublik, sondern ein „demokratischer und sozialer Rechtsstaat“ (jedenfalls dem Anspruch nach) ist, entsprechend „Amtseid“ besonderen Pflichten. Das ist der konkrete Kern. Was Sie hingegen zu den „Rechten“ des B. vorbringen klingt nach abstraktem, scheindemokratischen Gesäusel. Gruß, Harry

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s