Beate N.: Schlaflos in Bayreuth!

Das Warten begann am Donnerstag vor dem Landgericht. Ich bin ja quasi ohne Erwartungen zum Landgericht gegangen. Ehrlich gesagt, wurde ich von dem vorgezogenen Termin überrascht. Eigentlich hatte ich ja den 30. Juli im
Hinterkopf. Dann hieß es plötzlich. Anhörung noch im April. Hoffnung!

Damals hatte ich spontan folgende Gedanken:
„Was machen sie denn jetzt wieder: jetzt machen sie ihm mit der vorgezogenen Anhörung wieder Hoffnung. Er zieht seine Sachen an, die er bei seiner ( merkwürdigen) Verhaftung getragen hat, Herr Schlötterer kommt, möglicherweise stehen einige seiner Unterstützer vor dem Gerichtsgebäude und bestimmt kommen die Anwälte.
Und was macht die Kammer? Die folgt bestimmt Dr. Leipzigers neuer, alter Stellungnahme! Eigentlich braucht er gar nicht hingehen. Aber bekanntlich stirbt ja die
Hoffnung, auch meine, zuletzt. Herr Mollath soll hingehen, sagen was er zu sagen hat und die drohende Enttäuschung ertragen, wie er immer ertragen hat, was ihm an Unrecht zugefügt wurde. Ich könnte das nicht ertragen. Aber er, er kann es schaffen! Er muss stark bleiben. Und eine Resthoffnung bleibt, dass sich die Tore des BKH für ihn öffnen. Jeder der ein Gewissen hat, jeder, der sich intensiv mit dem Fall beschäftigt hat,
würde ihm diese Tore öffnen, mindestens bis zum Abschluss eines Verfahrens, das
rechtsstaatlichen Grundsätzen genügt und hoffentlich darüber hinaus! Hilfe, Hilfe möchte man schreien, aber zu wem? Wer kann hier helfen? Wer kann hier
für Gerechtigkeit sorgen? Und….bleibt da nicht doch bei dem ein oder anderen ein klitzekleiner Rest Zweifel?“

Erstens kommt es anders…ganz anders…

Denn, je länger die Anhörung dauerte, desto mehr Hoffnung hatte ich. Und da: 
als ich am Donnerstag Nachmittag nochmal am Landgereicht Bayreuth vorbeifuhr, standen gleich 4 Ü-Wagen vom BR vor dem Landgericht! Noch mehr Hoffnung! Vielleicht sogar Hoffnung auf eine sofortige Entscheidung! Vertagt! Und das Warten begann… Das Warten und Hoffen! Hoffen auf Gerechtigkeit!

Und das Schlimmste ist, dass man nichts machen kann, außer warten. Geduld war ja noch nie so meine Stärke. Aus welchem Grund beschäftige ich mich eigentlich mit dem Fall Mollath? Warum beschäftigen sich andere mit dem Fall? Ich habe darüber oft nachgedacht.

Am Anfang, als ich von Herrn Mollaths Geschichte erfuhr, war es Unglaube, der mich die Geschichte verfolgen lies. Als ich die Homepage durchforstet hatte und mir klar gemacht hatte, dass der Vollzug dieses Dramas sich hier, in meiner Stadt abspielt, wollte ich es genauer wissen. Deshalb habe ich mich auf Spurensuche begeben. Aber nachdem ich den Anwalt, den Herrn vom Fach, den Fahrer und die Psychiaterin vom BKH getroffen und gesprochen und entsprechend im Internet weiter recherchiert hatte, war es nur noch das blanke Entsetzen, das mich die Geschichte verfolgen lies.

Wahrscheinlich ist die Motivation bei mir eine Mischung aus Mitleid, Anteilnahme, Ungläubigkeit, Angst vor einem Klüngel aus Politik, Geldadel und Justiz, der operieren kann, wie er will. Die Urangst keine Kontrolle zu haben und ungerecht behandelt zu werden. Und die simple Hoffnung, dass mir auch jemand hilft, wenn ich in Schwierigkeiten stecke. Aber da geht es ja schon los: Die Hoffnung, dass mir auch jemand hilft. Ich helfe ja gar nicht, oder doch? Zählt der bloße Versuch, andere an den Fall heranzuführen auch schon als Hilfe? Oder ist es schon eine Hilfe, wenn man sich nur die Mühe macht, sich in den Fall einzulesen und selbst dran zu bleiben? Das ist auf 
jeden Fall schon mal besser als nichts. Trotzdem komme ich mir hilflos vor. Hilfslosigkeit der Sache gegenüber ist also wahrscheinlich ein weiterer Motivationsgrund, denn Hilflosigkeit ist ja bekanntlich nur schwer zu ertragen und wird gerne mit (manchmal auch blindem) Aktionismus überdeckt. Aber im Moment gibt es keinen Aktionismus. Ich kann nur warten. Wie warten eigentlich die anderen? Sind die auch so ungeduldig wie ich? Denken die anderen auch so oft an Herrn Mollath und die ausstehende Entscheidung?
Und vor allem: Wie wartet eigentlich Gustl Mollath?

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3 Antworten zu Beate N.: Schlaflos in Bayreuth!

  1. Breitenbach schreibt:

    We­gen ih­rer in den und durch die Me­dien über­mit­tel­ten und ver­stärk­ten Äuße­run­gen zum Fall des noch im­mer in Bay­reuth fest­ge­setz­ten und un­schul­dig ein­sit­zen­den Mol­lath wur­de bis­wei­len hier und an­dern­orts be­reits der Rück­tritt der CSU-Po­li­ti­ke­rin Bea­te Merk ge­for­dert. Es wur­de et­wa zu­tref­fend auch auf die Wei­sungs­ge­bun­den­heit von Staats­an­wäl­ten hin­ge­wie­sen und un­er­müd­lich auf den »Son­der­fall« des tra­di­tio­nell CSU-re­gier­ten Bun­des­lan­des Bay­ern ab­ge­stellt.

    Um den Rie­sen­wir­bel, den die re­pres­sive Be­hand­lung Mol­laths er­zeugt, und die da­von aus­ge­hen­de An­steckungs­ge­fahr auf die Le­ser­schar der maß­geb­li­chen Bay­reu­ther Re­gio­nal­zei­tung nach Kräf­ten zu dämp­fen, hat sich der de­sig­nier­te Boss ih­rer Re­dak­tion nicht ge­scheut, per­sön­lich hier im Blog Stim­mung ge­gen Leu­te zu ma­chen, die die ma­ro­de und mor­bi­de zu wer­den dro­hen­de Glaub­wür­dig­keit sei­nes Blatts be­dro­hen, und über­schäu­mend über ein­zel­ne auf­grund ih­rer In­tel­li­genz he­raus­ra­gen­de Blog-Teil­neh­mer her­zu­fal­len.

    Und nun kam he­raus, daß die­se nord­baye­ri­sche Zei­tung sich zu un­ge­fähr fast zwei Drit­teln und da­mit über­wie­gend in der Hand ei­ner po­li­ti­schen Par­tei be­fin­det – der SPD.

    Stürzt da nicht ein Welt­bild zu­sam­men und müß­te drin­gend zu­recht­ge­rückt wer­den?

    Ich möch­te mir an die­ser Stel­le er­lauben, ei­ne Pa­ro­le des BgA auf der bun­des­wei­ten An­ti-Hartz-De­mon­stra­tion vom 3. Ok­to­ber 2004 ab­zu­wan­deln:

    MACH DEIN KREUZ AM RICHT’GEN FLECK,
    MERKELS RAUBSTAAT, DER MUSS WEG!
    SEI KEIN STIMMVIEH, MACH NICHT MUUUH:
    SPD = CDU

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    • Reinhard Treudler schreibt:

      Man muss Frau Beate N. schon für Ihren Einsatz danken. Mir geht es ähnlich, man wartet auf eine Entscheidung des Gerichtes. Es herrscht gespannte Ruhe im Netz.

      Deshalb einige Zwischeninfos zur richterlichen Unabhängigkeit in diesen Land als lesenswerten Stoff – Richter und Dienstunfähigkeit (Psychiatrie), um die Zeit zu überbrücken. Gehen Sie auf die Seiten den BGH – http://www.bundesgerichtshof.de – . Dann dort die Entscheidungsdatenbank aufrufen und in das Aktenzeichenfeld „Riz“ (ohne Anführungszeichen eingegeben).

      Weiter in das untere Feld spezielle Begriffe , z. b. „Gutachter“ eingeben. Es ist interessant, wer hier mitunter den Vorsitz des Dienstgerichtes geführt hat. Herausragend in ein Herr Vors. Richter Nobbe.

      Kleine Statistik: RiZ + Zusatzbegriff = Treffer

      – Noppe = 24,

      – Erdmann = 9

      – Psychiatrie = 4

      – Dienstunfähigkeit = 7

      – Unabhängikeit = fast 40

      – bayerischen = 3

      Viele Grüße aus dem Taunus und regen Sie sich nicht zuviel beim Lesen auf. ich muss mir nach soviel Unabhängigkeits-Stress erst einmal einen Apfelwein besorgen, falls man das in Nürnberg und Umgebung überhaupt kennt. Wer schön, wenn man einmal eine Flasche mit Herrn Mollath trinken könnte.

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  2. Breitenbach schreibt:

    Drei Zitate:

    »Was hilft Wohl­stand und Glück­se­lig­keit, in Zei­tun­gen so schim­mernd zur Schau ge­stellt, wenn die Werk­stät­ten leer ste­hen, wenn Han­del und al­le Quel­len des Ver­dien­stes stocken, wenn der Ar­men im­mer mehr wer­den, wenn Pa­pier die Stel­le des Gel­des er­set­zen muß, wenn die Rei­chen und Ruh­lie­ben­den ein Land flie­hen« (Hein­rich Au­gust Ot­to­kar Rei­chard, »Auf­ruf ei­nes Deut­schen an sei­ne Lands­leu­te am Rhein«, 1792).

    »Der Zei­tungs­schrei­ber ist ei­ne der wir­kend­sten Per­so­nen im Staa­te […], aber sei­ne Blät­ter soll­ten auch par­tei­lo­se Re­per­to­rien der Zeit­ge­schich­te sein, er ver­setzt sich al­so zum elen­de­sten Schmie­rer he­rab, wenn  e r  […] Nach­rich­ten lie­fert, die das Ge­prä­ge der Lü­ge und der un­ver­schäm­te­sten Par­tei­lich­keit tra­gen« (Au­gust von Hen­nings, »Noch ein Wort über Frank­reichs Re­vo­lu­tion«, 1795).

    »Das erste Er­for­der­nis ei­ner gu­ten Kon­sti­tu­tion ist, daß die Ver­stän­dig­sten im Staat bei­sam­men sind und ent­schei­den kön­nen; und das zwei­te, daß sie für das all­ge­mei­ne Wohl ent­schei­den; und das drit­te, daß aus­ge­führt wird, was sie ent­schie­den ha­ben.
       […] Daß aus­ge­führt wird, was sie ent­schie­den ha­ben, […] ist das schwer­ste Pro­blem in der gan­zen Po­li­tik.
       Man hat es auf­zu­lö­sen ge­sucht durch gänz­li­che Ab­son­de­rung der gesetz­ge­ben­den, rich­ten­den und aus­füh­ren­den Ge­walt. Bei Er­rich­tung ei­ner neu­en Kon­sti­tu­tion müs­sen je­doch im­mer ge­wiß die zwei letz­te­ren unter der er­sten ste­hen; und es ist nicht wohl ab­zu­se­hen, wie sie nicht im­mer da­run­ter ste­hen müs­sen« (Wil­helm Hein­se, »Ta­ge­buch­auf­zeich­nun­gen. Aus Mainz 1786-1792«).

    P.S.
    Wo bleibt ei­gent­lich der em­pör­te Auf­schrei aus den Rei­hen der CSU und CDU gegen den ›Nord­baye­ri­schen Ku­rier‹ wie zu Zei­ten der ›Frank­fur­ter Rund­schau‹?

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