Beate N. war vor dem Landgericht

Gegen 9:15 Uhr breche ich auf. Ich will ja pünktlich sein und noch einen
Platz auf dem sicher vollen Vorplatz des Gerichtsgebäudes bekommen. Werde
ich vor lauter Schildern, Transparenten, Kamerateams überhaupt was sehen?
Ich parke mein Auto und laufe hin. Auf meinem kurzen Fußweg sehe ich schon
ein Auto mit einem Sat1 Bayern Schriftzug drauf. Aha, die sind also schon
da. Ich laufe ums Eck und biege auf den Richter-Parkplatz ein. Aha, das
Seitentor wird von einem Mann in blau und zwei Polizisten belagert….“Hier
wird er wohl reinfahren“ denke ich. Die Kameras und Reporter stehen aber vor
dem Gebäude selbst. Aber keine Schilder und keine Transparente. Wenige
Privatleute. Wundert mich nicht, denn das Intersse in Bayreuth ist gering,
der Unglaube stark. Also stelle ich mich mit hin. Gegen 9:40 Uhr biegt ein
Taxi auf den Richterparkplatz. Wen bringt es denn? Es bringt RA Strate. Ein
gutes Zeichen, wie ich finde. Sofort wird er belagert. Als ich mich umsehe,
entdecke ich auch RA Lorenz-Löblein und Otto Lapp, von der örtlichen Presse.
Auch die SZ ist da. Nach einem kurzen Interview geht RA Strate rein. Ihm
folgen viele andere. Nur ein Kamerateam lauert vor dem Tor mit den Beamten.
Die Zeit vergeht…es ist vielleicht 9:57 Uhr als ein dunkler vergitterter
Kleinbus die Einfahrt zum Richterparkplatz passiert. Ganz hinten erkenne ich
eine Person mit roter Jacke. Das könnte er sein. Er hält also nicht vor dem
Tor, wo das Kamerateam gewartet hat. Dann ist auch noch die Ampel grün, so
dass der Bus gleich abbiegen kann. Er hält auch nicht vor dem Hauptportal.
Dort ist aber sowieso keiner mehr…die sind ja alle drin. Der Wagen fährt
zum anderen Seiteneingang. Der Kameramann rennt und bleibt am Eck stehen und
filmt Richtung Seiteneingang. Dann sind alle drin. Wird wohl nicht lange
dauern, also warte ich mal. Mit mir warten eine handvoll anderer Privatleute
mit denen ich ins Gespräch komme. Es dauert und dauert und dauert. Plötzlich
kommen die ersten Leute raus und sagen, dass es noch ein zwei Stunden
dauert. Das ist gegen 11 Uhr. Dann kommen mehr Leute raus. Andere gehen
wieder rein. Jemand macht mich auf Dr. Braun aufmerksam. Ich gehe hin und
spreche ihn an. Wir unterhalten uns ein paar Minuten. Andere stehen auch
dabei. Dann kommen wieder Leute raus. Plötzlich erkenne ich auch Frau Antes,
die das Interview mit Beate Merk geführt hat. Dann heißt es, die Anhörung
wird um 14:00 Uhr fortgesetzt. „Was machen sie mit Gustl Mollath solange?“
frage ich mich noch vor dem Haupteingang stehend, als der dunkle Bus mit dem
Mann mit roter Jacke drin die grüne Ampel passiert und abbiegt. Vermutlich
wird er bis 14:00 Uhr ins BKH gebracht. Es geht auf 12:30 Uhr zu. Ich
beschließe nach Hause zu gehen und verabschiede mich beim Gehen noch von
einem meiner Gesprächspartner vom Vormittag, der gerade mit RA
Lorenz-Löblein spricht. Sogar mit ihr kann ich ein paar Worte wechseln…
Dann gehe ich total aufgewühlt nach Hause. Es wurde so viel erzählt und es
waren so viele interessante Leute da und es war eine tolle Stimmung unter
den Wartenden. Bewegt sich da heute doch etwas und warum dauert das solange,
wo man sich doch vorher einig war, dass der Termin nach kurzer Zeit vorbei
ist. Den ganzen Nachmittag bin ich nervös und warte auf das Ergebnis. Und
warte! Und warte! Vertagt! Immerhin, wenigstens nicht sofort abgewiesen.

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Eine Antwort zu Beate N. war vor dem Landgericht

  1. Joachim Bode schreibt:

    Wahnsinns-System Justiz:

    Heribert Prantl hat am 27.11.2012 in einem Kommentar der SZ einen ganz wichtigen Satz gesagt:

    „Eine Justiz, die Menschen ohne gründlichste Prüfung einen Wahn andichtet, ist selbst wahnsinnig.“

    Seit diesem Tag hat sich in der Justiz nur wenig bewegt:
    Es gibt einen Wiederaufnahmeantrag der Staatsanwaltschaft, und eine vorgezogene Anhörung Mollaths hat stattgefunden.
    Im übrigen bleibt alles beim Alten (der Untersuchungsausschuss ist nicht Teil der Justiz…).
    Dabei ist es ganz wichtig, die Personen namentlich zu nennen, die Mit- oder sogar Hauptverantwortliche des Wahnsinns-Systems sind, weil der Kampf dagegen andernfalls nur virtuell im luftleeren Raum zu führen ist.

    Da sind vor allem zu nennen die Richter Brixner und Heinemann, auch Staatsanwalt Schorr, die als Juristen für das rechtswidrige Urteil verantwortlich sind.
    Dann die mir namentlich (noch) nicht bekannten Richter der Strafvollstreckungskammer in Bayreuth, die jedes Jahr von neuem die Unterbringung bestätigt haben. Jetzt tut sich Oberstaatsanwalt Lupko hervor, indem er einen DIN-A4-Vorduck mit dem angekreuzten Antrag auf weitere Unterbringung stellt, ohne auch nur einen einzigen eigenen Gedanken dabei zu entwickeln. Ihm gelang es Ende 2011, die Unterlagen über den jetzt wichtigsten Wiederaufnahmegrund unbearbeitet in den Aktenbergen verschwinden zu lassen.
    Als Helfershelfer dieser Wahnsinns-Justiz profiliert sich seit Jahren Dr. Klaus Leipziger, der Chefarzt der bayreuther Forensik, der jetzt zur Begründung der angeblichen Gemeingefährlichkeit Mollaths nur Banalitäten aus dem Stationsalltag anführen kann (z.B. Telefonverhalten).
    Über allem schwebt die Justizministerin Merk, welcher als Wahnsinns-Braut nichts anderes einfällt, als ständig von der sogenannten Unabhängigkeit der Justiz zu faseln. Sie will einfach nicht begreifen, dass diese Unabhängigkeit nicht Unabhängigkeit von der Gesetzesbindung der Richter bedeutet. So drückt sie sich erfolgreich vor den höchst überfälligen Korrekturen, für die sie verantwortlich ist.

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