Beate: „… der hat doch 100erte Reifen zerstochen.“

Frage an Beate N. : „Sprechen Sie denn mit ihren Nachbarn über Mollath? Das wäre doch nahe liegend.”
Beate: „Nein, Sie irren. Ich kann mit fast niemandem darüber sprechen. Es interessiert niemanden. Ein Nachbar ist Anwalt und Abonnent der Süddeutschen Zeitung. Von diesem möchte man doch Anteilnahme erwarten. Aber es ist abgeklärt und gleichgültig, spricht von Deals und dass nirgends so gelogen wird, wie vor Gericht, und dass Recht haben und Recht bekommen sowieso zwei Paar Stiefel sind. Ich habe viele gefragt, ob sie vom Fall gehört haben. Und diejenigen die davon gehört haben glänzen mit Halbwissen, darunter eine Zeit-Abonnentin.
Ja, aber der hat doch seine Frau gewürgt und festgehalten. Und er hat doch 100erte Reifen zerstochen, Mollaths Sichtweise sei einseitig und was, wenn der doch gemeingefährlich ist. Die örtliche Presse schreibt wenig und schlecht.
Kurz: Der Fall interessiert einfach keinen und in meinem Bekanntenkreis heißt es mittlerweile schon, na was macht dein Mollath. Die Leute wollen sich den Fall immer von mir in 3 Minuten erklären lassen und reagieren dann ungläubig. Aber dass mal jemand intensiv nachlesen würde. Erschreckenderweise auch Leute, die ich für mündig, offen, gebildet, belesen, am Zeitgeschehen anteilnehmend, halte. Das ist für mich unfassbar. Es ist ja schon schlimm genug, nichts tun zu können, aber sich nicht einmal dafür zu interessieren, das halte ich fast schon für bedenklich.
Mit beunruhigen dabei folgende Dinge: jederzeit kann mir, dir oder jedem anderen Unrecht widerfahren, die Gerichte halten sich für unfehlbar und dann interessiert es nicht mal jemanden…wird schon passen, was die Gerichte entscheiden…“
Der Bericht der Bayreutherin Beate N. über ihre Erlebnisse und Gedanken zum “Fall Mollath” wird fortgesetzt.
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7 Antworten zu Beate: „… der hat doch 100erte Reifen zerstochen.“

  1. Frieder Kohler schreibt:

    Ja, im christl. Schwaben sind die meisten Menschen auch nicht über die ersten Stunden im Katechismusunterricht hinaus(hinein-)gekommen, politische Bildung oder die alte Staatsbürgerkunde sind Mangelware. Der Riß geht durch die Familie:“Wenn Du keine anderen Sorgen (BRD-Skandale von Strauß, Barschel, Streibl, Späth, Kohl, Schäuble, Mappus u.v.a.m. als „Büchsenspanner“),hast, kümmere Dich um die Dinge, die Du ändern kannst, freue Dich Deines Lebens, wer nicht genießen kann, wird selbst ungenießbar usw., usw., usw .Dazu der freundliche Hinweis:“Bleib mir vom Leib mit Deinen Sprüchen!“ Der Spruch im heutigen Streitgespräch über den (Justiz-)Skandal Mollath ist uralt und paßt:“Wer sein Ohr verschließt vor dem Schreien des Armen, wird selbst nicht erhört, wenn er um Hilfe ruft (Sprüche 21,13)!“
    Ja, wer soll die Verhältnisse ändern, wenn wir es nicht tun: Schlagworte allein schaffen keine Mehrheiten!

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  2. Ralf schreibt:

    Es stimmt, was Beate N. schreibt. Heute steht in der Bayreuther Zeitung (Nordbayerischer Kurier) ein Artikel über Mollath. Diese Abhandlung kann man vom Wissenstand her, mit der unsäglichen Aussage von Markwort (heißt der so?) letzten Sonntag im Bayerischen Fernsehen vergleichen. Einfach zum Kopfschütteln. Wenn der Redakteur wenigsten auf die Webseite von RW Strate aufmerksam gemacht hätte.

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  3. Menschenrechtler schreibt:

    OPFER-TÄTER-UMKEHRUNG : „Wie im Fall Mollath“
    Hier ein Beitrag über eine menschlich-psychologische Dimension, die in der Causa Mollath mit verursachend war.
    Heute war in München eine machtvolle Demonstration,um gegen die NSU-Morde und das Vertuschen rechtsextremer Gewalt zu protestieren. Ein betroffener Angehöriger prangerte die „Opfer-Täter-Umkehrung“ bei den NSU-Morden an. Bekanntlich wurden die Opferfamilien und türkische Emigranten verdächtigt, an den Anschlägen beteiligt zu sein. Das Opfer (Die Opfer-
    familien) wurden als Täter verdächtigt. Diese absurde, erschreckende Verdrehung ist m.E. auffällig oft in Deutschland festzustellen. Mein türkischer Friseur fand in seinem Postwertfach einen fremden Scheck vor, gab ihn zurück, ihm wurde von der Post und der Zeitung als „ehrlicher Finder“ gedankt und später………..wurde er als Beschuldigter verhört ! Diese psychologische Absurdität, die Einstellung und das Verhalten zu Opfern in Deutschland bedarf m.E. einer kritischen und tieferen Debatte. Auch wie es durch die „Hauruckmentalität“
    -besonders ausgeprägt in Bayern-, autoritäres Verhalten von Trägern der Macht und gehorsames, gefügiges Verhalten Untergebener zu schwerwiegendem Unrecht und unschuldig verräumten Menschen in die Forensik kommen kann.

    Herr Dr. Strate legt Wert darauf, dass Herr Gustl Mollath nicht mit Handschellen nächste Woche vorgeführt wird. Nach meinem Dafürhalten wäre es mehr als überfällig, dass die Presse und u.U.auch Dr. Strate eindringlich das Strafvollstreckungsgericht ersucht, dass die Unterbringungskonstellation von Herrn Mollath im Machtbereich des Dr. Leipzigers in seiner nicht neutralen, befangenen Doppelfunktion (Falschgutachter und gleichzeitig Chefarzt) völlig unhaltbar, unmenschlich und zerstörerisch ist und war und a u c h aus diesem Grund eine Unterbringung umgehend aufzuheben ist. Die SZ und die Nürnberger Nachrichten sollten daraufhin nochmals aufmerksam gemacht werden. Auch wenn dies kein „juristischer
    Grund“ ist, könnte dieser „Skandal im Skandal: Herr Mollath ist als Opfer seit dreieinhalb Jahren im Machtbereich des Täters “ zur Freiheit von Herrn Mollath führen. Über diese schwer destruktive Unterbringungssituation ist die Öffentlichkeit n i c h t informiert und bei Bekannt- werden würde dies zu Empörung, einem Skandal führen, der auch von der Auslandspresse berichtet würde, auch weil diese inhumane Opfer-Täter-Beziehung eine typisch deutsches
    Verhaltensmuster darstellt.

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  4. Pingback: Winfried Sobottka an UNITED ANARCHISTS 2013-04-18 | Anarchisten Boulevard

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  7. mal wieder da schreibt:

    Da gibt es mehr, die Reifen zerstechen … wahrscheinlich gibt es schon eine ICD 10 – Bezeichnung oder einen Namen im DSM 4 – oder war es schon der Fünfte?

    http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.43-mal-schlaegt-er-zu-reifenstecher-versetzt-eine-stadt-in-angst.50d2dfb6-f07d-408f-b133-eea587acc67f.html

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