Gefragt zum „Fall Mollath“ – ACAT-Deutschland e.V. antwortet

Ich habe am 6.4.2013 fast allen der hier aufgezählten Menschenrechtsorganisationen eine Mail geschickt. Die Mail hatte diesen Wortlaut:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Klaus-Peter Kurch, ich bin Blogger des „opablog“ (https://opablog.net/).  Seit nun schon mehreren Monaten engagiere ich mich im Fall des Gustl Mollath, in dem sich nach meiner Meinung eine Menschenrechtsproblematik ergibt. In diesem Zusammenhang stellen sich mir die folgenden Fragen:

1. Ist Ihnen (bzw. Ihrer Organisation) bekannt, daß Gustl Mollath seit mehr als sieben Jahren gegen seinen Willen in Einrichtungen der bayrischen Psychiatrie („Maßregelvollzug“) festgehalten wird?

2. Sind Sie (bzw. Ihre Organisation) der Meinung, daß es in diesem Fall Menschenrechtsverletzungen gibt?

3. Falls ja, was haben Sie (bzw. Ihre Organisation) getan, um diese zu beenden bzw. was beabsichtigen Sie zu tun?

Ich sehe erwartungsvoll Ihrer Antwort entgegen und werde diese auch gern in meinem Blog veröffentlichen. 

Nett wäre es, wenn Sie mir zugleich eine Information darüber zukommen lassen würden, welche Aktion des letzten Jahres Sie als die bedeutendste, erfolgreichste, erfreulichste Ihrer Organisation hervorheben möchten. 

Mit freundlichen Grüßen 

Dr. Klaus-Peter Kurch …

Heute hat mir Wolfgang Bentrup geantwortet, Vorsitzender ACAT-Deutschland e.V., also der „Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter“

Seine Antwort zu Frage 1„Ja, mir ist der Fall Mollath bekannt, besonders durch die Berichterstattung in der „Süddeutschen Zeitung“. Auch den „ZEIT-Artikel“ habe ich gelesen und war wie Sie empört.“

Seine Antwort zu Frage 2: „Auch ich gehe davon aus, dass die bayerische Justiz in diesem Fall nicht sorgfältig genug gearbeitet hat und man durchaus von „Menschenrechtsverletzungen“ sprechen kann.“

Seine Antwort zu Frage 3: „Wir haben uns in diesem Fall bisher nicht eigens engagiert. Gründe dafür: 1. es gibt schon viele Engagierte, die auch sehr erfolgreich sind (u.a. Sie mit Ihrem Blog oder die Redaktion der „SZ“). Immerhin wird der Fall derzeit überprüft; 2. wir konzentrieren uns z.Zt. auf die Situation im Ausland und auf die Abschaffung der Todesstrafe weltweit.“

Darüber hinaus bekräftigt Herr Bentrup noch einmal, daß er „Unser Engagement gegen die Todesstrafe weltweit.“ zu den bedeutendsten Aktivitäten von ACAT-Deutschland zählt.

Ich dankte Herrn Bentrup für seine Antworten auf meine Fragen und schrieb:

„Sehr geehrter Herr Bentrup,

ich danke Ihnen für Ihre Antworten auf meine Fragen und freue mich besonders über die Wertschätzung, die sie gegenüber den „vielen Engagierten“ zum Ausdruck bringen. Wir Engagierte sind weit davon entfernt zu glauben, daß wir je zu viele sein könnten (dem werden sie zweifellos zustimmen). Vor allem aber ist wohl, bei aller Freude über erste kleine Fortschritte, Nüchternheit angebracht bei der Einschätzung „sehr erfolgreich“ zu sein. Gustl Mollath wird nun nach sieben Jahren hoffentlich bald aus der bayrischen Zwangspsychiatrie freikommen. Ob aber alle Verfehlungen der bayrischen und nicht nur der bayrischen Justiz, Forensik und Finanzverwaltung rücksichtslos aufgedeckt werden und die Verantwortlichen aller beteiligten Ebenen zur Rechenschaft gezogen werden, ob Gustl Mollath ohne jahrelangen bürokratischen Krieg angemessen entschädigt wird, ob grundsätzliche Schlußfolgerungen für die Festigung und den Ausbau des demokratischen Rechtsstaats gezogen werden, all das steht…, nein, das steht nicht in den Sternen. Es ist abhängig vom noch größeren Engagement vieler Bürger und vom noch größeren Engagement der Bürger- und Menschenrechtsorganisationen im eigenen Land.

Ihre Aktivitäten zur Abschaffung der Todesstrafe weltweit verfolge ich mit Sympathie und wünsche Ihnen weitere spürbare Erfolge.

Mit freundlichen Grüßen…“

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6 Antworten zu Gefragt zum „Fall Mollath“ – ACAT-Deutschland e.V. antwortet

  1. Frieder Kohler, Alemannenstr.11, 79211 Denzlingen schreibt:

    Hoffentlich hat S.J.Lec (Sämtliche unfrisierte Gedanken) nicht recht:“Wie stürmisch ist das Meer der Gleichgültigkeit“! Treffen wir uns auf der Demo… in Nürnberg, am… an welchem Ort?

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  2. F. Fischer schreibt:

    @Opa
    Tolle Antwort von Dir an Hr. Bentrup!

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  3. Das ist ja lustig…die ACAT-Gruppe sitzt in Lüdinghausen…nicht weit (ca. 30 km) von meinem ehemaligen Wohnort Recklinghausen, aber ich hatte noch nie was von denen gehört…

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  4. Nils schreibt:

    @Opa

    Ein ganz tolles Anschreiben von Ihnen an ACAT und tolles Engagement!

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  5. Pingback: Gefragt zum “Fall Mollath” – “medico international” und die “Friedrich Ebert Stiftung” haben geantwortet | opablog

  6. Pingback: Gefragt zum “Fall Mollath” – die “Deutsche Sektion der Internationalen Juristen-Kommission e. V.” hat geantwortet | opablog

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