Die Macht der Bilder

Da es um Videos geht, eigentlich: Die Macht der bewegten Bilder.

Ich sehe ein Video von Mollath und weiß: Der Mann ist echt. Ungeachtet aller möglichen Macken, die er vielleicht hat.

Ich sehe ein Video von Prof. Dr. Kröber und weiß: Der Mann ist ein aufgeblasener Frosch.  Ungeachtet aller möglichen Verdienste, die er vielleicht hat.

Interessant, daß das keine Vorurteile sind.

Das sind Schnellurteile. Sie beweisen nichts. Sie sind aber vorhanden und sehr wohl wirksam.

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38 Antworten zu Die Macht der Bilder

  1. Neongrün schreibt:

    Na so was! Gerade sahen wir noch die geschlossenen Banken in Zypern und heute sehen wir die EU.Transporter die den Banken Kohle bringen.
    Nur, warum sahen wir keine verzweifelten Russen oder andere Anleger die um ihr Geld klagten?
    Gesehen haben wir nur arme Durchschnittszyprioten die am Automaten kein Geld bekamen.
    Was geschah wirklich?

    Die Intelligenz verwaltete das Geld!
    http://www.rbb-online.de/nachrichten/wirtschaft/2013_03/Brandenburg_Staatsanleihen_Zypern.html

    und dann waren da noch ein paar andere :mrgreen: 😆
    http://blog.eybwallwitz.de/hinweis-an-unsere-kunden-in-zypern-die-londoner-filialen-sind-noch-offen/

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    • Breitenbach schreibt:

      Wo­rauf beim The­ma der Spa­rer-Schröp­fung in Zy­pern kei­ner hinweist (weil es eh al­le wis­sen und es so lang­wei­lig ist?): Schon seit An­fang 2009 gel­ten Zin­sen in der BRD »als Ein­nah­men und sind dem­nach ein­kom­men­steuer­pflich­tig und müs­sen über die Ab­gel­tungs­steuer ver­steu­ert wer­den […] Die Hö­he der Ab­gel­tungs­steu­er be­trägt pau­schal 25 Pro­zent plus 5,5 Pro­zent So­li­da­ri­täts­zu­schlag. […] Kir­chen­steu­er­pflich­ti­ge Spa­rer zah­len zu­sätz­lich noch 8,00 bzw. 9,00 Pro­zent Kir­chen­steu­er auf den An­teil der Ab­gel­tungs­steu­er« (http://www.tagesgeldvergleich.com/steuer-auf-zinsen). Zwar gibt es pro Na­se ei­nen »Pausch-« bzw. Frei­be­trag in Hö­he von 801 Eu­ro, doch da­ne­ben eine Zu­satz­fal­le: »Um den Spa­rer­pausch­be­trag an­ge­rech­net zu be­kom­men, muss der […] Spa­rer beim je­wei­li­gen kon­to­füh­ren­den Kre­dit­in­sti­tut im Vor­feld ei­nen Frei­stel­lungs­auf­trag be­an­tra­gen [sic].« Kommt in Zy­pern al­so ei­ne neue Qua­li­tät zum Vor­schein?

      So, und jetzt vergleiche man die kol­por­tier­te Vor­ga­be von Fi­nanz­mi­ni­ster Mar­kov, »Ren­di­ten von min­de­stens zwei Pro­zent über der In­fla­tions­ra­te zu er­wirt­schaf­ten«. So viel? Z w e i Pro­zent? Aber un­ter­halb der In­fla­tions­ra­te wird das Geld doch im­mer we­ni­ger. Und zwei Pro­zent Zin­sen, die es auf Omas Spar­buch gab, sol­len bei hie­si­gen Ban­ken nicht mehr zu ho­len sein. Stimmt das? Wenn ja: was sagt uns das über die von den Ban­ken über­nom­me­ne Rol­le?

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      • rjb schreibt:

        Da ist nun einiges korrekturbedürftig: Zinseinkünfte sind in Dtld. schon sehr viel länger als seit 2009 einkommensteuerpflichtig; sie werden besteuert entweder zum Pauschalsatz der „Abgeltungssteuer“ oder via Einkommensteuererklärung zum individuellen Steuersatz des Steuerpflichtigen; der Freibetrag in Hö­he von 801 Eu­ro wird auch bei der Steuerfestsetzung aufgrund Einkommensteuererklärung angesetzt, unabhängig von Freistellungsaufträgen. Letztere bewirken nur, daß die Bank in der betreffenden Höhe bei Zinsgutschriften eben keine Abgeltungssteuer abzieht.

        Zutreffend ist, daß bei einem persönlichen Einkommensteuersatz in Höhe der Abgeltungssteuer eine Rendite von etwa 3% pro Jahr erzielt werden muß, um den Realwert angelegter Gelder nach Inflation und Steuern zu erhalten (um also einen zwar nominalen, aber noch keinen realen Zuwachs zu erzielen), und daß es eine solche Rendite derzeit und in absehbarer Zukunft risikolos (oder was man für risikolos halten mag) nicht gibt. Insofern hat der Euro den Charakter einer Schrottwährung.

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  2. fassungsloser Durchschnittsbürger schreibt:

    Ja, das trifft es genau. Keinerlei Rückgrat. Braucht man auch nicht, wenn man die Katholische Kirche berät oder aufrechte Menschen in die Pfanne haut.

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  3. annie b. schreibt:

    Andere beeindruckende Bilder:

    Die Mimik von Frau Merk in der „Münchner Runde“, die manch einen erst auf die Affäre Mollath aufmerksam gemacht hat, das Foto des spekulierenden Dr. Wörthmüller

    http://www.abendzeitung-muenchen.de/gallery.lokales-unfassbare-panne-ein-sex-taeter-spaziert-in-die-freiheit-param~3~2~0~2~false.ccc81cdd-9e3b-4150-b4b7-00a3dc95cf0d.html

    (Bild 3) …

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  4. Menschenrechtler schreibt:

    Die SZ vom 28./29.3.13 berichtet mit der Überschrift
    „Man fühlt sich wie der letzte Dreck“ von einem Telefon-
    interwiew von O. Pryzbilla und Herrn Mollath über seine Forensik-Erfahrung, wie es ist, niemals ungestört telefonieren zu können, Nacht für Nacht m e h r m a l s geweckt zu werden und sein Wahlrecht zu verlieren. Dazu Auszüge:
    P.: Gab es Situationen in den vergangen Jahren, in denen Ihnen bewusst war: Meine Chancen, im Leben hier nochmal rauszukommen, stehen schlecht?
    M.: „Das ist ein Punkt, der mich mit am stärksten bewegt.Es ist der Öffentlichkeit n i c h t im A n s a t z bekannt, was hinter diesen weißen Mauern möglich sein kann und was gang und gäbe ist.
    P.: Haben Sie einen Wunsch?
    M.: Ich hoffe und wünsche mir, dass das alles irgendwann nachgewiesen wird und an die Öffentlichkeit kommt…….. Dass so etwas in Deutschland möglich ist, entsetzt mich. Das passt

    einfach nicht zu diesem Land, wie es sich nach a u ß en darstellt……
    Was ich mir wirklich wünschen würde, wäre eine breite öffentliche Diskussion: Was ist da tatsächlich hinter diesen weißen Mauern los? Was sind das da für Bedingungen?
    Das fände ich sehr wichtig für unsere Gesellschaft.
    Herr Mollath bezeichnet seine Frau nicht als die Hauptverantwortliche!

    Es ehrt Herrn Mollath außerordentlich, dass er nicht nuran sich denkt, sondern mit anderen Untergebrachten mit-empfindet und sich mitverantwortlich fühlt, was in der
    deutschen Gesellschaft menschlich nicht zu verantworten ist.
    Für die nach wie vor unmenschlichen Unterbringungsbedingungen von Herrn Mollath und andere Menschen trägt die Hauptverantwortung die Sozial!ministerin Frau Haderthauer(was in der
    Öffentlichkeit kaum bekannt ist!) (Fax 089-12612078 oder E-mail:Pressestelle@stmas.bayern.de und der Bezirkstagspräsident von Oberfranken, Herr Dr. Denzler FAX 0921-78463001. Frau Haderthauer ist mit einem Psychiater verheiratet und ihr sind die Unterbringungsbedingungen spätestens durch Anfragen in Abgeordnetenwatch bekannt. Jedem Bürger steht es frei Protest an die Hauptwortlichenverantwortlichen per FAX oder e-mail zu richten!

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  5. Breitenbach schreibt:

    Ab­ge­se­hen da­von, daß es we­der »das« Gu­te noch Bö­se gibt noch ge­ben kann, wüß­te ich gern, ob die Bild­auf­nah­me spie­gel­ver­kehrt ist oder nicht. Denn wenn je­mand nach oben schaut – dies tut der In­ter­view­te häu­fi­ger -, hat es et­was zu be­deu­ten, ob nach links oder rechts …

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  6. Fotobiene schreibt:

    Darf ich Dich, Opa Kranich und andere hier Kommentierende fragen, was Dich/Euch zu einem so undifferenzierten/unqualifizierten Schnellurteil gegen Kröber auf der Basis dieses Interviews führt?
    Habt Ihr das Interview wirklich ganz gesehen?
    Auch auf die Gefahr hin, daß ich mich hier gerade unmöglich mache:
    Ich finde ihn weder unsympathisch, noch redet er Unsinn.
    Gerade im Hinblick auf die letzen 15 Minuten seines Interviews ist mir völlig schleierhaft, wie er sich im „Fall Mollath“ hat vereinnahmen lassen, wie es scheint. Oder ist das schon ein halbes Schuldeingeständnis?? Schläft er darum schlechter, in letzer Zeit?
    Seine Rolle ist mir unbegreiflicher denn je, nach diesem Interview!

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    • kranich05 schreibt:

      Liebe Fotobiene,
      ich habe mich weder um Undifferenziertheit noch Unqualifiziertheit des Urteils gekümmert. Es steht – zu meinem eigenen Erstaunen – einfach so da, wie es ist (unhinterfragbar). Deshalb kam mir „die Macht der Bilder“ in den Sinn.
      Warum läßt sich ein in seinem engeren Fachgebiet doch wohl höchst Qualifizierter (wie allgemein verlautet) in ein öffentliches Gespräch ein zu einem Thema, zu dem er nichts zu sagen hat – „Das Böse“. Kein origineller Gedanke. „Der berühmte Forensiker, der muß es doch wissen…wenn der es nicht weiß, wer dann“ – Das scheint er selbst zu glauben und schwafelt drauflos; ausgerechnet mit dem sündigen Gedanken beginnend :-))) !.
      Von ihm wird es nie ein Schuldeingeständnis geben, denn er ist unfehlbar. Wenn er das Verhalten von Schwerverbrechern zu 80 bis 90% richtig prognostiziert, so ist das seine spezifische Bestätigung von Unfehlbarkeit.
      Ob er sich hat vereinnahmen lassen? Gewiß, eitle Menschen sind leicht zu korrumpieren. Doch vermutlich ist er zu machtbewußt, als das ihm Vereinnahmung passierte.

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      • Nils schreibt:

        @Kranich05

        Ihr Zitat

        „Warum läßt sich ein in seinem engeren Fachgebiet doch wohl höchst Qualifizierter (wie allgemein verlautet) in ein öffentliches Gespräch ein zu einem Thema, zu dem er nichts zu sagen hat – “Das Böse”. Kein origineller Gedanke. “Der berühmte Forensiker, der muß es doch wissen…wenn der es nicht weiß, wer dann” – Das scheint er selbst zu glauben und schwafelt drauflos; ausgerechnet mit dem sündigen Gedanken beginnend )) !.“

        Die Forschung vor allem in der Forensischen Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie beschäftigt sich mit der Ergründung des „Bösen“ und hat noch lange nicht die Lösung des Übels bereit. Neuere Forschungen gehen in Richtung PET (Tomographie) z. Bsp Markowitsch zur Ursachenerforschung.

        Prof. Dr. med Volker Faust

        Klicke, um auf faust1_das_boese.pdf zuzugreifen

        „DAS BÖSE AUS PSYCHIATRISCHER SICHT
        Was heißt böse? Wer gilt als böse? Wie ist man böse?“

        Deswegen verstehe ich Ihren Einwand nicht, warum der Psychiater Kröber sich nicht auf ein Gespräch einlassen kann, zudem er von Ihnen insinuiert, nichts zu sagen hat – Das Böse?

        Prof. Kröber ist wie viele seiner Kollegen auf dem Gebiet tätig, wie z. Bsp. Prof. Hans Markowitsch, der schon seit Jahrzehnten in diesem Bereich forscht und auch sehr moderne Methoden anwendet und m. E. moderate Meinungen vertritt.

        http://www.focus.de/wissen/mensch/neurowissenschaft/tid-23105/anders-behring-breivik-das-boese-des-attentaeters-sitzt-fest-im-gehirn_aid_649920.html

        http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1723317/

        Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

        http://www.bv-neurologe.de/main/img_neuro.php?SID&datei_id=2554

        Da Kröber in o.g. Interview zufällig den früheren Spiegel-Gerichtsreporter Mauz und dessen Verständnis für die Täter beschreibt, fällt mir noch ein Interview von Frau Friedrichsen und Markowitsch zum Thema „Das Böse“ ein.

        http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1723755/

        Ich sehe in Herrn Kröber keinen „aufgeblasenen Frosch“, was auch immer ihn dazu verführte ein Ferngutachten im Fall Mollath zu erstellen!

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        • kranich05 schreibt:

          Das Thema „Das Böse“ zu vertiefen, wäre interessant. Ich bin sicher, das würde wesentlich zu philosophischen und erst viel später zu psychiatrischen Fragen führen. Leider muß ich bekennen, daß ich zu solcher Vertiefung gegenwärtig weder die notwendige Zeit noch die Kraft aufbringen kann.

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      • Fotobiene schreibt:

        „Schwafelt drauflos“?
        Ich verstehe nicht? Ich finde das durchaus sehr gehaltvoll.

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      • F. Fischer schreibt:

        ich finde, Prof. Kröbers Ausführungen sind sehr oberflächlich und erinnern eher an persönliche Meinungen eines gebildeten Menschen als an Antworten eines Experten.
        „Den Partner betrügen“ als ein Einstiegsbeispiel für das Böse zu nennen, ist denkbar unpassend. Ich meine in den Blicken der Moderatoren auch teilweise Verwunderung bis Belustigung über die Belanglosigkeit der Antworten lesen zu können. Mir erscheinen die Fragen der Moderatoren (Einer hakt bzgl. „Fremdgehen“ noch mal nach) tiefsinniger als die ausführlichen Antworten Kröbers. Der Moderator fragt bzgl. „Fremdgehen“ als das „Böse“ nach, ob es da auch nicht Unterschiede je nach kulturellem Kontext gibt. Darauf geht Kröber gar nicht mehr ein, er weiß, dass er sich da vergalloppiert hat.
        Stattdessen führt Kröber aus, dass bei vielen Schwerverbrechern auch vorher schon Indizien vorlagen, z.B. ein „Kind beklauen“ (Komisches Beispiel, und beziehen sich die Indizien jetzt auch auf das „Fremdgehen“?). Da kratzt man sich schon am Kopf, was man damit nun anfangen soll, ob er in seinem Beruf auch so Kausalzusammenhänge aufbaut?
        Bei ca. 9:30 beschreibt er Straftaten aufgrund eines Wahns, z.B. wenn jemand an interstellare Geheimbünde glaubt. Ich hätte gerne die Reaktion der Moderatoren gesehen, wenn Kröber das viel näherliegende Beispiel angeführt hätte, dass jemand an Schwarzgeldverschiebungen bei Banken glaubt.
        Dann plätschert das Gespräch so dahin, ein paar nichtssagende Statistiken, 10 Gebote (Ist das, wenn man z.B. nicht an den „einen Gott“ glaubt, jetzt auch das „Böse“? Egal.).
        Bei 13:51 erklärt Herr Kröber auf die Frage, was die „Botschaft“ seines Buches „Mord“ sein soll (Die Moderatoren finde ich toll), dass er schon immer (Seit seiner Jugend!?) ein Buch herausgeben wollte. Ein Buch zu realen Schwerverbrechern und deren Opfer und seine erste Antwort bzgl. „Botschaft“ ist eigene Geltungssucht. Was würde ein Psychiater dazu sagen?
        Naja, so könnte man wohl durch das gesamte Gespräch gehen, um weiter festzustellen, dass Kröber so dahinredet, aber das habe ich mir erspart. Jedenfalls danke ich für den Link, denn vielleicht erklärt das das Verhalten Kröbers bzgl. Gustl Mollath ein wenig. Vielleicht ist Kröber gar nicht „böse“ (Im Sinne der 10 Gebote), es war vielleicht nur ein wenig Geplapper, gepaart mit Geltungssucht.
        Persönlich fand ich das latente bis deutliche Schmunzeln eines der Moderatoren am Besten. Wenn seine Gedanken dabei als Untertitel eingeblendet worden wären, hätte ich mir das Gespräch gerne bis zum Schluss angesehen 😉

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        • Fotobiene schreibt:

          @ F. Fischer

          Hach, WIR mal wieder…. 😉

          ich finde, Prof. Kröbers Ausführungen sind sehr oberflächlich und erinnern eher an persönliche Meinungen eines gebildeten Menschen als an Antworten eines Experten.

          Hätte er als „Experte“ geantwortet, hätten wir vermutlich beide kritisiert, daß er so „total abgehoben“ daherkommt, oder?
          Insofern bewerte ich das daher zunächst als positiv.

          “Den Partner betrügen” als ein Einstiegsbeispiel für das Böse zu nennen, ist denkbar unpassend.

          Ich habe, ehrlich gesagt, auch zuerst gestutzt, aber nach kurzer Überlegung fand ich dieses Beispiel sehr logisch und vernünftig:
          Er versucht, ein Beispiel auf einem Niveau zu finden, das jeden Menschen sehr persönlich betrifft (und eben nicht, wie wir das vielleicht erwartet haben, auf einer abgehobenen moralischen oder irgendwie sonst „Experten“-Ebene!), nämlich dem Vertrautesten, was wir auf dieser Welt haben, dem persönlichen Partner.
          Dieses intime Vertrauen zu durchbrechen, ist tatsächlich auf rein psychologischer Ebene (ganz unabhängig von jeglicher gesellschaftlicher Moral!), ein Schritt, der ein Hinweis darauf ist, was „das Böse“ meinen könnte: Ein Verstoß gegen elementare Grundbedingungen des Vertrauens unter Menschen, GERADE in diesem allerintimsten privaten Kreis, wo man dieses Minimum gerade erwarten sollte und für sich selbst auch immer reklamieren würde.

          Die Blicke und Reaktionen der Moderatoren beeinflussen meinen Eindruck nicht – sie haben zumindest nicht die Zeit der Reflektion, die wir haben – und es ist ihnen gerade nicht BÖSE GENUG, nicht das, was sie erwarten. Das zweite Beispiel (Einem Kind 5 Mark klauen) macht es noch klarer: Kröber geht es eben nicht irgendwie abgehoben um „DAS BÖSE“, seine Erklärung liegt im Kleinen, das in jeder Kultur (darum dieses neue Beispiel geicher Kategorie!) als „böse“ gilt, weil solches Handeln völlig rücksichtslos ist, der Handelnde die Grundrechte des anderen zu sehen also nicht in der Lage ist.

          Bei ca. 9:30 beschreibt er Straftaten aufgrund eines Wahns, z.B. wenn jemand an interstellare Geheimbünde glaubt. Ich hätte gerne die Reaktion der Moderatoren gesehen, wenn Kröber das viel näherliegende Beispiel angeführt hätte, dass jemand an Schwarzgeldverschiebungen bei Banken glaubt.

          Ich denke wirklich, gerade hier solltest Du nocheinmal ohne Mollath-Filter hinhören.
          Kröber versucht hier darzustellen (trotz der etwas verschrobenen Frage des Moderators), daß es in den meisten Fällen (denn Wahn ist nur eine Ausnahme!) um sehr konkrete Taten geht, die Motive also (und das ist hier gerade das Thema) zumeist eben sehr konkrete und eben NICHT wahnhafte sind.
          Darum ist die folgende Statistik gerade im Hinblick auf Mollath eben gerade NICHT uninteressant, denn Mollath gehörte danach zu einer Minderheit von – so sagt Kröber – statistisch 0,05% aller Fälle! Und trotzdem – und DAS ist für mich das Erstaunliche und viel Interessantere an diesem Interview! – hat Kröber Mollath mit eigenem Gutachten zu diesen wenigen Prozent „verbannt“!!!
          Viel passender zu seiner Aussage an dieser Stelle wäre es im Fall Mollath gewesen, die viel wahrscheinlichere Variante zu sehen – daß nämlich seine Frau GENAU ein solches Motiv hatte, wie er es als „normal“ benennt!!!!!

          Ein Buch zu realen Schwerverbrechern und deren Opfer und seine erste Antwort bzgl. “Botschaft” ist eigene Geltungssucht.

          Alleine die Tatsache, daß Kröber einen sehr persönlichen Wunsch ganz offen und persönlich äußert, als „Geltungssucht“ zu disqualifizieren, halte ich für völlig unzulässig und unangemessen. Ich empfinde Kröber hier als sehr ehrlich und sympathisch. Aber das nur am Rande.

          Gerade aufgrund der Tatsache, daß Du Dich mit der Person Kröber gerade etwas intensiver auseinandersetzt (vgl. Update zu https://opablog.net/2013/03/25/fall-mollath-die-medien-chronologie-eines-nicht-vergessenen-skandals/ ) finde ich es äußerst wichtig, Dich mit diesem Interview wirklich ernsthaft auseinanderzusetzen und es wirklich zu verstehen – aus SEINER Perspektive. War ein Perspektivwechsel zum wirklichen Verständnis nicht auch in Deinem Focus?

          Wenn Du das wirklich willst, mußt Du Dir das Interview wirklich komplett ansehen, der intreressantere Teil – vor allem in Richtung Mollath – kommt erst in der 2. Hälfte.
          Über diesen Teil sollten wir hier gerne noch einmal dikutieren, denn danach wird wiederum für mich NOCH UNverständlicher, wie er ein gegen Mollath gerichtetes Gutachten schreiben konnte…
          Und genau dieser WIDERSPRUCH muß Dich interessieren, wenn Du Kröber „auf der Spur“ bist, denn genau dieser Widerspruch MUSS untersucht werden!!
          (Ich kenne die Lösung nicht, aber dieser Widerspruch ist eklatant!!)

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      • F. Fischer schreibt:

        Hallo Fotobiene,
        natürlich sind Deine Deutungen möglich, diese Gedanken hatte ich selbstverständlich auch, als ich mir die Sendung angesehen habe, aber ich wollte etwas „tiefer“ blicken.

        Mit Herrn Kröber habe ich mich auch schon unabhängig von meinem Artikel beschäftigt, Interviews oder Arbeiten von Ihm gelesen, da ergibt sich schon ein größeres Bild.
        Wir sind uns darin einig, dass auch ich versuche, den „Widerspruch“ aufzulösen.
        Sein Verhalten war nicht nur ein „misslungenes“ Gutachten, sondern auch bewusste Fehlverhalten. Gleichzeitig finde ich Prof. Kröber auch nicht per se unsympathisch, im Gegenteil, aber nur oberflächlich betrachtet. Vor dem Hintergrund seiner „Taten“ ändert sich das Bild natürlich und man schaut genauer hin, ob die scheinbaren Eindrücke auch auf etwas anderes hindeuten. Und dann ist der Widerspruch gar nicht mehr so groß.
        Wenn man sich auch andere Interviews durchliest, kann man zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie die Deinen kommen, bei genauerem Blick wird aber deutlich, dass Prof. Kröber in seinen Aussagen leichtfertig ist, Professionelles und Oberflächliches vermischt, Empathie oder „Feingefühl“ vermissen lässt.

        Es gab bspw. einige Interviews zum Thema „Missbrauch in der Kirche“. In diesem Bereich (siehe Opa) war Prof. Kröber sowohl in D als auch im Vatikan sehr aktiv.
        Ein Satz von Prof. Kröber in diesen Interviews war „Man wird eher vom Küssen schwanger als vom Zölibat pädophil“.
        Diese Aussage beinhaltet aus wissenschaftlicher Sicht, dass das Zölibat tatsächlich laut Studien nicht zu krankhafter Pädophilie führt. Das kann man auch in seiner Studie in D lesen.
        Dies ist in dem Kontext des Missbrauchs-Skandals aber in so einem Interview sehr leichtfertig, denn für die Öffenltichkeit liest sich diese Aussage wie eine „Freisprechung“ der Kirche in Sachen Missbrauch. Und ein intelligenter Mensch wie Prof. Kröber muss diese Wirkung eigentlich kennen. Er will eigentlich nur demonstrieren, dass er die „Wahrheit gepachtet“ hat aber demonstriert das auf Kosten der tatsächlichen Missbrauchsopfer oder anders herum zugunsten der Kirche.
        Nichts anderes ist es, wenn er vollkommen leichtfertig behauptet, Herr Mollath könne auch bei der Richtigkeit seiner Vorwürfe einen Wahn haben. Wissenschaftlich nicht zu widerlegen, aber in der Außenwirkung (wie durch Frau Merk geschehen) unverantwortlich.

        In dieser Richtung gibt es noch weitere Beispiele, die ein Bild ergeben, dass es diese Kombination aus Leichtfertigkeit, Geltungsbedürfnis und mangelnder Sensibilität gibt.

        Aber, da Du vorschlägst, sich die letzten 15 Minuten des Gesprächs anzusehen, werde ich das machen.

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        • Fotobiene schreibt:

          Zu mir unbekannten Interviews kann ich natürlich nichts sagen, außer, daß auch ich nicht glaube, daß der Zölibat zu Padophilie führt. In dieser Aussage sehe ich auch kein Inschutznehmen der Kirche.
          Zum Gutachten von Kröber können wir ebenfalls nur wenig sagen, da wir es nicht kennen.
          Wir wissen lediglich, daß er das Leipziger-Gutachten bestätigt habe, dessen Inhalt wir ebenfalls nur auszugsweise kennen, aber ausreicht, es als Unsinn zu bezeichnen.
          Seine Hinweise am Ende auf das Zusammenwirken mit Medien (Spiegel!) und Justiz (Outsourcing) klingt so nach Opferlamm und schiebt die Verantwortung den Richtern zu. Solange wir sein Gutachten nicht kennen, ist es recht schwierig, das zu widerlegen.
          Interessant könnte sein, wie er sich nach / in einem Wiederaufnahmeverfahren aufstellt. Habe ich nie behauptet… Steht so nicht drin… Akte war unvollständig…
          Eine aktuelle Äußerung von ihm zum Fall Mollath gibt es nicht, oder?

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    • carl1967 schreibt:

      @fotobiene
      Zustimmung!
      Nur seine Körpersprache in den ersten 10 min. wirkte ein wenig zwanghaft, dürfte aber der Situation geschuldet sein.

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    • fassungsloser Durchschnittsbürger schreibt:

      @ Fotobiene

      1. Instinktebene:

      Nur so ein Gefühl. Er kommt für mich halt extrem umglaubwürdig rüber, so als ob er ständig eine Rolle spielen würde.

      2. Verstandesebene:

      Ich habe gelernt, Menschen nicht nach ihren Worten und/0der ihrem Auftreten, sondern nach ihren Handlungen einzuschätzen. Da können Herrn Kröbers Äußerungen noch so kompetent, ausgewogen, einfühlsam und menschenfreundlich sein: Er hat auch gezeigt, dass er ganz anders kann.

      Mit anderen Worten: Dass er schön reden kann, hat jetzt jeder erlebt. Und auch, dass er sich nicht scheut, äußerst „unschön“ zu handeln und Menschen in verantwortungsloser und menschenverachtender Weise in die Pfanne zu hauen. Meine Einschätzung dafür: Molluske.

      3. Für andere Menschen mag die Handlungsebene eher nebensächlich sein, wenn nur die Worte stimmen. Nun ja, auch das ist eine Möglichkeit.

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      • Fotobiene schreibt:

        Natürlich kann man sagen (ich formuliere jetzt mal überspitzt): Der Mann ist ein unsympathischer, aufgeblasener Frosch, kein Wunder, daß der so ein Gutachten schreibt.
        Das hilft aber doch irgendwie nicht weiter.
        Seine Aussagen in diesem Interview stehen in eklatantem Widerspruch zu seinem Handeln Mollath betreffend. Diese Diagnose kommt nur in 0,05% der Fälle vor, sagt er. Und das AUSGERECHNET bei Mollath? Wie kam das zustande, frage ich mich.
        Zeitmangel, Selbstüberschätzung… möglich….

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  7. gelegentlich schreibt:

    Ob man den Herrn als aufgeblasenen Frosch bezeichnen soll oder nicht ist mir egal. Ich weiß auch nicht warum er sich hat korrumpieren lassen. Bleiben wir doch einfach dabei dass er eben korrumpiert ist und damit seinen Namen verbrannt hat.
    Jemand, der ein „Gutachten“ abgibt ohne das Objekt seiner Untersuchung selbst studiert zu haben, wer also nach Aktenlage urteilt, ist kein Wissenschaftler. Darf man so etwas Triviales
    „Berufsverbot“ nennen? Er kann ja sein Geld als Berater des Burda-Verlags verdienen. Frauen, die beim Friseur warten müssen, gruseln sich gern.

    „…“

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  8. kranich05 schreibt:

    In Anbetracht der starren Haltung von Dr. Leipziger http://www.heise.de/tp/blogs/8/154023
    werden auch die Gutachter Kröber und Pfäfflin noch stärker ins Blickfeld rücken.
    In diesem Zusammenhang halte ich auch das Gutachten von Kröber im Fall Ulvi Kulac für beachtlich.
    http://www.ulvi-kulac.de/gutachter.html

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    • Fotobiene schreibt:

      Auch hier riecht es nach Gefalligkeitsgutachten, ja.
      Ich finde es aber auch hier schwierig über Kröber zu urteilen, ohne das Gutachten zu kennen, das möglicherweise „Interpretationsspielräume“ offen gelassen hat, die das Gericht „genutzt“ hat.
      Ich will Kröber nicht verteidigen, habe gar keinen Grund dazu, aber ihn ohne weitere Basis zu verurteilen, finde ich eben auch falsch.

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      • fassungsloser Durchschnittsbürger schreibt:

        @ kranich05

        Ja, die Fälle häufen sich, in denen Herr Kröber seine eigenen Qualitätsstandards völlig missachtet und das Schicksal der angeklagten Menschen damit besiegelt hat.

        @ Fotobiene

        Ein solches Verhalten eines psychiatrischen Sachverständigen finde ich in höchstem Maße vorwerfbar und verwerflich. Ich halte es für sehr wichtig, dies auch deutlich zu sagen.

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  9. themis schreibt:

    Ein Vorschlag zur Lösung der Widersprüche zwischen Kröbers Sagen und Tun: Er stellt ja „das Böse“ als ein relativ alltägliches Phänomen dar, das normalen Personen in Krisensituationen sozusagen unterläuft, und genauso sollte man auch seine Fehlgutachten betrachten. Er ist laut Rückert „der gefragteste Kriminalpsychiater Deutschlands“, außerdem Professor und als solcher ständig unter Zeitdruck, hat also wahnsinnig viel zu tun und nicht die Zeit, jedem Fall gebührende Aufmerksamkeit zu widmen. (Im Fall Peggy hat er z.B. wohl nicht die Vernehmungsprotokolle gelesen.) Außerdem macht der Erfolg überheblich und verleitet zur Selbstüberschätzung: man kann es sich leisten, einen Fall mal eben über den Daumen zu peilen und weiß ganz genau, was Sache ist, ohne näher hinschauen zu müssen – meint man. Aus diesen beiden Ingredienzien – Zeitdruck und Selbstüberschätzung – entstehen lebensentscheidende Gutachten deutscher Professoren landauf landab. Und schließlich, wenn das eigene Urteil dann in Frage gestellt wird, steht zu viel auf dem Spiel, als dass man für Selbstkorrektur offen wäre: der Ruhm, das Selbstverständnis, das gute Geld, und überhaupt: man steckt nicht gleich zurück, wenn Kritik kommt, sonst würde man ja als Wackelpudding wahrgenommen und niemand würde die eigenen Gutachten mehr ernst nehmen. Außerdem, das geht aus dem Interview ja auch hervor, gibt es da die öffentliche Meinung und den Zeitgeist, dem er sich noch nie gebeugt hat. Vielmehr ist er heute in der Lage, die öffentliche Meinung zu bestimmen, und das tut er dann auch, indem er, wenn das Gerücht stimmt, eine Pressekampagne zu Gunsten der eigenen Meinung lanciert hat. Das Problem an der Sache ist, dass eben auch ein Prof. Kröber sich irren kann, wie Mollath einmal ganz richtig sagte, und dieser kleine Punkt, der überfordert das System Kröber, jedenfalls vorläufig. Wer weiß, vielleicht bringt er ja noch einmal die menschliche Größe auf, sich den Fall neu und selbstkritisch anzusehen, und die Zeit, die er bisher bestimmt nicht hatte, die beiden Wiederaufnahmeanträge zu lesen. Und dann auch noch die Selbstüberwindung, seinen Irrtum öffentlich zuzugeben und sich bei Mollath zu entschuldigen. Das wäre mal was! Aber zu erwarten ist es eigentlich nicht.

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  10. gelegentlich schreibt:

    Die Fähigkeit zur Selbstkritik unterscheidet die Flachpfeife vom großen Wissenschaftler. Kröber hat dieses Format nicht. Der Beweis dafür ist das Tun, nicht das Reden. Da nützen ihm alle Veröffentlichungen nichts. Man arbeitet ein Leben an seiner Reputation. Und dann kommt eine Kleinigkeit, die zu korrigieren man nicht das Format hat, und sie ist verbrannt. Friede seiner Asche.

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    • fassungsloser Durchschnittsbürger schreibt:

      Leipziger hat dieses Format nicht, Kröber natürlich ebensowenig. Erstaunlich ist nur, dass man Kröber anscheinend mehr Charakterstärke zutraut als Leipziger.

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  11. Breitenbach schreibt:

    @alle – speziell @fotobiene

    »… was ›das Bö­se‹ mei­nen könn­te«
    (die­se Tech­nik nennt sich übri­gens »Ver­schwei­gen des han­deln­den Sub­jekts«):

    Da­zu zu­erst zwei Zi­ta­te:

    »Für sie ha­ben die Den­ker der Welt nicht ge­dacht, die For­scher nicht ge­forscht, die aus dem Dun­kel ins Hel­le Stre­ben­den nicht ge­strebt; so un­be­irrt von al­ler der Fin­ster­nis ab­ge­run­ge­nen Er­kennt­nis ist sie ih­rer Fin­ster­nis treu ge­blie­ben, daß es schon wie­der im­po­sant ist in sei­ner Kon­se­quenz, ver­gleichs­los, wirk­lich ein­zig.« Nur mit der be­haup­te­ten In­kom­men­su­ra­bi­li­tät je­ner Or­ga­ni­sa­tion, mit der sich der Au­tor die­ses Zi­tats, Hans Woll­schlä­ger, in »Die Ge­gen­wart ei­ner Il­lu­sion« (Zü­rich 1978) auf pro­fun­de Art aus­ein­an­der­setzt, war er nicht ganz a jours. (Selbst in der Me­di­zin brei­te­te sich gei­sti­ge Fin­ster­nis aus, seit­dem un­ter SPD-Eh­ren­berg [See­ho­fer leg­te nur nach] die ›Kon­zer­tier­te Ak­tion im Ge­sund­heits­we­sen‹ mit dem ›Kran­ken­ver­si­che­rungs-Ko­sten­dämp­fungs­ge­setz‹ vom 27. Juni 1977 eta­bliert wur­de.)

    Noch im 19. Jahr­hun­dert leg­te ein an­de­rer Au­tor sei­ner Ro­man­fi­gur »Mut­ter In­no­cen­tia« die fol­gen­den Wor­te in den Mund: »Hü­ten wir uns vor Got­tes Un­wil­len. Schon weiß man nicht, was Gut und Bö­se ist.« In­zwi­schen tüf­telt man be­reits wie­der und sin­niert da­rü­ber nach. Je­ne Wor­te stam­men aus Vic­tor Hu­gos Ro­man »Die Elen­den« von 1862 (Wies­ba­den o. J.). »Jean Val­jean«, die er­kenn­bar an »Je­sus Chri­stus« an­ge­lehn­te Haupt­fi­gur die­ses Ro­mans, der al­les aus »Ge­wis­sen­haf­tig­keit« (»ein ko­mi­sches Ding, mein Ge­wis­sen«), hier gleich­be­deu­tend mit Selbst­ach­tung, tut; Jean Val­jean, gä­be es ihn heu­te wirk­lich, wä­re dann zwar nicht als Ga­lee­ren­sträf­ling im »Bag­no«, wohl aber – wenn es nach un­se­rem Pro­fes­sor und sei­nes­glei­chen geht – in der Zwangs­psy­chia­trie ge­lan­det. Welch Fort­schritt! (»Ko­misch« ist solch ein Ge­wis­sen frei­lich al­le­mal: es quält z. B. den In­qui­si­tor, wenn er Ket­zer n i c h t ver­brennt.) Die 18. Zwi­schen­über­schrift, Drit­ter Teil, Sech­stes Buch des Ro­mans lau­tet übri­gens: »Man soll im­mer zu­erst die Op­fer ver­haften«.

    Es han­delt sich nicht et­wa da­rum, daß Ab­strak­tio­nen per se kein Rea­li­täts­ge­halt zu­käme; im Ge­gen­teil. So ist z. B. »der Mensch« ei­ne sehr sinn­vol­le Ka­te­go­rie und be­zeich­net eben un­ab­hän­gig von Ras­se, Ge­schlecht und so­zia­len (»kul­tu­rel­len«) Un­ter­schie­den wie Adels- oder Pro­fes­so­ren­ti­teln je­den An­ge­hö­ri­gen der mit an­de­ren bio­lo­gi­schen Ar­ten nicht (oder zu­min­dest nicht un­be­grenzt) fort­pflan­zungs­fä­hi­gen mensch­li­chen Art. Im Ge­gen­satz da­zu fin­det »das Bö­se« in der Rea­li­tät kei­ner­lei Ent­spre­chung. E. g. kann sich der Mensch prin­zi­pi­ell auf in­ter­stel­la­re Rei­sen be­ge­ben (Voy­ager 1 und 2 sind als Vor­hut schon un­ter­wegs) und ggf. mit Aliens, so sie denn exi­stie­ren, ge­gen an­de­re Aliens Ge­heim­bün­de bil­den, das fällt – Goe­the zum Trotz – »dem Bö­sen« schon des­halb schwer, weil es sich da­bei nur um ei­ne lee­re Ab­strak­tion oder Wort­hül­se han­delt, die da­her in kei­ner wis­sen­schaft­li­chen No­men­kla­tur et­was zu su­chen hat. »Das Bö­se« setzt im­mer ei­nen D a­ t i v vo­raus: man kann im­mer nur j e ­m a n ­d e m Bö­ses wün­schen (z. B. »Fall tot um!«) oder sol­ches tun (doch das wird schon schwie­ri­ger und ist, wenn man mal in sich hin­ein­horcht, ei­ni­ger­maßen lä­cher­lich). Kon­rad Lo­renz sprach an­stands­hal­ber we­nig­stens nur vom »so­ge­nann­ten Bö­sen«, lag da­mit je­doch aus bio­lo­gi­scher Sicht eben­so ne­ben der Spur wie der spä­te Freud und der des­sen Denk­feh­ler noch wei­ter aus­bau­en­de A. Mit­scher­lich mit sei­ner »mensch­li­chen Ag­gres­si­vi­tät«. Ei­nen »Ag­gres­sions­trieb« gibt es in der Na­tur nicht – nur ei­nen Ter­ri­to­rial­trieb, der bei ge­sel­lig le­ben­den Ar­ten wie un­se­rer die Form des Rang­ord­nungs­stre­bens an­nimmt. Auf­grund un­se­rer neu­ro­na­len Aus­stat­tung sind wir ihm im Ge­gen­satz zu sämt­li­chen an­de­ren Ar­ten je­doch nicht au­to­ma­tisch aus­ge­lie­fert, auch wenn noch im­mer das Ge­gen­teil der Fall zu sein scheint.

    Wo­her ken­nen wir das Gut-Böse-Sche­ma? Die re­li­giö­se Kon­no­ta­tion dürf­te schwer zu über­se­hen sein, sie war es zu­min­dest in auf­ge­klär­te­ren, gei­stig we­ni­ger zum Mit­tel­al­ter re­tar­die­ren­den Zei­ten. So gibt es zwar kei­ne schlech­ten Gei­ster, wohl aber bö­se. Evil be­deu­tet ne­ben übel und bö­se auch ver­hext. Der Teu­fel treibt bö­ses Spiel, wicked game. In bö­ser Ab­sicht heißt auf Eng­lisch in bad faith, wört­lich in bö­sem Glau­ben. Hexen be­herr­schen den bö­sen Blick, the evil eye. Nur, wer ent­schei­det, wer Hei­li­ge und wer He­xen sind (Nä­he­res bei Din­zel­ba­cher) …

    Seit Freud wis­sen wir oder ha­ben es wie­der ver­ges­sen, wel­cher psy­chi­sche Wahr­heits­ge­halt hin­ter dem re­li­giö­sen Spuk steckt: es ist die Per­spek­ti­ve des klei­nen Ödi­pus (das weib­li­che Ana­lo­gon fällt hier aus Ge­sell­schafts­grün­den flach). Der Teu­fel re­prä­sen­tiert nicht nur be­stimm­te, von der Va­ter­ima­go (G.) ab­ge­spal­te­ne Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, son­dern gleich­zei­tig auch die in die Außen­welt pro­ji­zier­ten ödi­pa­len Wün­sche. Dem letz­te­ren As­pekt tra­gen El­tern, die schließ­lich selbst ein­mal Kind wa­ren, da­durch Rech­nung, daß sie u. a. be­stimm­te Hand­lun­gen von Kin­dern bei­der­lei Ge­schlechts als bö­se be­zeich­nen, was dann so­viel wie schlimm, un­an­stän­dig, un­ar­tig, un­ge­zo­gen be­deu­tet. Wer als Er­wach­se­ner un­kri­tisch das Wort bö­se/Bö­ses ge­braucht, lan­det un­wei­ger­lich in der Kind­heits­pers­pek­ti­ve und da­mit in selbst­ver­schul­de­ter Un­mün­dig­keit. Fein­de der Selbst­be­stim­mung ver­wen­den das Wort da­her gern.

    Im Zeit­al­ter des Kal­ten Kriegs be­schimpf­te Ro­nald Rea­gan die Sow­jet­union als »Reich des Bö­sen« (Evil Empire). Geor­ge W. Bush sprach in ei­ner Re­de vom 29. Januar 2002 von der »Ach­se des Bö­sen« (Axes of Evil), zu der neben sog. »Ter­ro­ri­sten« auch Staa­ten wie Nord­ko­rea, Iran und Irak ge­hö­ren soll­ten, die an­geb­lich auf­rü­ste­ten (»Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen«).

    Klar, Un­ter­drückung ist wie­der »nor­mal« ge­wor­den, und Un­ter­drückung macht – wie Freud he­raus­fand – krank. Es herrscht wieder in­nen wie außen Krieg (ein Schelm, wer »Bö­ses« da­bei denkt). Wenn ein US-Land­ser (es müs­sen nicht im­mer die bösen Na­zis sein) in Af­gha­ni­stan Amok läuft (das kam vor; daß es nur ei­ner war, wur­de je­doch so­gar von Kar­zai an­ge­zwei­felt) schwa­felt selbst­ver­ständ­lich kein Psy­chia­ter was vom Bö­sen. Da hat »das Bö­se im Men­schen« sei­ne öko­lo­gi­sche Ni­sche ge­fun­den. Nur wenn sich die im so­zia­len Kä­fig ge­hal­te­nen Le­ge­bat­te­rie­hüh­ner, wel­che al­lein die gol­de­nen Ei­er le­gen, in zu­neh­men­der Be­engt­heit und da­raus re­sul­tie­ren­dem Fut­ter­neid ge­gen­sei­tig die Au­gen aus­picken, ist das bö­se.

    Es ist noch gar nicht lan­ge her, daß ein öster­rei­chi­scher Buch­au­tor na­mens Gün­ther Hot­ter ju­gend­li­che Amok­läu­fe nach­re­cher­chier­te und die Pers­pek­tive der Tä­ter deut­lich zu ma­chen such­te. Da­rauf­hin er­ging es ihm bei­na­he wie Mol­lath: man ver­such­te ihn zwangs­zu­psy­chia­tri­sieren. Da­von hört man nichts bei NZZ (ist das nicht ein Schwei­zer Sen­der, irgend­wie liiert mit Ale­xan­der Klu­ge?). Da­von liest man nur in den KET­ZER­BRIE­FEN (http://ahriman.com/ketzerbriefe/kb174.htm).

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    • kranich05 schreibt:

      Danke für die zeitgemäße Nachhilfe.

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      • Breitenbach schreibt:

        Nein, ich habe zu danken! Näm­lich für die gar nicht selbst­ver­ständ­li­che Mög­lich­keit, mich hier nach Kräf­ten ein­zu­brin­gen.

        Obwohl es seit mei­ner letz­ten Ein­ga­be kei­ne wei­te­ren Wort­äuße­run­gen ge­ge­ben hat (und ei­ni­ge be­währ­te Kom­men­tar­schrei­ber seit­her so­gar zu schmol­len schei­nen), noch ein, wie mir scheint, wich­ti­ger Nach­trag.

        Hat Kröber, der si­cher nicht zu Un­recht Pro­fes­sor ist – man un­ter­schät­ze die­sen Ti­tel nicht, so leicht be­kommt ihn kei­ner! -, mit der Wahl des »Be­trugs« am, er sagt schlicht: »Part­ner« (und zielt si­cher auf den Ehe­[ei­gent­lich staat­lich re­gi­strier­ten Se­xual]part­ner) als Bei­spiel für mög­li­che An­fän­ge al­les letz­ten En­des nur theo­lo­gisch zu fas­sen­den »Bö­sen« sich tat­säch­lich »ver­rannt«?!? –

        Ich denke, nein: Zur Er­läu­te­rung hier ein Stich­wort aus dem mir aus dem La­tein­un­ter­richt er­hal­ten ge­blie­be­nen »Klei­nen Sto­was­ser«: »II. f i ­d ē s […] f. […] [her­vor­ge­ho­ben im Ka­sten] I.1. […] G l a u ­b e, 2. occ. K r e ­d i t; 3. meton. T r e u e […] 5. G ö t ­t i n  d e r  T r e u e.« Krö­bers Bei­spiel­wahl war al­so al­les an­de­re als zu­fäl­lig, son­dern aus­ge­spro­chen treff­si­cher; ei­ne wohl­er­wo­ge­ne Va­ria­tion des vor­ge­ge­be­nen schrä­gen, bes­ser: fi­dei­sti­schen Grund­the­mas.

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        • Fotobiene schreibt:

          Ja, das Beispiel „Partnerbetrug“ von Kröber fand ich auch sehr gut.
          Ansonsten bin ich allgemeinen philosophischen Ausführungen über „Das Böse“ insgesamt immer aufgeschlossen, jedoch paßt es momentan leider weder zu meinem Zeit- noch Interessenfocus.
          Sorry!

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      • Breitenbach schreibt:

        @Fotobiene

        Schön, daß Sie wie­der da­bei sind; das mei­ne ich auf­rich­tig. Und was Ihr In­te­res­se für »das Bö­se« be­trifft, se­he ich, es be­steht Hoff­nung (ob­wohl der Mensch nun mal lei­der nicht mo­no­gam ist) …
        Nein, ernst­haft: Un­ter­las­sen wir doch ein­fach das Den­ken in idea­li­sti­schen Ka­te­go­rien!
        Ich ge­be Ih­nen mal den rea­len Kern: »wer schlecht ist ge­gen sich, ist auch schlecht ge­gen An­de­re«; und: »Wer sich am an­de­ren ver­greift, ver­greift sich an sich selbst …« (Theo­dor Reik).

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  12. Pingback: Die Macht eines Bildes | opablog

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