Völkisch zum Wohle Mollaths und aller Deutschen? – gegen einen wiederbelebten Irrweg

Der Mollath-Skandal ist komplex. Die Unterstützerszene ist komplex. Daraus folgen viele sehr unterschiedliche Versuche des kritischen Nachdenkens. Es gibt ein eher „enges Herangehen“, eng in dem Sinne, daß man beim Handgreiflichen beginnt, daß pragmatisch und spekulationsfeindlich Fakten, vor allem juristische und psychiatrische, untersucht und bewertet werden. Das ist verdienstvoll und unerläßlich, um den juristisch-psychiatrischen „Fall Mollath“ juristisch-psychiatrisch „zu bewältigen“.

Verbreitet ist aber auch das Gefühl, daß „Mollath“ nur die Spitze des Eisbergs ist und wir es mit einem politischen Skandal von Systemrelevanz zu tun haben. (Dabei ist aufschlußreich, daß die traditionellen politischen Akteure, die Parteien, diesen Sachverhalt weitgehend ignorieren.) Die Wächter über die Stellschrauben des Systems haben kein Interesse an einer Diskussion des SYSTEMskandals „Mollath“. Im Gegenteil, sie sorgen dafür, diese zu verhindern. Dazu haben sie Mitte Dezember 2012 ihre Kettenhunde „SPON“  und „Zeit“ losgelassen („Tagesprügel“als Zugabe) und hatten und haben Erfolg. (Schon die Verwendung des Bildes „Stellschrauben des Systems“ wird man als implizite Verschwörungstheorie „diagnostizieren“. Geschenkt.)

Bei den Menschen aber, die sensibilisiert sind – gesellschaftlich gezählt sind das Wenige trotzdem aber ein unangenehmes Glutnestchen im trockenen Torf – schießen die kritischen Argumente her und hin, sehr phantasievolle dabei. Ich habe schon einmal (hier) die „leere Negativität“ mancher Position, die als Systemkritik daherkommt, kritisiert, bis hin zu der manchmal nur wenig kaschierten (verbalen) Gewalttätigkeit solcher „Kritik“. Von solcher Art Äußerungen sind die argumentierenden Bemühungen zu unterscheiden, unter Rückgriff auf Ereignisse der Geschichte (auch wenig bekannte) und auf geistige Quellen (auch selten bedachte oder abseitig scheinende) sich „einen Reim zu machen“ auf das System, in dem wir leben. Der Mollathskandal ist nun einmal mit unserer Weltordnung verknüpft, „NWO“. Darüber wird nicht zu viel nachgedacht, sondern zu wenig; und zu schwach.

Ich halte das, was ich „völkische Argumentation“ nenne, für grundfalsch und für politisch gefährlich, doch ich verfüge nicht exclusiv über die Wahrheit. Auch wenn meine historisch-materialistische Denkweise geeignet ist, Antworten oder zumindest Antwortrichtungen zu finden, schließe ich nicht aus, daß auch hinter Argumenten im völkischen Gewand Erkenntnisinteresse steht und bestimmte Zusammenhänge richtig benannt, vielleicht sogar aufgeklärt werden. Also ist Auseinandersetzung angesagt.

Hier im Blog ging es immer wieder um die Nürnberger Netze, in die der Fall Mollath eingeflochten ist. Klaus G. Stölzel hat dazu viele konkrete Informationen beigetragen. Nicht zuletzt im Kommentarstrang dieses Postings spielte dabei der Name Henry Kissinger eine Rolle. Kissinger einer der Hauptdrahtzieher in Nürnberg-Fürther Netzwerken? Ich war an Einzelheiten interessiert, nachdem ich darauf gestoßen war, daß die Fa. Diehl im Jahr 2004 mit der US-amerikanischen Rüstungsfirma Raytheon bezüglich Lenkwaffen („Sidewinder“) kooperierte und damit europazentrierte Anstrengungen der Schröder-Fischer-Regierung unterlief (Quelle). Vertiefende Einzelheiten dazu konnte Klaus Stölzel nicht liefern, brachte aber immer deutlicher zum Ausdruck, daß der eigentliche Chef der Anti-Mollath-Intrige Kissinger sei. Beweise? Keine. Mich hat diese weitgehende Einschätzung verwundert. Sie blieb erstmal im Raum stehen.

Neues, Unerwartetes, ja Empörendes brachten einige Kommentare von Klaus Stölzel zum Post „Gustl und Diehl (1)“: Da hätten „die Angelsachsen“ ab 1900 einen Jahrhundertplan gegen Deutschland ausgeheckt. Da hätte Winifred Wagner 1908 den Hitler zum Retter Deutschlands erkoren. Da habe die „Angelsächsische Machtmaschine“ den Fall Mollath bewerkstelligt. – Ich fasse mich an den Kopp! – Und schließlich habe Herr Guido Preparata im dicken Buch alles aufgeschrieben, wie Hitler eine „Installation der Angelsachsen“ gewesen sei mit dem Ziel die Deutschen endgültig auszuplündern. Wie kann ein über weite Strecken sachlicher, informierender und argumentierender Kommentator sich so in den völkisch-nationalistischen Verschwörerhimmel katapultieren? Gibt Preparata die Antwort? Sein langes Interview bei Lars Schall habe ich gelesen. Am Rande bemerke ich, daß ich (nach 1990) mehrfach in meinem Leben mit Anthroposophie in Berührung gekommen bin aber diese Meinungen nie als attraktiv wahrgenommen habe. Doch läßt sich Preparata auch ohne Rückgriffe auf die Anthroposophie lesen. Der Verfasser beantwortet nicht weniger als sämtliche Fragen der letzten anderthalb Jahrhunderte. Ich korrigiere: Sympathischerweise sagt er ein paarmal auf Fragen des Interviewers: Das weiß ich nicht. Davon abgesehen hat er den Schwung und den Mut (oder was ist das?) zu einer ganz großen Erzählung. Der Leser erkennt zahlreiche Tatsachen (nicht) wieder, andere neue nimmt er durchaus dankbar zur Kenntnis und folgt fasziniert dem Magier, der all die bunten Merkblätter und Spruchbänder zugleich in die Luft wirft und sie sich im Fallen zu einem überschaubaren Bild ordnen läßt. Alle Achtung.

Der Schlüssel zum Geschehen wird sofort präsentiert, so einfältig und knapp, daß der geneigte Leser nie wieder einen Gedanken daran verschwenden wird: “Es ist das Streben nach Macht, das die Geschichte antreibt, nicht die Wirtschaft.“ Damit ist alles gesagt (wenn wir davon absehen, daß „die Wirtschaft“ wohl kaum als wissenschaftlicher Begriff durchgeht.) Der Rest sind Dramen und Dramoletts. Wer die wirklichen Interessen (im Zentrum die materiellen) wirklicher Menschen/Menschengruppen (im Zentrum ihr Verhältnis zum Privateigentum an den Produktionsmitteln) ausschließt, kann alles behaupten und wird nie einen Beweis antreten müssen. Im Besonderen wird er nie die strategischen politisch-ökonomischen Interessen und Antriebe der Inhaber der deutschen Kapitalmacht durch die „Schicksalswenden“ des 20. Jahrhunderts aufdecken. Stattdessen hantiert er z. B. lieber mit der unsäglichen Bezeichnung der in den zwanziger Jahren „abwesenden Eliten“ Deutschlands.

Wo kein Kapital, dem „ein Streben“ ankommen könnte, wo kein Eigentümer, der etwas zu „mehren“ hätte, wo kein Diplomat, der mal ein glückliches Händchen gehabt hätte (selbst Bismarck griff daneben), dort liegen die deutschen Lande und in ihnen DIE DEUTSCHEN, die ausgeplünderten Opfer. EIN geknechtetes Land, EIN beraubtes Volk, EIN Opfer. Je entschiedener der Opferstatus beansprucht wird, je unbezweifelter ein Volk glaubt, ihn einnehmen zu dürfen, umso unerbittlicher wächst der irre Glaube, zur Vergeltung berufen zu sein. Jedem Volk, auch dem deutschen, droht dieser mörderische Teufelskreis, wenn es nicht den mächtigen Einflüsterern aus dem eigenen Stall widersteht.

Die Zuspitzung bei der Auseinandersetzung mit der völkisch-rechtspopulistischen These ist erlaubt. Zu groß ist ihre Anziehungskraft auf ein unsicheres Denken, das sich kritisch regen möchte. Und in Sackgassen landet. Woher diese Anziehungskraft? 

Erstens, so meine ich, weil das Profitinteresse, das jeder/jede alltäglich kennt und lebt, zugleich das bestgehütete DENKgeheimnis dieser Gesellschaft ist. Jeder, noch der letzte Ich-AGler, weiß sich diesem totalen Prinzip unterworfen und versucht es doch täglich aufs Neue zu reiten. Wie soll da ein Denken über das Profitprinzip hinaus Gestalt und Gewalt gewinnen? Fast unmöglich. Ein enormer Aufstieg ist nötig, um nach allen historischen Erfahrungen und Verleumdungen, wieder Gemeineigentum denken zu können.

Zweitens hält unsere Erkenntnisfähigkeit nicht Schritt mit dem rasanten Tempo unserer realkapitalistischen Entwicklung . * Täglich verschieben sich Interessen, Interessenlagen, ihre Kombinationen. Fragen etwa nach der Struktur und Wirkungsweise der Kapitalmacht der westlichen Welt, des atlantischen Kapitals im globalisierten Prozeß, sind nicht befriedigend beantwortet. Wenn BlackRock zum einflußreichsten Aktionär der deutschen Wirtschaft geworden ist, ist es da ein Wunder, daß Geschichten über die Verschwörung der Angelsachsen plausibel klingen? * Fragen der Wechselwirkungen, der Metamorphosen und gar der Ineinanderverwandlungen der verschiedenen Formen von Macht mit ihrem Gravitationszentrum Ökonomie entstehen jeden Tag neu, im Offenen und im Geheimen. Wenn wir schon die Kompetenz hätten, woher soll der tägliche Mut kommen, sie zu beantworten? Dann doch lieber markige Sprüche. * Unsere repräsentative Demokratie, die das Schild „Rechtsstaat“ beansprucht, begreifen immer mehr Menschen als repressive Formaldemokratie. Doch wie darüber hinaus gehen? Irgendwie direkt bestimmen, plebiszitär! Ist es ein Wunder, daß plötzlich der „vom Volk gewählte Führer“ (natürlich direkt, geheim und frei gewählte) aus der Mottenkiste gezogen wird? In Wahrheit aber geht es um einen den Menschenrechten (und keineswegs nur den Bürgerrechten) verpflichteten Staat, in dem das Volk jederzeit direkt bestimmt. 

Nein, ich verkenne nicht den wirklichen Diskussionsbedarf des Tages. Dafür mache ich weiterhin dieses Blog. Dafür auch die Anstrengungen, den Mollath-Skandal tiefer zu begreifen. Es gibt den „Fall Mollath“. Er darf nicht mit einem faulen Kompromiß, sondern muß mit der völlig Rehabilitierung Gustl Mollaths von Anfang an enden. Der bewundernswert mutige Gustl Mollath geht offensichtlich genau diesen Weg. Aber der „Systemskandal Mollath“ geht weit über den „Fall Mollath“ hinaus. Wer „Freiheit für Gustl Mollath!“ sagt, schweige nicht von den hundert im Namen des deutschen Rechtsstaats ermordeten Menschen*** von Kunduz.

Kunduz der Fluss

*** Update 22.3.2013:

Und zwar müssen das, wie mir beim nochmaligen Nachdenken aufgeht, wohl ganz „minderwertige Menschen“ gewesen sein, denen zudem eigentlich ganz recht geschehen ist. Oder wie sonst ist der deutlich „mindere Grad der Beobachtung, Bewertung und Sühne“ des „Zwischenfalls“ durch Presse, Justiz, herrschende Politik und, ja auch, Öffentlichkeit zu deuten? Nicht zu reden von der schließlichen Beförderung des Mordverantwortlichen.

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64 Antworten zu Völkisch zum Wohle Mollaths und aller Deutschen? – gegen einen wiederbelebten Irrweg

  1. F. Fischer schreibt:

    Danke

    • Klaus G. Stölzel schreibt:

      @f.fischer

      Sehr geehrter Herr Fischer,

      Ihr „Danke“ an „OPA“ für was ? Für, dass mich „Opa“ als
      einen Faschisten irgendwelcher Art (Völkische Karte) latent
      bezeichnet ?
      Also, für was
      und gleichzeitig, z. B. die „Unterwerfungsbriefe“ der
      Bundeskanzler laut Bahr unterschlägt, wie ich weiter im Blog
      Gustl und Diehl (1) ausgeführt habe ?

      Oder halten Sie die Ausführungen von Egon Bahr (Mein
      Deutschland (9) 3 Briefe und Staatsgeheimnis) für einen
      Quatsch in der „Die Zeit“ ?

      Da kommt nichts von Opa, von Ihnen oder anderen Bloggern !
      Nichts kommt da !

      Oder meine Ausführungen zu Artikel 23 GG Satz 1 und Satz 2.
      Also, dass die „DDR“ der „Bundesrepublik“ überhaupt „NICHT“
      dem Art. 23 über Satz 2 (Scheinbare Öffnungsklausel dem GG
      beitreten zu können) am 3. 10. 1990 beitreten konnte, ge-
      mäss dem BRD-DDR-Einigungsvertrag vom 31. 8. 1990, weil
      dieser Art. 23 GG am 29. 09. 1990 bereits rechtskräftig aufge-
      hoben war.

      Ganz zuschweigen, dass der Art. 23 GG, Satz 2 von Anfang
      nichtig war, weil er nicht nur ein „Kriegstreiber-Artikel“ war, also
      auf territorale Expansion aus war, sondern gegen „Das auf
      Augenhöhe-Prinzip“ verstossen hat.

      Also wie konnte die DDR bzw. die sogen. neuen Bundesländer
      am 3. 10. 1990 dem GG beitreten. Also, wie ? Erklären sie mir
      das ?

      Diesen „Kriegstreiber-Artikel“ gab es schon in der Weimarer
      Verfassung als Artikel 2 „Reichsgebiet“, wörtlich:

      „Das Reichsgebiet besteht aus den Gebieten der Dt. Länder.
      Andere Gebiete können durch Reichsgesetz in das Reich auf-
      genommen werden, wenn es ihre Bevölkerung kraft des Selbst-
      bestimmungsrechts begehrt“.

      Das war die „Rechtsgrundlage“ für Hitler`s „Heim in das Reich-
      Politik“, die mitten in den 2. Wk führte !
      Ich frage mich, wie wieder dieser „Kriegstreiber-Artikel“ – in
      anderer Form – wieder im GG auftauchen konnte ?

      Alles Zufall oder was ?

      Also, wer hat den 2 + 4 Vertrag sabotiert, also dafür das die
      Menschen auf dem Boden des Vereinten Deutschland eine
      selbstbestimmte Verfassung und neuen Staat bekommen.

      Oder, dass „OPA“ das Modell „Direkte Demokratie“ als ein
      Modell des direkten „Führer-Prinzip-Wahl-Vereins“ verun-
      glimpft, zeigt die wahren autoritären Qualitäten von OPA.

      Meinen Glückwunsch dazu, Opa.

      Ich bemühe mich, hier die „Rechtslage“ darzustellen, erzähle
      dazu eine mögliche Geschichte, wie es dazu kommen konnte,
      also zu dieser „Unrechtslage“ und werde latent als „Faschist“
      bezeichnet. Echt geil.

      Schon mal etwas von „Links-Faschisten“ gehört ? NEE ? Ich
      auch noch nicht.

      Mit freundlichen Grüssen

      Klaus G. Stölzel

      • Fotobiene schreibt:

        „Ich bemühe mich, hier die “Rechtslage” darzustellen“
        Ihre Rechts-Lage ist ausreichend dargestellt, Herr Stölzel. Es reicht.

        @ Opa Kranich: Bedenke, daß Du für die Veröffentlichung solcher verfassungsfeindlicher Aussagen belangt werden kannst!

      • F. Fischer schreibt:

        Sehr geehrter Herr Stölzel,
        ich bitte Sie, meine Kommentare auch weiter unten zu lesen, dann klärt sich das „Danke“, meine Einstellung zu Ihrer Meinung und meine Interpretation dieses Artikels.
        Ich kann Ihre Reaktion verstehen, nur wundert es mich, dass ich der Adressat davon bin, da ich mich davon distanziert habe, Sie in eine rechte Ecke zu stellen oder den Inhalt dahingehend zu lesen, dass Ihre Person in Frage gestellt wird.
        Im Gegenteil, ich denke bei diesem Artikel gar nicht an „rechten“ oder „linken“ Faschismus, sondern s.u.

  2. F. Fischer schreibt:

    Ich finde, die Frage nach den Systemen ist eine rein analytische und intellektuelle.
    Die Frage nach den Triebfedern, den Motoren im Allgemeinen oder im Speziellen von Herrn Mollath ist eine individuelle und triviale, und das ist nicht nur das „Streben nach Macht“.
    Das Problem einer Theorie von Systemen, wenn sie menschliche Handlungsweisen beschreiben soll, ist die Ausklammerung eben des Individuums und vor allem von sich selbst und damit der Ursachen.
    Alle Triebfedern, die Herrn Mollath dahin gebracht haben, wo er sich immer noch befindet, sind, meiner Meinung nach, in allen Menschen stärker oder schwächer auffindbar. Da unterscheiden sich die Unterstützer Mollaths nicht von den Feinden Mollaths und so sollte man das als Ganzes auch betrachten.
    Natürlich meine ich damit nicht, dass man die Feinde Mollaths in den Arm nehmen sollte, um gemeinsam die Schlechtigkeit des Menschen zu betrauern. Aber man sollte auch nicht dem Irrglauben erlegen, nur weil man heute für Herrn Mollath eintritt, sei man grundsätzlich besser als die momentanen Gegner Mollaths, damit wäre man wieder in dem alten Überlegenheitsdenken, was der erste große Schritt zum Faschismus ist.
    Nein, man sollte sich überlegen, warum z.B. eine Frau Merk, die vielleicht in andern Fällen eine sympathische Person sein kann, in diesem Fall so agiert, wie sie agiert, und was sie als Mensch dazu „getrieben“ hat.
    Wenn also die momentanen Gegner Mollaths von Angst oder Selbstschutz getrieben sind, dann sollte man überlegen, warum ein System so viele Menschen in diese Situation bringen kann und warum die Personen nicht mutig, offen und sicher handeln können.
    So ein „besseres“ System kann man nicht verordnen, das bessere System muss nur den Mut und die Sicherheit des Einzelnen fördern und Angst verringern. Wahrscheinlich würde dies aber ein weitreichendes Verabschieden von bisherigem Hierarchie- und Erfolgsdenken implizieren.
    Das jetzt weiterzudenken, wäre zu viel, aber soweit erstmal meine Gedanken.

    • Fotobiene schreibt:

      Ich finde Deine Sichtweise, daß man – auch im Hinblick auf seinen „Gegner“ – die Perspektive wechseln sollte, sehr wichtig. Nur dann werden wir in der Lage sein, „das System“, dessen Teil wir ja doch alle sind, wirklich zu verstehen und erst auf dieser Basis eventuell und hoffentlich zu verändern!

      • Tine Peuler schreibt:

        @Fotobiene
        Die Handlungsweise der Ehefrau von Herrn Mollath heiße ich nicht gut – die Macht wurde ihr von anderen verliehen.
        Aber wie kann es sein, dass man in einer Ehekrise einen Arzt aufsuchen darf, hier Frau Krach, und plötzlich stehen Vorwürfe über psychische Krankheiten im Raum? Diese Vorwürfe können laut Anwälte dann nur mit Gutachten widerlegt werden. Kein Mensch denkt daran, dass es Grundrechte gibt.
        Bei diesen Gutachten besteht Fehlerquotienten. Manchmal wird einfach das gewünschte Ergebnis geliefert. Oder um auf Nr. Sicher zu gehen, wird irgendeine Krankheit festgestellt. Wenn man erst unter der Lupe einer Psychiater gelangt ist, ist es fast unmöglich nicht mit einem diagnostizierten Wahn oder Persönlichkeitsstörung raus zukommen. Und es ist eine demütigende Situation.
        Was Frau M. beabsichtigte als sie Frau Krach kontaktierte, wissen wir nicht. Denke schon, dass sie sich Vorteile in einem Scheidungsverfahren verschaffen wollte. Aber ob sie sich 7 Jahre Forensik vorgestellt hat, bezweifle ich. Von da an nahm alles seinen Lauf und nicht sie, sondern andere hatten das Ruder in der Hand.
        Und die wenigsten Täter, wenn es um psychische Krankheiten geht, nehmen sich selber als Täter wahr. Zu einfach ist es zu sagen; „Ich will dir doch nur helfen.Ich will die Allgemeinheit vor einer großen Gefahr schützen. Ich tue alles mit den besten Absichten. Und wenn du die gewünschte Begutachtung nicht mitmachst, die Behandlung nicht wahrnimmst, dann bist du an die Situation selber Schuld. Nicht ich.“
        Klar, Frau M. hätte andere Entscheidungen treffen können. Sie hätte beim Gericht die körperliche Auseinandersetzung runter-spielen können, was wahrscheinlich wahrheitsgemäß wäre. Sie hätte ihren Ex.Mann nicht an Hand der Kleidung identifizieren dürfen.
        Bis dahin war aber schon so vieles gelaufen, dass, wenn sie diesen Rückzieher wahrgenommen hätte, sie sich selber als (mit)-Täter hätte sehen müssen. Viel schöner war es doch an die Opferrolle zu glauben und daran, dass Herr Mollath selber Schuld ist.
        Schon wichtig zwischen Wissen und Glauben zu trennen. Aber es gibt viele Menschen wie Frau M.
        Sie scheint nicht besonders vernünftig zu sein. In vielen Hinsichten glaubt sie offensichtlich an das, woran sie glauben will. Und kein Mensch hat sie infrage gestellt.
        Ein Richter darf aber nicht sich auf den Glauben verlassen.

      • Fotobiene schreibt:

        @ Tine

        Ich verstehe nicht ganz, wieso Du MICH in Deinem Beitrag ansprichst?
        Die Intentionen von Frau Mollath (sowie das Gelingen ihrer Strategie) wurden im WA-Antrag der StA Regensburg sehr gut dargestellt.
        Was in ihrem. Kopf vorgeht, mag ich mir nicht vorstellen.

      • Tine Peuler schreibt:

        Entschuldigung Fotobiene. Der Kommentar war eher auf F.Fischer bezogen
        „Die Frage nach den Triebfedern, den Motoren im Allgemeinen oder im Speziellen von Herrn Mollath ist eine individuelle und triviale, und das ist nicht nur das “Streben nach Macht”.“

  3. stringa schreibt:

    Sehr schön, lieber Opa, daß sie sich selbst keine Denkverbote auferlegen. Eines der Hauptübel scheint mir in der Bewertung von Meinungen dieses Schubladen-Denken zu sein. Nur weil jemand spinnige Thesen über die große Angelsachsen-Verschwörung vorträgt, muß er deswegen nicht immer und nicht in allen Dingen völlig unrecht haben.

    Ich habe schon Standpunkte von mir bei der NPD, den Linken, den Piraten, und natürlich bei allen größeren Parteien vorgefunden. Das macht mir das Wählen nicht grade leichter 🙂

    Apropos,hilfreich sind wirklich diese Wahlomat-Angebote, seit es das Internet gibt. Da kann man durchaus auch mal seine Überraschungen erleben.
    Nicht hilfreich bei der eigenen Meinungsbildung sind Tabus, die entweder wir selbst uns auferlegen, oder die uns von anderen auferlegt werden.

    Also, die Angelsachsenverschwörung oder die Kissinger Connection würde ich im Fall Mollath auch zu den Akten legen, aber nicht aus Berührungsängsten wegen rechts, sondern wegen Unplausibilität.

  4. Elvis schreibt:

    auch von mir ein herzliches „Danke“ für Ihre Intellektuelle Auseinandersetzung mit Herrn Stölzes Gedanken und Äußerungen.
    Ich habe bereits Ihre Ablehnung und Auseinandersetzung mit Ihren zahlreichen Zuschriften zu Ihrer Arbeit zum Thema Mollath von „rechter“ Seite dankend angenommen.

    Zitat:
    „Charakteristisch für diese heutige faschismuskompatible Kritik ist ihre leere Negativität. Sie kennt nichts Demokratisches, das bewahrenswert wäre. Und vor allem: Sie haßt den Menschen und verkleinert ihn zur Null. Meine Negation des Systems ist eine in sich positive, eine die auf die Möglichkeit der Menschen baut, sich gemeinsam aus dem Elend herauszuarbeiten. Wie lang der Weg auch sein mag.“

    Im ersten Teil bringen Sie das Problem der faschismuskompatiblen Kritik und der dahinter stehenden Personen in seltener Deutlichkeit auf den Punkt.
    Mit Ihrer Negation des Systems und der sich daraus abgeleiteten Vorgehensweise sprechen Sie m.E. allen nicht menschenfeindlichen Systemkritikern aus dem Herzen.

    Vielen Dank noch einmal für Ihre Arbeit mit dem blog hier.

  5. Harry Heine schreibt:

    Abonniere hiermit. Heine

  6. Breitenbach schreibt:

    Es ist schwer zu leug­nen, daß das In­ter­net (noch stär­ker als das Fern­sehen, auf­grund der Auf­wands­recht­fer­ti­gung) trotz all sei­ner wirk­li­chen oder schein­ba­ren Vor­züge ein je­der Hin­sicht pro­ble­ma­ti­sches Kom­mu­ni­ka­tions­mit­tel ist und we­sent­lich häu­fi­ger zur Er­satz­be­frie­di­gung ge­nutzt wird als zur Rea­li­täts­be­wäl­ti­gung. Für al­le, die da­rin kein Sur­ro­gat, son­dern ei­ne Orien­tie­rungs­hil­fe su­chen, ist es besonders enttäuschend, auf in man­cher Be­zie­hung tat­säch­lich ver­dienst­vol­len Sei­ten plötz­lich auf aber­wit­zige Kon­struk­te wie »freie Ener­gie« u. dgl. zu stoßen (so dis­ku­tiert bei­spiels­wei­se die Sei­te ar­bei­ter­fo­to­gra­fie.de an­läß­lich der Ka­ta­stro­phe von Fu­ku­shi­ma al­len Ern­stes des Ein­satz von HAARP bzw. Wet­ter­waf­fen; an­ti­se­mi­ti­sche Phan­ta­sien bil­den hier lei­der kei­ne Aus­nah­me). Wie könn­te das zu er­klä­ren sein?

    Es ist das glei­che Phä­no­men wie das nicht sel­te­ne des »gläu­bi­gen« Wis­sen­schaft­lers. Grund­sätz­lich kann man sich ihm von zwei ver­schie­de­nen Sei­ten aus nä­hern: ent­we­der von der ge­sell­schaft­li­chen oder von der in­di­vi­du­el­len Sei­te aus. Neh­men wir als Bei­spiel Gior­da­no Bru­no: Wä­re er auf den ihm von kle­ri­ka­ler Sei­te un­ter­brei­te­ten Vor­schlag ein­ge­gan­gen, sei­ne Ent­deckung for­mal als »Hy­po­the­se« zu de­kla­rie­ren, hät­te er oh­ne Zwei­fel län­ger ge­lebt und die­se da­her auch ver­brei­ten kön­nen. Doch er­klärt sich (an­ders als et­wa bei Spi­no­za) sein an die­ser Stel­le nutz­lo­ser Pan­theis­mus al­lein aus den für das Den­ken schäd­li­chen Zeit­um­stän­den bzw. feu­dal‑re­li­giö­sen Druck? Zum größ­ten Teil be­stimmt. Doch wirk­lich rest­los?

    Sig­mund Freud ent­deck­te vor Zei­ten, daß sich die ge­gen früh­kind­li­che Wün­sche ge­rich­te­ten Ge- und Ver­bo­te oder Sät­ze der El­tern, spä­ter an­ge­rei­chert durch die­je­ni­gen an­de­rer Au­to­ri­täts­per­so­nen, in ei­nem psy­chi­schen Fremd­kör­per, dem »in­ne­ren Po­li­zi­sten« oder sog. Ü b e r ­i c h, fest­set­zen, das im­mer dann, wenn man ge­gen die da­rin ge­spei­cher­ten Sät­ze ver­stößt, u n ­b e ­w u ß t e Angst- oder Schuld­ge­füh­le aus­löst. Ge­nau ge­gen sol­che un­be­wuß­ten Über­ich-Sät­ze ver­stoßen aber al­le, die ir­gend­ei­ne der stän­dig von der Ge­sell­schaft ver­lang­ten Zu­mu­tun­gen und lo­gi­schen Wi­der­sprü­che nicht schlucken (sie nicht »ver­drän­gen«, also aus der Wahr­neh­mung ver­ban­nen). Aus die­sem Grund gin­gen die mei­sten Re­vo­lu­tio­nen schief. Ge­nau­so kommt es auf der in­di­vi­du­el­len Ebe­ne, wenn über­haupt, selbst un­ter gün­sti­gen äuße­ren Be­din­gun­gen häu­fig zu spon­ta­nen Schief­hei­lun­gen. Je­dem Schritt vo­ran fol­gen ei­ner oder meh­re­re zu­rück, doch wer vor dem ei­ge­nen Mut, der nun mal zu je­der ver­bo­te­nen Er­kennt­nis nö­tig ist, ein­mal zu­rück­ge­wi­chen ist, die un­be­wuß­te Selbst­be­stra­fung al­so be­reits hin­ter sich hat, kann sich da­nach um­so leich­ter und wei­ter als an­de­re vor­wa­gen. Die ela­bo­rier­ten Hirn­schal­tun­gen wer­den von den, wenn man so will, ver­na­gel­ten oder be­schränk­ten Ge­dan­ken­krei­sen durch den psy­chi­schen Me­cha­nis­mus der »Iso­la­tion« ge­trennt.

    Ist es nun wirk­lich ver­wun­der­lich, daß ge­ra­de sol­che In­di­vi­du­en, die für Un­be­fan­ge­ne über­zeu­gen­de An­sich­ten nach außen hin mit ei­nem ab­stoßen­den Ein­druck ver­bin­den, als Kri­ti­ker den Macht­ha­bern am ge­nehm­sten sein wer­den? An die­ser Schnitt­stel­le sind sub­jek­ti­ves (un­bewußtes Selbst­be­stra­fungs-) und ob­jek­ti­ves (Straf-) Be­dürfnis in kri­ti­schen Zei­ten prak­tisch deckungs­gleich. Wie aus Sicht al­ler fort­schritt­li­chen Kräf­te da­mit um­zu­ge­hen ist, hat Le­nin in sei­ner Schrift »Was tun?« dar­ge­legt.

    • Fotobiene schreibt:

      Puh, ein intellektuell anspruchsvoller Ansatz. Ich glaube, ihn verstanden zu haben.
      Ich möchte den Faden noch ein wenig weiterspinnen, indem ich bei Freud eine Erklärung dafür meine gefunden zu haben, warum es bei dieser „Isolation“ nicht bleiben kann:
      Kennzeichnend für diese sich fast wie ein Pilz verbreitenden Ansichten ist eine schon z.T. „religiös“ anmutende Sichtweise der kausalen Rückführung nicht nur auf das immer selbe Prinzip der Herrschenden, sondern der angeblich selben Personen/Organisationen, sowie die angebliche mögliche Rettung durch die Heilslehre des „Erwachens“.
      Hier gilt aus meiner Sicht Gleiches wie für die Religion:
      „Die Belege für die Wahrheit der religiösen Lehren sind dürftig. Gleichwohl sind diese Lehren äußerst wirksam. Ihre Wirkungskraft rührt daher, dass es sich bei den religiösen Vorstellungen um Wunscherfüllungsphantasien handelt. Sie befriedigen auf quasi halluzinatorische Weise das Schutzbedürfnis angesichts der Hilflosigkeit. Die Religion ist deshalb auch nicht einfach nur ein Irrtum, sie ist eine Illusion; die religiösen Vorstellungen sind nicht einfach falsch, sie stellen vielmehr die imaginäre Erfüllung eines Wunsches dar.“
      http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zukunft_einer_Illusion
      Und ja, genau DARUM gehen Revolutionen schief.

  7. BB7 schreibt:

    Lieber „Opa“

    bei deiner Formulierung:
    >Der Mollathskandal ist nun einmal mit unserer Weltordnung verknüpft, “NWO”. Darüber wird nicht zu viel nachgedacht, sondern zu wenig; und zu schwach.<
    bin ich denn doch wieder 'hängen geblieben'.
    Dieses Stichwort 'Neue-Welt-Ordnung' kommt häufig oder meist im Zusammenhang mit Kissingers – Angelsachsen und sonst-noch-was vor. Den Bezug zum Systemskandal Mollath sehe ich auch. Aber, – – nach meiner Beobachtung planen irgendwelche Strippenzieher immer irgendwas, – einiges klappt, – dass meiste nicht! Mich wundert nicht das diese 'Interessierten Kreise' wenn sie Gelegenheit haben sich zu Äußern, lieber auf Erfolge verweise als Pleiten einzugestehen.
    Solche Erfolge werden dann als Stufen auf dem Weg zur „NWO“ dem staunenden Publikum 'verkauft'.
    Wenn es aber (auch) mit Blogs wie diesem gelingt, die vorgenannten Strippenzieher bei der Kriminalität ihrer kriminellen Handlungen zu Stellen und zu überführen, – dann werden sich die Gegebenheiten in der Gesellschaft in der wir leben weiter entwickeln, – und nach einiger Zeit ist die Welt-Ordnung dann NEU, – zumindest im Vergleich zur Alten. Und möglicherweise gefällt die Welt-Ordnung mir dann besser als heute. Wie schon früher in diesem Bolg gesagt bleibe ich gerne Optimist!!

  8. Harry Heine schreibt:

    @Kranbich05

    Mal was zum Kern dessen, was Sie hier VÖLKISCH nennen und was mir eher RECHTSEXREMISTISCH vorkommt.

    Der Plot ist, auch dies aspekthaft neu, die angemaßte deutsche Opferrolle. Daraus ergibt sich der Rest als Verkehrung. Es war aber der „faschistische deutsche Imperialismus“ (Kurt Pätzold), der einen ersten Großen Krieg maßgeblich in Kauf nahm, Stichwort Schlieffen-Plan, und den Zweiten Weltkrieg bewußt und strategisch verursachte.

    Da können Herren Stölzel et tutti und seine Stichwortgeber von Prof. Hillgruber bis zum Generalmajor Schultze-Rhonhof raunen was und wie sie wollen: Fakt bleibt Fakt. Das Deutsche Reich mit seinem letzten Deutschen Reichskanzler Herrn Hitler war historisch nicht Opfer. Sondern Täter.

  9. vovlo schreibt:

    Danke!
    es wäre schade, wenn der Blog ideologisch zugrunde gerichtet wird.
    Ich habe einige Jahre in Liechtenstein gelebt und wir haben oft gescherzt, dass wir mit der Registrierung von KFZ-Kennzeichen reich werden könnten, aber mir fehlt das Denunzianten-Gen. Schwarzgeld war bis vor ca. 10 Jahren ein gängiges Geschäftsmodell, unbelastet von Verfolgung und durchaus gesellschaftsfähig (ausser man stellte sich wirklich doof an). Von „Schwarzgeldwahn“ kann keine Rede sein. Darum mal wieder Links, von denen ich nicht weiss, (die Jugend okkupiert die Technik), ob sie nicht eh schon durchgekaut wurden:
    http://www.main-netz.de/nachrichten/politik/subdir/berichte02/art20502,947034
    ….Der schwerwiegende Verdacht, dass einige Anwälte bei der Nürnberger Justiz gleicher seien als andere, bestätigte sich. Unberechtigt sei einem Rechtsanwalt in dem gegen den Nürnberger Unternehmer Karl Diehl geführten Steuerstrafverfahren Akteneinsicht gewährt worden, heißt es in dem Bericht. Auch in anderen Fällen hätten Anwälte in die Akten sehen können, ohne dass die formalen Voraussetzungen vorgelegen hätten…..

    http://www.welt.de/wirtschaft/article3488978/Franzoesische-Justiz-ermittelt-gegen-Adidas.html

  10. Horst Pachulke schreibt:

    Ihren Ausführungen pflichte ich im Großen und Ganzen bei, möchte aber auch darauf hinweisen, dass Mollath selbst diesen Angelsachsen-Spekulationen einen gewissen Nährboden verschaffte, indem er anmerkte, dass der Rotary- und Lions-Club als „angelsächsiche Erfindungen“ unterwandern.

    Ferner sehe ich immer noch die „Alles-Böse-kommt-von-außen“-Lyriken mancher Menschen als Teil eines Vernebelungs- und Propagandagebäudes, das Menschen oft schmackhaft gemacht wird, um einen Unterschied zu suggerieren, der de facto gar nicht gegeben ist, Veranwortungen zuzuschreiben, die so nicht existieren etc. pp. Ziel dieser Strategie ist es, die Menschen, die tatsächlich so etwas wie Verantwortung und Beeinflussungsmöglichkeiten besitzen, aus der Schusslinie zu nehmen und für die „Quertreiber“ Figuren zur Verfügung zu stellen, an denen sie sich abarbeiten können – ohne den leisesten Hauch einer Chance zu haben, etwas wesentliches zu verändern.

    Um es aus einer Kapitalskeptischen Sicht zu formulieren: Regierungen, Nationen, Clubs usw. sind Schall und Rauch – sie werden von Mammonsanbetern nur instrumentalisiert, um ihre Interessen durchzusetzen. Ihr wesentliches Interesse ist die „Freiheit“ ihres Götzen Mammon, auch wenn das die Entrechtung, Versklavung und Ermordung von Menschen beinhaltet. Hierzu werden vorhandene Gruppen instrumentalisiert sowie neue Gruppen gebildet und gegeneinander aufgehetzt. Denn eine fest gefügte, mächtige Gruppe liefe unter Umständen dieser „Freiheit“ zuwider – und könnte dann nicht mehr kontrolliert werden.

    Wenn also „die Angelsachsen“ übermorgen ein gewisses Maß an Versand an die Herrschaft wählen oder bringen, das den Interessen der Kapitalokraten zuwider läuft, sind „die Angelsachsen“ anschließend der Gefahr ausgesetzt, sehr schnell weg vom Fenster der Weltmachtallüren zu sein. Plötzlich wird dann in Erfahrung gebracht werden, wie „schlimm“ dieser Machtfaktor „gewütet“ hat, als er sein „Wesen“ verbreitete.
    Ebenso sieht es mit anderen Gruppen und Subgruppen, z.B. der Nationalisten, Rassisten und Faschisten aus: Sind sie den Interessen der Hohepriester Mammons nützlich und folgen sie seinen Geboten, werden sie prosperieren. Wenn sie es aber übertreiben, die Menschen zu sehr verunsichern und somit zu einer Gefahr für Gott Mammon zu werden drohen, hat man keine Hemmungen, sie mit aller verfügbaren Gewalt zu bekämpfen.

  11. Fotobiene schreibt:

    Danke für diesen Beitrag, Opa Kranich!!

    In meinen Recherchen zu anderen Verschwörungen (Barschel-Mord, CDU-Spendenaffäre, 9/11) bin ich des öfteren schon auf Seiten ausgerutscht, die sich als rechtslastig herauskristallisierten. Stringa hat aber recht, auch dort sind durchaus zutreffende Analysen zu bekommen – das IST ja das verFÜHRERrische… 😉

    Ich schätzte Stölzel als guten Rechercheur, ärgere mich nun aber zunehmend auch über den Ton:
    „ich finde, Sie haben den “Roten Faden” im Fall Gustl Mollath weitgehend gefunden.“
    „Mein Ziel im Blog ist es, Sie und alle anderen Blogger, auch unseren lieben “Deali”, an die “DIMENSION” des Fall`s Mollath weiter heranzuführen. “
    „sehr schön. Sehr schön haben Sie die “EBENEN” des “Systems” dargestellt. “
    Geht’s noch, Stölzel??!!

    Dealis Satz finde ich schlüssig:
    „Wenn das “System” hinter Mollath her wäre dann hätten die ihm Waffen unter geschoben und die hätte man dann gefunden. Dann hätte nicht solch ein Eiertanz wie bei Brixner stattgefunden.“

    Stölzel:
    „F. Fischer hat schon die Verbindung Kissinger-Raytheon-Diehl gefunden.“
    Gratuliere. Was für ein Ritterschlag (nicht falsch verstehen – dafür kann F. Fischer ja nix…)!

    Das war im Grunde ja nicht schwer:
    http://www.diehl.com/de/diehl-gruppe/unternehmen/standorte/details/CDB/Company/show/diehl-raytheon-missile-systeme-gmbh.html
    Und Kissinger dazu zu finden, ist auch nicht schwer.

    Das ist doch auch kein Wunder, oder?
    Dachte jemand, daß die Rüstungskonzerne NICHT vernetzt sind??
    Kissinger ist derartig hochgeradig vernetzt, daß man ihn mit fast ALLEM in Verbindung bringen kann. Hier ist es natürlich aufgrund des Geburtsortes angeblich blut-und-bodenmäßig total naheliegend…
    Und der Begriff „Angelsachsen“ verschleiert neuerdings die alte Illuminaten-Theorie, von Goldseiten aller Art immer wieder gern genommen, um den nahen Untergang „DES SYSTEMS“ („kauft GOLD!!“) vorauszusagen. Bush und Bin Laden arbeiten zusammen (es gibt diese Beziehungen) – wir sind alle verloren!! Die Geheimdienste beherrschen alles (Oder doch die Banken? Oder die Großkonzerne?) – wir werden alle störrben!
    (Ich bin sarkastisch, denn alle diese Aussagen sind sicher richtig…)

    Daß diese Seiten auch immer mal wahre Details enthalten, stelle ich nicht in Frage, aber es läuft immer wieder darauf hinaus, daß uns „die da Oben“ in Orwellscher Manier in Schach halten (was vermutlich sogar richtig ist) – wogegen wir machtlos sind, außer, wir machen die totale Revolution gegen alles, gegen dieses ganze „Schweinesystem“.
    Ich behaupte: Wir müssen (und wir können!) es entlarven… Stück für Stück!

    Im Fall Mollath haben wir etwas ganz konkretes an der Hand, wo wir ganz detalliert und begrenzt (!) analysieren können, wie „das System“ in diesem kleinen Ausschnitt funktioniert. Und natürlich funktioniert es über Netzwerke wie Sportvereine, Rotarier, Freimauerer oder Bilderberger. Das ist doch aber kein Geheimnis und im Grunde auch nichts Verwerfliches!
    Das findet doch schon auf dem Schulhof statt: Da bilden sich Cliquen, da dürfen die einen von mir abschreben, andere nicht… da gibt es „Petzen“… da gibt es Schlägereien auf dem Hof, wo man unkt, daß der aufsichtshabende Lehrer bestochen wurde, nicht hinzusehen…
    Jeh nun! Der Mensch IST so! Und wenn die Clique Macht hat, dann… ja, dann läuft sowas so!

    Unser demokratisches System verlangt aber, daß genau diese menschlichen Machtsysteme Gesetzen unterworfen werden, die moralischen Grundwerten genügen, die gerade die Schwachen schützen und nicht die Mächtigen. Dies ist noch immer nicht der Fall. Das war noch nie der Fall.
    Dafür müssen wir kämpfen, und die Mittel, die uns Bürgern zur Verfügung standen, waren noch nie so gut wie heute: Die Mittel der Information und Kommunikation im Internet. Kein Wunder, daß das beschnitten werden soll… gebt acht!!
    Gleichzeitig benutzen das verFÜHRER unterschiedlichster Couleur… gebt acht!

    Natürlich kann man jedes Ereignis auf der Welt mit größeren Zusammenhängen in Verbindung bringen. Jeder ist über 5 Ecken mit dem Papst bekannt (oder war es gar „verwandt“?). Aber was nützt das zur Erkenntnis auf den Einzelfall bezogen?
    Haben „die Illuminaten“ Mollath mundtot gemacht?? „Die Bilderberger“ (sind immer andere Menschen auf diesen Treffen)? Kissinger???
    Gibt es nicht vielleicht eine Linie Diehl -> Chemtrails? Ja?? Und was hat Mollath damit zu tun?? Es gibt Leute, die das in 3 Minuten basteln könnten – ich könnte es auch… aber es ist UNSINN! Nicht jeder irgendwie geartete Zusammenhang über 3 Ecken ist ein logischer und schon gar nicht ein ursächlicher!

    Das einzige, was hilft, ist, sich umfassend und vielseitig zu informieren, zu hinterfragen und logisch zu denken, niemals zu GLAUBEN.

    • Apollon schreibt:

      Wenn das Stichwort Kissinger fällt denke ich immer sofort an Helmut Schmidt und die Sozialdemokraten.
      Deren unglaubliche Zurückhaltung im Fall Mollath, ich denke da auch an Franz Schindler dessen Verhalten absolut indiskutabel ist und war. Karl-Heinz Hiersemann hätte euch aus der SPD entfernt!
      Gleichzeitig frage ich mich wieso Rudi Sponsel immer noch in dieser Partei ist und weshalb sein Einfluss dort so mickrig ist!
      Lieber Rudi, wer hat uns verraten? ….. Die Sozialdemokraten!
      Du schuldest mir übrigens seit fast 40 Jahren einige Mass Bier auf der Bergkichweih! Das ist auch typisch für Sozialdemokraten!

  12. F. Fischer schreibt:

    Ich finde es sehr gut, dass Opa in diesem Beitrag klarstellt, dass in der speziellen Aufarbeitung des Schicksals von Herrn Mollath „Völkisches“ oder anderes übergreifend-ideologisches nicht der Sache dient, aber die Brücke geschlagen werden muss, zu hinterfragen, was prinzipiell in den Mechnismen unserer Gesellschaft schief läuft.

    Der „Mollath-Skandal“ kann meiner Meinung nach in zwei Skandale geteilt werden, der Skandal seines Urteils bis 2006 und dessen Folgen und der Skandal, der entstand, nachdem der Fall um 2012 öffentlich wurde.
    Der erste Skandal ist allem Anschein nach ein Machwerk krimineller Menschen im Raum Nürnberg+x, der zweite Skandal, den ich live verfolgen durfte/musste betraf aber in erschreckend deutlicher, weil offen ausgetragener, Weise die Verkommenheit von hoher Politik, Justiz und großen Medien.
    Der erste Skandal war ein Beweis verfilzter und korrupter Machtstrukturen, der zweite Skandal war ein Offenbarungseid von Teilen der Gesellschaft, besonders von Teilen, denen man in einem gesunden System jedenfalls größtenteils vertrauen können muss.

    Dem ersten Skandal, dessen Kern Gustl Mollath ist, gilt unsere primäre Anstrengung, das Ziel ist die Rehabilitätion von Gustl Mollath und im optimalen Fall auch die Aufdeckung von Teilen der Hintergründe.

    Der zweite Skandal geht viel tiefer, er hat Ursachen in und Auswirkungen auf die Gesellschaft und der Fall Mollath ist nicht Kern sondern Auslöser der Offenbarung dieser Missstände.

    Bei dieser Wucht in ganz großen Maßstäben zu denken, ist aus meiner Sicht absolut nachvollziehbar und ich gestehe jedem zu, in zivilisiertem Stil seine Interpretation kund zu tun.
    Diesen Diskurs finde ich wichtig.

    Da Herr Stölzel hier als konkretes Beispiel dient, muss ich sagen, dass ich nicht mit seiner schlussendlichen Interpretation übereinstimme, aber seine Meinung ist, soweit ich weiß, ja auch nicht Konsens in diesem Blog. Wenn Herr Stölzel diese Meinung auch offensiver vertritt, dann ist das für mich auch okay. Ich hatte niemals die Befürchtung, da ginge was in die rechtsextreme Ecke. Dass Opa hier den Hinweis klarmacht, dass der „völkische“ Bezug unangebracht scheint, dann ist das eine andere Sache, die ich vernünftig finde, aber die Stigmatisierung und das Anprangern, was hier teilweise in den Kommentaren stattfindet, finde ich schlimmer, als eine etwas weit hergeholte Theorie der Hintergründe der Sache von Herrn Mollath.

    Auch in dem Blog von Frau Wolff fallen mir gelegentlich Haltungen gegenüber Kommentatoren auf, die ein wenig in den Verdacht geraten, nicht vollkommen für Herrn Mollath zu sein oder auch in anderen Themen nicht ganz mit Interpretationen anderer übereinstimmen.
    Mir ist das mehrfach aufgefallen und mehrfach selbst passiert. Man muss sich plötzlich für seine Meinung rechtfertigen, das kann nicht Sinn dieser „Mollath-Blog-Unterstützer-Gruppe“ sein.
    Ich selber musste Meinungen schon mehrfach erklären oder relativieren, weil ich von Personen mit anderer Meinung (selbst von den Blogbetreibern) energisch angegangen wurde, teils war sogar einfach nur ein Missverständnis vorhanden.
    Der letzte seltsame Auswuchs war das „Przybilla/Ritzer-Bashing“ , weil die beiden mit guten Absichten ein Buch zum Fall Mollath herausbringen. Vor einigen Wochen waren die noch Helden. Ohne deren Enthüllung der „Notiz“ hätte es keinen WA gegeben, da bin ich ziemlich sicher. Es wäre mindestens viel schwerer geworden.

    Ich finde, man sollte aufpassen, dass man unter den Unterstützern nicht anfängt, sich gegenseitig anzugehen oder sich eine „Pro-Mollath-Elite“ bildet.

    • kranich05 schreibt:

      Wie so oft, F. Fischer, Sie bringen Vieles sehr schön auf den Punkt. Danke.

      • stringa schreibt:

        Ach, wissen sie, F. Fischer und Kranich, das ist doch quasi ein Naturgesetz. Wo sich eine größere Gruppe bildet, egal ob im Real Life oder im Virtuellen, da bilden sich Fraktionen. Das ist der menschlichen Natur doch immanent eingebaut.

        Sie tun recht daran, immer wieder Einigkeit zu fordern, bzw. die Diskussion nicht aus dem Ruder zu laufen lassen, aber verhindern kann man so etwas nicht. 🙂

      • F. Fischer schreibt:

        @kranich05

        Danke auch für den Hinweis auf den „Vorfall“ in Kunduz.
        Mir fällt es manchmal schwer, Hinweisen von Kommentatoren auf andere Justizopferfälle neben Herrn Mollath zu folgen und mich hineinzudenken, aber die Geschichte von Kunduz passt, finde ich, sehr gut in das „Zeitgeist“-Gefühl, was mich beschleicht.
        Hinter einer immer höher steigenden moralischen Läuterung in dem Selbstverständnis der Gesellschaft, scheint sich die Realität immer weiter von diesem Bild zu entfernen.

    • Fotobiene schreibt:

      Ich finde Deine Unterteilung in zwei Skandale sehr anschaulich, wenngleich ich nicht sicher bin, ob sich das wirklich so trennen läßt. Aber es ist ein gutes Denkmodell, das zumindest zeitlich und in Bezug auf die Rezeption in der Öffentlichkeit handlich ist.

      Wenn Du das Abdriften Stölzels ins Völkische (ich sage da lieber ganz klar Rechtslastig-Nationalistische) nicht so wahrgenommen hast, ist es aus meiner Sicht höchste Zeit gewesen, daß Opa Kranich das hier als eigenen Beitrag heraushebt.
      Wie ich bereits darstellte, ist es aus meiner Erfahrung eine der schwierigsten und heftigsten Bedrohungen unserer kritischen Bewegung, auch Breitenbach habe ich so verstanden. Wenn wir uns nicht frühzeitig entschieden gegen solche Äußerungen zur Wehr setzen, wird uns ganz schnell (und das wird bereits versucht… Auch Strate ist das klar, wie man in seinem letzten Interview sehen konnte!) diese „Verschwörungstheoretiker“-Ecke angedichtet. Und die ist hochwirksam seit 9/11 (und das hat Gründe, die auszuführen jedoch hier zu weit führen würden).

      Insofern MUSS auch in unseren Unterstützerkreisen öffentlich Meinung diskutiert werden, es MUSS kritisiert werden und es MUSS rechtfertigt werden. Wer das nicht möchte, sollte sich nicht öffentlich äußern. Und wenn das zu einer Relativierung der eigenen Meinung führt (Du schreibst MUSSTE?), ist das dann nicht ein gesundes Korrektiv für sich selbst? Oder hast Du Deine Meinung nicht wirklich relativiert, sondern nur auf Druck anders dargestellt, um Dein Renommee zu wahren? Das allerdings wäre ganz übel.

      Ich schätze die Blogs von Opa und Gabriele Wolff darum, weil hier ganz überwiegend Menschen diskutieren, die wirklich bereit sind, sich intellektuell mit Dingen auseinanderzusetzen, auch mit anderen Meinungen, und nicht substanzlos herumblaffen. Ich kann bisher nicht sehen, daß fundierte und begründete Kritik irgendwo in „Sich-gegenseitig-Angehen“ oder „Elitenbildung“ ausartet, wäre aber dankbar, wenn sich der momentan gebashte Herr Stölzel mal zu Wort melden würde. Auch er könnte ja bereit sein, seine Meinung zu relativieren.

      • F. Fischer schreibt:

        Liebe Fotobiene,
        es gibt auch die „Nazi-Keule-Keule“ 😉
        Mit Deiner Aussage bzgl. „Human Resources“ und „Militärstrategen“ hast Du sicherlich in Teilen recht, aber so sind die wohl von „Amtswegen“, man sollte auch nicht die NRA zur Gefährlichkeit von Feuerwaffen in Privathaushalten befragen 😉

        Was aber von Opa, ich spekuliere wieder, gemeint ist, ist ein moralisches Grundverständnis, Klima oder Entwicklung, was der eigenen moralischen/emotionalen Selbstverständlchkeit oder Erwartung widerspricht. Vor wenigen Jahren galt ein Deutscher Kriegseinsatz noch als verwerflich, Tote durch Deutsche Einsätze als rote Linie.
        Bei diesem Hintergrund würde man erwarten, zig tote Zivilisten in Afghanistan würden einen massiven Aufschrei erzeugen und zur Folge haben, dass man sich wieder auf das zurückbesinnt, was man aus der Geschichte meinte gelernt zu haben. Ist aber nicht passiert.
        Unsere Geschichte hat uns einen ordentlichen Rucksack hinterlassen, und ich finde ihn gut, ich trage ihn gerne weiter. In Teilen habe ich aber den Eindruck, dass man diesen Rucksack gerne loswerden möchte, zur „Normalität“ übergehen will. Das spiegelt sich dann auch in den Medien wider, unabhängig von Marktzwängen.
        Bei mir erzeugt das Widerwillen. Ich wehre mich gegen jede Form von Überlegenheitsdenken oder -gebaren, besonders wenn dafür positive Begriffe wie Moral, Demokratie oder Rechtsstaatlichkeit missbraucht werden. Die Beschreibung lässt sich dabei nicht auf „Nazi“ begrenzen, im Gegenteil, dieser Begriff spielt kaum eine Rolle. Die Renaissance eines Nationalsozialismus ist das letzte, was ich erwarte. Ich habe Angst vor Sozial-Faschismus, Moral-Faschismus oder „Kreuzzüge“ im Namen der Demokratie und Moral. Was dabei immer zu kurz kommt, ist die Empathie der Situation oder Selbstverständlichkeit des Gegenüber und der angemessene Respekt.
        Diesen Mangel sehe ich in dem Umgang mit den Opfern von Kunduz und im Umgang mit Herrn Mollath. Der Begriff „minderwertige Menschen“ hat aus meiner Sicht deshalb nichts mit einem „Nazi“-Begriff zu tun sondern mit einer subtileren Form des Faschismus.

        • kranich05 schreibt:

          Die hier als „Sozial-F.“ oder „Moral-F.“ bezeichneten, vor denen ich auch Angst habe, treten sogar als Anti-(Hitler)faschisten auf.
          Fast alle Begriffe sind ins Gegenteil verkehrt – „1984“.

      • F. Fischer schreibt:

        Genau, 1984, und Frau Merk wird Ministerin für Wahrheit 😉

      • F. Fischer schreibt:

        @Fotobiene
        Oh, ich merke gerade, Fotobiene, dass mein Kommentar total verrutscht ist, ich wollte eigentlich auf Deinen Kommentar weiter unten antworten. 😉

      • Fotobiene schreibt:

        Ja, F. Fischer und Opa Kranich, SO differenziert gesehen kann ich dem zustimmen, aber als „Schlag“-Wort im Update war mir das so, wie es da steht, zu mager und mißverständlich.

  13. BB7 schreibt:

    Nochmals vielen Dank an alle die sich hier konstruktiv einbringen, – diesmal wieder besonders an FOTOBIENE … 🙂

  14. Dian schreibt:

    Lieber Opa Kranich,

    ich danke Ihnen für Ihren lesenswerten Artikel, der damit auch wieder interessante Bloggermeinungen anzieht. Sie charakterisieren Ihre Denkweise als historisch-materialistisch (in Ihrem 4. Absatz), was ich begrüße. Dies wird für mich zum Beispiel auch in Ihrem Artikel Gustl und Diehl deutlich. Ich fühle mich selbst dieser Denkweise verpflichtet und habe die Erfahrung gemacht, dass es gar nicht so leicht ist, diese dahinter stehende Weltsicht konsequent beizubehalten oder anders, nicht selten entferne ich mich von ihr unbeabsichtigt, weil es bequemer ist, die Gedanken statt der Fakten sprechen zu lassen.

    In diesem Verständnis bitte ich Sie, Opa Kranich – und geneigte Leser hier – kritisch mit Ihren Worten in Ihrem ersten Absatz umzugehen. „Handgreiflich“ und „Fakten“, im Sinne von handgreiflichen Fakten sind materialistische Kategrien und also in der uns einenden Sicht Grundlage von Argumentationen. Sind es aber noch „juristische und psychiatrische“ Fakten? Gibt es überhaupt einen „juristisch-psychiatrischen“ Fall Mollath?

    Die Mollath zur Last gelegten Taten, die materiellen(!) sind strittig. Unstrittig ist die Materialisierung seiner Anklage von Millionenverschiebungen oder -deals. Und damit nahm die Schaffung von „juristischen Fakten“ durch die Vertreter von „Gesetz“ und Ordnung(!) in dem Sinne von Es-kann-nicht-sein-was-nicht-sein-darf seinen verhängnisvollen „Lauf“. Dabei war den Mächtigen das Gesetz nur Hilfsmittel, wenn sie es benutzen konnten, sonst missachteten sie es erwiesenermaßen. Nicht einmal diese Gesetzesbeugungen allein reichten aus.

    Man griff schließlich zum Totschlagargument, zur ärztlichen Diagnose in schlimmster Form, der Psychiatrisierung. Die „Götter in Weiß“ haben den millionenfachen Mord der Nazis nicht nur vorgedacht, zu Papier gebracht und verteidigt sondern sich den Mächtigen wie schon immer so auch heute als willigste Vollstrecker – vor allem durch ihre Selektion! – angedient. Was meinen Sie wieviel man uns Bloggern und Netwritern allein durch Aufschlagen des International Statistical Classification of Diseases (ICD) im Kapitel V „andichten“ kann, vor allem „Störungen“ – welch doppelter Sinn gerade auch im Fall Mollath. Andichten, nachsagen, verleumden und final: attestieren!

    In Berlin-Moabit wie mutmaßlich auch in allen anderen Landgerichten laufen fast täglich Verhandlungen unter Hinzuziehung eines „Gerichtspsychiaters“. Dieser beobachtet leider nicht, was der Name verspricht. Kein Gericht wagt es den Ausführungen dieser Fach“sprachler“ zu widersprechen oder diese auch nur ernsthaft in Frage zu stellen. Da werden Mörder freigesprochen vom Tatvorwurf, da sie angeblich keine Verantwortung für ihr Tun hatten. Dafür kommen sie in die Geschlossene, auf unbestimmte Zeit, vielleicht für immer, also lebenslänglich im Wortsinn und nicht im gesetzlichen – durch das Urteil eines einzigen Psychiaters. Jeder kann und sollte sich davon selbst einmal ein Bild machen!

    Psychiatrie ist immer Zwangspsychiatrie, Machtausübung und keine Therapie (http://www.heise.de/tp/artikel/38/38466/1.html).

    Und jeder kann in die Fänge der Psychiatrie geraten durch Anzeige von z. B. missgünstigen Nachbarn, Kollegen oder Ehepartnern, weshalb dringend eine in Deutschland einzig helfende Patientenverfügung (www.patverfü.de) jedem angeraten sei.

    Ich hoffe, ich konnte hinlänglich erklären, dass Justiz und erst recht Psychiatrie nichts wirklich materialistisches sind, außer in ihrer strafenden Wirkung.

  15. Dian schreibt:

    Sorry, hier als Hot-Button: http://www.patverfü.de

  16. Dian schreibt:

    Hoppla, Opa, ist Ihnen nicht gut? Ihr Update soeben ist für mich keine noch so bittere Ironie mehr, sondern von solchem Chauvinismus, dass ich an Ihrem Zustand zweifle. Brauchen Sie Hilfe?

    opa:
    Hallo,
    da solche Deutung möglich war, habe ich das Update sogleich umformuliert. Sehen Sie es immer noch als Chauvinismus deutbar?

    • Dian schreibt:

      Nein, bedaure. Ihre Frage lässt mich allerdings hoffen, es wird Ihnen ganz allmählich besser. Denken Sie doch bitte über Ihren Begriff „minderwertige Menschen“ nach!

      opa:
      Das Problem scheint sich darauf zu reduzieren, ob Ironie schriftlich allein durch Anführungszeichen „…“ auszudrücken ist.

      • Fotobiene schreibt:

        Lieber Opa Kranich, ich komme mit dem Update auch nicht ganz klar, für mich geht es auch nicht in Tüttelchen…
        Bist Du sicher, daß Du den Verantwortlichen eine solche Gesinnung unterstellen möchtest? Mir geht das entschieden zu weit.

        • kranich05 schreibt:

          Liebe Fotobiene, ich wundere mich.
          Wenn in den Anden ein Touristenbus verunglückt mit 12 Todesopfern meldet mein Rundfunk, daß darunter keine Deutschen gewesen seien oder 2 Deutsche oder 4 Deutsche usw. gewesen seien. Mich interessiert das genau so viel wie die Anzahl der getöteten Kanadier, Rumänen, Ägypter, Mongolen, Israeli usw.
          Wenn der Westen Krieg führt in Afgh. in Irak, in Lybien, wo auch immer, werden akribisch die westlichen Verluste aufgelistet. Die Opfer unter der Bevölkerung des fremden Landes werden überhaupt nicht gezählt. Was sind sie anderes als Mindermenschen? Durch die TATEN unserer rechtsstaatlich Krieg führenden Institutionen so definiert.
          Menschen, die jahrelang in Guantanamo einsitzen, ohne Rechte, ohne Prozeß, dann in die Freiheit geschoben werden, ohne Entschädigung verbleiben. Das sind minderwertige Menschen oder Halbmenschen, die Faschisten sagten Untermenschen. Unser Sprachgebrauch sagt das nicht aber unsere TATEN definieren es.
          Was geht da zu weit?

      • Dian schreibt:

        Spätestens wenn die Ironie zum ernstlichen Problem wird, dann gehört sie sich nicht. Also „Butter bei die Fische“! Menschenrechte sind unteilbar und universell, kein Mensch, ob schwarz, ob braun … ist besser oder schlechter. Auch Breivik, Hitler und Stalin sind bzw. waren Menschen ganz in diesem Sinne. Anders sieht es mit den Taten der Menschen aus, so dass ich schon der Meinung bin, es gibt gute und schlechte. Aber selbst diese Wertschätzung(!) liegt im Auge des Betrachters und ist nicht mit dem Menschen selbst verknüpft. Was brächte es auch, z. B. „unser aller FDJ-Sekretärin“ als guten Menschen zu loben, nicht einmal deren Politik ist sinnvoller Weise mit Wert einzuschätzen; an Taten kann sie es ja nur deshalb ihrem Image schadlos mangeln lassen, da das System sehr gut auch mit wenigen dieser ihrer selbst arbeitet.

        Es muss aber als gefährlich gelten, Menschen ihre Rechte z. B. aufgrund von Minderwertigkeit abzusprechen, weil so haben alle Kriege – im großen wie im kleinen – angefangen. Deshalb verbietet sich für mich jede Äußerung und ich werde mich bemühen, solche stets zu bekämpfen, die auch nur in die Nähe dessen so z. B. auch durch (un/)beabsichtigte Ironie kommen.

        Opa Kranich, schwing Dich auf zu erhaben, geistiger Größe und korrigiere Deinen Fehler!

      • F. Fischer schreibt:

        Wenn ich Opa richtig verstehe, geht es weniger darum, eine bewusste Gesinnung im Wortlaut zu unterstellen, sondern einen offenkundigen Mangel an Sensibilität oder Menschlichkeit dadurch zu verdeutlichen. Dies ist provokant, unterscheidet sich aber nicht von den vielfachen provokanten Aussagen zu den Verhalten von Merk, Nerlich, Lakotta, Rückert etc.
        Das Wort „menschenverachtend“ ist dabei z.B. häufig genutzt worden, das finde ich nebenbei auch passend. Man könnte auch sagen, dass Herr Mollath als scheinbar „minderwertiger Mensch“ behandelt wird, wenn man ihm z.B. auch heute noch verwirrte Anzeigen an den Papst unterstellt, und das ist noch das harmloseste Beispiel. Überhaupt finde ich, dass es scheint, Herr Mollath werde von gewissen Personen nicht wirklich als „gleichwertiger Mensch“ angesehen. Das mag unbewusst und unideologisch sein, wird aber, wie Opa auch sagt, durch Aussagen und Taten belegt.

      • Dian schreibt:

        Hoppla, da bin ich bei diesem heiklen Thema doch in eine selbst gestellte Falle getappt.
        „Es muss aber als gefährlich gelten, Menschen ihre Rechte z. B. aufgrund von Minderwertigkeit abzusprechen“, ist fraglich, wenn nicht gar falsch. Ich korrigiere zu:
        „Es muss aber als gefährlich gelten, Menschen ihre Rechte z. B. mit der Behauptung von Minderwertigkeit abzusprechen!“

        (Der Blog-Moderator kann in meinem vorangegangen Beitrag gern mit dem richtigen ersetzen! – Und diesen dann „fallen“ lassen.)

      • Fotobiene schreibt:

        Oooooh nein, lieber Opa Kranich.
        SO einfach geht das nicht.
        Nehmen wir mal an, in der Zeitung steht etwas über einen Einbruch in Deinem Nachbarhaus und direkt daneben etwas über einen Einbruch in der X-Straße in Kapstadt/Südafrika. Welchen Artikel liest Du zuerst/überhaupt?
        Logisch, und auch gar nicht verwerflich.
        Du bist Leser, Du bist Markt.
        Ja, ich ärgere mich auch immer wieder über die unterschiedliche Behandlung von Todesopfern, je nach Nationalität, aber der Markt zeigt, wie der Mensch ist – nicht umgekehrt!
        Selbstverständlich sind global denkende Militärstrategen tote Zivilisten in Afghanistan völlig egal, ich wage mich etwas weiter voran: Ihnen sind sogar die EIGENE Bevölkerung total egal!
        Das hat also nichts mit dem alten Nazi-Begriff „minderwertig“ zu tun, sondern es ist der seitdem weiterentwickelte Begriff des „Human Capital“ oder „Human Resources“. Den gibt es in der Wirtschaft auch in Deutschland ganz offiziell, und niemand scheint etwas dabei zu finden!
        Das ist nicht rassistisch, wie Dein Begriff es deuten will, das ist noch viel schlimmer unmenschlich, indem es ALLE Menschen als bloße Ressource oder Kapital begreift!
        Dein Begriff erscheint mir also zum einen als „Nazi-Keule“, die in der öffentlichen Diskussion immer wieder sehr unproduktiv wirkt, zum anderen als inhaltlich einfach nicht zutreffend, am Thema vorbei und quasi „zu klein“.

  17. Eleska Blasius schreibt:

    Hier geht es doch nicht nur darum, sich als intellektueller Schöngeist zu profilieren. Nein,
    allein vorliegende Fakten geben vielmehr Anlass zur kritischen Analyse unseres Rechtssystems;
    das zeigt vor allem das rege Interesse vieler Bürger mit einem ausgeprägten Rechtsempfinden,
    was sich insbesondere in der Causa G.F. Mollath unglaublich, aber unüersehbar darstellt.
    01. Waren es nicht beflissene bayerische Faschisten, die das erste KZ Deutschland´s
    u.v.a.m. für Andersdenkende installierten, um diese einer sogen. „Schutzhaft“ zuzuführen?
    (Übrigens Touristen mit dem Kfz-Kennzeichen „DAH-…“ fühlen sich noch heute im Ausland
    zurecht bedrängt)
    02. Danach die DDR im Endstadium der Verwirklichung eines utopischen Materialismus,
    als Teil des „Sozialistischen LAGERs“ bekannt, beabsichtigte ihre politischen Gegner letzt-
    endlich in „INTERNIERUNGSLAGER“ zu verbringen;
    einschl. Beweise dafür liegen u.a. der GAUCK-Behörde vor; and last but not least …
    03. Sieht die BRD nun evtl. als letzten, als wohl weitestgehend unbelasteten Weg
    – so zu sagen als letzte noch verbliebene Möglichkeit – sich Andersdenkender zu entledigen,
    die Hilfe (Linien-treuer) psychiatrischer Gutachter in Anspruch zu nehmen,
    um diese dann wegzusperren und einer „forensischen Behandlung“ zuzuführen?
    Eigentlich nur ein Wortspiel… wer dabei an was Böses denkt,
    dem sei vor allem die Lektüre von Wolf Schneider empfohlen:
    „WÖRTER MACHEN LEUTE – Magie und Macht der Sprache“
    Eine bedenkliche Entwicklung allemal !

    • Fotobiene schreibt:

      Ich widerspreche entschieden der Darstellung, daß sich die genannten Mechanismen auf Deutschland beschränken, auch wenn Deutschland hier eine besondere Rolle in der Geschichte zukommt.
      Sozialistische Gulags, amerikanische Guantanamos, Palästina… (Historiker haben noch mehr vorzuweisen) – alles dieselben Mechanismen der Macht.
      Eine jeweils historische Rückführung ist natürlich zulässig und und auch in meinen Augen sachlich korrekt, ich bin jedoch der Meinung, daß das Problem nicht ein jeweils nationales, sondern ein allgemein-menschliches ist, dem gerade wegen der Globalisierung auch global begegnet werden sollte.
      Jedoch – um auf den „Fall Mollath“ zurückzukommen: Widerstand beginnt im Kleinen, nicht in einer großen Revolution, die vermutlich wieder zum Scheitern verurteilt ist (s. mein Beitrag weiter oben). Diese Form von Widerstand ist genau, was Mollath tut. Jeder in seinem kleinen Kreis. So „einfach“ wie Wolfgang Borchert: „Sag‘ nein!“
      Wenn sich diese kleinen Kreise dann vernetzen und global wirken, dann können wir vielleicht den Netzwerken der Eliten etwas entgegensetzen.

      • Breitenbach schreibt:

        @Fotobiene, 22. März 2013 um 18:53, weiter oben
        »Du bist Leser, Du bist Markt.« – All das ver­spritz­te Gift nur, weil es wie­der mal nur um den schnö­den Mam­mon geht?

        Doch wem ge­hört die Pres­se? Und wie fi­nan­ziert sie sich?

        Er­stens ge­hört die Pres­se hier­zu­lan­de im We­sent­li­chen den sog. »Big Four« (Sprin­ger, Bau­er, Bur­da, Gru­ner und Jahr). Ein Über­blick über die Jah­res­um­sätze der Bran­che fin­det sich hier:
        http://www.mediatribune.de/medienerloese/umsatzranking-medienunternehmen-erloesentwicklung-der-verlage-2006-2011
        Die Ei­gen­tü­mer be­stim­men nicht nur über die Zu­sam­men­set­zung der Re­dak­tion, son­dern auch über den In­halt des Ge­druck­ten (cf. § 118 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz [BetrVG] – http://www.gesetze-im-internet.de/betrvg/__118.html).
        Die Ka­pi­tal­kon­zen­tra­tion hat – auch welt­weit – schon längst zu ei­ner Pres­se­gleich­schal­tung ge­führt, von der ein Hit­ler nur erst träu­men konn­te (Bsp. Reichs­tags­brand­pro­zeß); so er­zähl­ten uns 10 Jahre lang al­le Zei­tun­gen et­was von nicht‑exi­sten­ten ira­ki­schen »Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen«: et­wa nur weil wir das so hö­ren woll­ten? (Dann hät­te Luther recht ge­habt mit sei­nem Satz: »mun­dus vult de­ci­pia­tur«.) Oder nicht doch viel­leicht, weil wir für den US-Neo­ko­lo­nia­lis­mus ble­chen soll­ten und dies in über­reich­li­chem Maße ja auch ge­tan ha­ben und noch im­mer tun?

        Die Presse fi­nan­ziert sich zwei­tens in er­ster Linie n i c h t über den Ver­kauf, son­dern über be­zahl­te In­se­ra­te. Ei­gent­lich könn­ten alle Blät­ter ko­sten­los ver­teilt wer­den, das wür­de am Pro­fit nichts än­dern. In Köln hat­te dies im Jahr 1999 die Schib­sted-Ver­lags­grup­pe pro­biert, oh­ne zu be­den­ken, daß da­durch die an­ge­spro­che­ne i d e o ­l o ­g i ­s c h e Funk­tion der Pres­se un­ter­höhlt wird. Die­se Ver­lags­grup­pe wur­de da­her von an­de­ren Ver­la­gen mit Ge­richts­ver­fah­ren über­zo­gen und muß­te schließ­lich auf­ge­ben. »Seit dem Köl­ner Zei­tungs­kampf wur­de in Deutsch­land kei­ne Gra­tis-Ta­ges­zei­tung mehr auf den Markt ge­bracht«, heißt es trocken bei ›Wi­ki­pe­dia‹ un­ter dem Stich­wort »Gra­tis­zei­tung«.

        Das Gra­tis-Mo­dell ge­fähr­det das höch­ste Gut der Herr­schen­den – den Glau­bens­satz: »Die Wahr­heit er­fährt man aus der Pres­se« -, weil hier wie über­all gleich­zei­tig der Satz gilt: »Was nichts ko­stet, ist nichts wert.« An­ders for­mu­liert: nur wer Geld für ei­ne Zei­tung hin­blät­tert, wird im Sin­ne der Fe­stin­ger­schen Auf­wands­recht­fer­ti­gung auch durch­schnitt­lich ge­neigt sein, sich ih­ren In­halt zu Ge­mü­te zu füh­ren.

        Die ideo­lo­gi­sche Funk­tion der Pres­se be­steht in ei­ner den Herr­schen­den gün­sti­gen Se­lek­tion von Me­men. Im Staats­dienst be­find­li­che Psy­cho­lo­gen (sog. spin doc­tors) über­prü­fen da­bei ih­re psy­cho­lo­gi­sche Wir­kung im Sin­ne der sog. Me­dian­ver­schie­bung (ein Lehr­stück da­zu aus der Fe­der von Vi­via­na Rei­ter in der letz­ten Aus­ga­be der KET­ZER­BRIE­FE; http://ahriman.com/ketzerbriefe/kb179.htm).

  18. BB7 schreibt:

    Hallo zusammen,

    ich möchte den von F. Fischer eingebrachten Gedanken von den zwei Ebenen aufgreifen. Die Ebene 2004 bis 2006 als hauptsächlicher – ‚Juristen und Psychiatrie-Skandal‘ – ist inzwischen in wesentlichen Teilen beleuchtet und damit ist die Chance einer Aufarbeitung gegeben. Wie an anderer Stelle bereits gesagt hoffe ich überaus sehr dass es gelingt kriminelles Handeln als solches zu überführen und zu bestrafen.

    Aber dann, F. Fischer sagt: „’Der zweite Skandal geht viel tiefer, er hat Ursachen in und Auswirkungen auf die Gesellschaft und der Fall Mollath ist nicht Kern sondern Auslöser der Offenbarung dieser Missstände.’“ und er zeigt „’die Verkommenheit von hoher Politik, Justiz und großen Medien.’“

    Gerade die ‚Organe‘ die zum Schutz der Schwächeren in der Gesellschaft berufen sind tun hier offenbar des genaue Gegenteil !!! und warum ??? doch offenbar wie oben von Pachulke weiter oben erläutert wiedermal nur wegen MACHT und MAMMON. –

    Ach ja, – bei dem Gedanken „Finanzjongleure“ in öffentlichen „Ämtern“ — da kommt mir ein „Gleichnis“ in den Sinn:

    – Sie bekommen Besuch, ihr Besucher will ihnen eine ‚Scheune‘ verkaufen, – eine schöne Scheune – mit frisch gestrichenem Tor. – Nun gut die Scheune ist baufällig – und steht in einer „schwierigen“ Gegend – aber sie hat ein schönes frisch gestrichenes Tor!
    Ist die Scheune denn billig ? – nein eher sogar teuer, – wieso? – wegen dem vielen Weizen darin, ah ja? – gehört der Weizen denn auch zur Kaufsache dazu? – nein nein! Der gehört den Kumpels des Verkäufers, also Boris und Nikolai und Iwan u …
    Sie sagen: ‚Nein sie brauchen die Scheune nicht! Sie haben Scheunen genug und sowieso – das wird nichts! Aber der Verkäufer lässt nicht locker, – sie können ihn doch jetzt nicht hängen lassen! dass geht doch nicht! nein nein — ja wieso denn nicht? ??? was ist denn so besonders an seiner Scheune? die er unbedingt verkaufen will??? ja sie müssten doch eine Beziehung haben – zu diesem Weizen – in der Scheune – zu dem Weizen – das ist doch der Weizen – den die Kumpels seit Jahr und Tag bei IHNEN gestohlen haben.

    Was würden Sie nun sagen wenn Sie ähnlich wie ich, der Überzeugung sind, dass Schwarzgeld zum wesentlichen Teil von den ehrlichen Steuerzahlern gestohlen ist und Sie Anatoljewitsch Medwedew hießen würden, – und ihr Besuch wäre der Finanzminister von Zypern???

  19. Harry Heine schreibt:

    @Opa @Biene u.a.

    Den Opa-Sarkasmus fand ich berechtigt. Mensch-Sein ist universal. Global. Planetarisch. Antagonistisch dazu besonders deutsche Faschisten: deren 25 Punkte-Programm (1920) definierte „Deutsche“ nach´m Blut. Ius sanguinis:

    „Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.“ (Punkt 4)

    Die sich um Herrn Hitler, letzter Deutscher Reichskanzler, scharten nannten sich „Nationalsozialisten“. Sie benutzen faschistische Ausdrücke wie Untermenschen. Oder Defektmenschen.

    Heine, 22. März 2013.

  20. kranich05 schreibt:

    @ Fotobiene, Heine und alle
    Zu all den angeführten verwickelten Gesichtspunkten/Zusammenhängen von national und allgemein menschlich, von „Nazikeule“ damals und „human capital“ heute, von konkretem Fall Mollath und großer weiter Welt, zu all dem fällt mir ein, daß es da einen verrückt geschürzten Knoten gibt, der „irgendwie“ alles enthält: Die Vernichtung „lebensunwerten Lebens“, also zwangspsychiatrisierten Lebens durch die deutschen Faschisten.

    • Fotobiene schreibt:

      Nein, da fühle ich mich grundlegend mißverstanden.
      „Lebensunwertes Leben“ (das aus rassistischen und wirtschaftlichen Gründen „störte“ und „vernichtet“ werden sollte) war etwas grundlegend anderes als das heutige „Human Capital“ ( das ein immerhin verwendbares Kapital ist!).
      Letzteres hat nichts mit deutschen Faschisten zu tun, sondern ist weltweit verbreitet, z.B. auch in China (Wanderarbeiter).
      Auch der Begriff „Nazikeule“ ist kein damaliger, mithin völlig von Dir mißverstanden, denke ich, s.a.
      http://www.wikimannia.org/Nazikeule

      • kranich05 schreibt:

        Mir scheint, das Gemeinsame von „lebensunwertem Leben“ und „human capital“ ist die Reduktion des Menschen auf einen Kostenfaktor bzw. Kapital.

        • Fotobiene schreibt:

          Ja, das könnte das gemeinsame Grundprinzip sein.
          Damals unter dem angeblich „positiven“ Vorzeichen (damals populistische Verschleierung) „Volksgesundheit“ – heute unter (der heute populistischen Verschleierung) „Wirtschaftlichkeit“, „Terrorbekämpfung“, „humanitäre Katastrophe“, „Völkermord“ („Hufeisenplan“) oder – wenn’s gar nicht mehr anders geht: „Kollateralschaden“.

      • Dian schreibt:

        Na bitte, da kommen wir zu guter Letzt sogar noch auf die (materialistischen) Grundlagen unserer Gesellschaft, die ihr Primat zumindest in marxistischer Begrifflichkeit treffender Weise in ihrer Bezeichnung führt (im doppelten Sinn). Selbst die verbrämende Sichtweise einer „sozialen Marktwirtschaft“ apostrophiert lediglich die Resource Mensch und erklärt das eigentlich Bestimmende wie zur Bekräftigung durch doppelte Worte. Wohl weil es keinen wirklich „sozialen Markt“ und auch keine ebensolche Wirtschaft gibt, wurde aus diesen beiden etwas ebenso unreales zur Bezeichnung vielleicht eines vermeintlichen „Kapitalismus mit menschlichem Antlitz“ geschaffen, der er – wenn überhaupt – vielleicht aufgrund der Gegenwart des Pendants in größerem Umfang für eine kurze Zeit und auch nur in den „führenden“ Industrienationen war. Nicht erst seit heute verzerrt sich nunmehr auch in unserem Land das „Antlitz“ mehr und mehr zur Fratze.

        „Sozialen Markt“ könnte man z. B. mit Ironie die Tatsache nennen, dass es in unserem Land gesetzliche Pflicht zum Verkauf der Arbeitskraft für einen Euro je Stunde gibt, nur das dies eben gerade damit gar kein Markt ist, wo Angebot und Nachfrage etwas ausrichten.

        Ein Menschenleben scheint vielen Entmenschlichten oftmals noch weniger als ’nen Euro wert, manchmal gar nichts, nicht einmal der Beachtung, erst recht nicht der Erwähnung – wie wahr, liebe Mitmenschen.

  21. kranich05 schreibt:

    Übrigens bei KenFM ein hochinteressantes Gespräch mit Hans-Jürgen Krymanski
    http://www.kenfm.de/wordpress/2013/03/15/hansjurgen-krysmanski1/
    Es geht in Vielem über unsere Diskussion hinaus und paßt in Anderem genau dazu.
    Den 2. Teil anzuhören schaffe ich heute aber nicht mehr.

    Allen ein schöner Gruß zur Nacht!

  22. Harry Heine schreibt:

    @kranich05 schreibt 22. März 2013 um 21:23

    Da kann ich folgen. Was das Allgemeine betrifft. Die Differentia Specifica, mit der Fotobiene Probleme hat, das Delta, besteht in der Form: bei den Nazis ideologisch überwölbt. Im gewöhnlichen (Manager-Finanz-) Kapitalismus darin, ob´s sich rechnet.

    Nicht unwichtig: Dr. Strate netzveröffentliche vorhin den Wiederaufnahmeantrag der Regensburger Staatsanwaltschaft http://www.strate.net/de/dokumentation/Mollath-Wiederaufnahmeantrag-StA-Regensburg-2013-03-18.pdf (~ 90 MB).

    Bedankt für diese bürgerrechtliche Tat.

  23. kranich05 schreibt:

    Herr Stölzel, ich finde es unangemessen, daß sie „mit Schaum vor dem Mund“ antworten (Kommentar vom 23.3. 12:09 hier:https://opablog.net/2013/03/21/volkisch-zum-wohle-mollaths-und-aller-deutschen-gegen-einen-wiederbelebten-irrweg/#comment-1382). Ich habe mich um eine differenzierte Argumentation bemüht und Pauschalwertungen vermieden. Einige Kommentatoren haben bestätigt, daß sei gelungen. Richtig ist, daß ich auf Ihre umfänglichen Darlegungen zur Staatslegitimität nicht eingegangen bin. Mir scheint, das haben andere Kommentatoren ausreichend gemacht und zwar besser als ich es könnte und auch mit mehr Aufwand, als ich Lust habe in dieser Hinsicht zu betreiben. Andere ebenfalls von Ihnen aufgeworfene Fragen waren mir wichtiger. Mit denen habe ich mich beschäftigt aber darauf sind Sie leider gar nicht eingegangen. Ich muß vermuten, daß Sie es nicht können oder nicht wollen. Mir scheint, daß die Schärfe, die unser Streit jetzt angenommen hat, Ausdruck dafür ist, daß wir zum Kern vorgedrungen sind. Unsere Positionen sind kenntlich geworden und sie sind gegensätzlich.
    Guten Abend.

  24. Pingback: Querfrontkritik – ein Gastbeitrag von Richard Albrecht | opablog

  25. Mittlerweile bekommt das Zitat und die Sachverhaltsbeschreibung von SPD-Chef Sigmar Gabriel vom 12.04.2011 auf PHOENIX durch den „Fall Mollath“ eine ganz besondere Bedeutung:

    Das Zitat von S. Gabriel als Videoausschnitt
    hier http://youtu.be/JR-9P9FeW5Q

    Es dürfte nun eine Stellungnahme des Herrn Franz Schindler, dem bayrischen SPD-Politiker und Vorsitzenden des Rechtsssausschnuss im Bayerischen Landtag über seinen SPD-Parteivorsitzendenden von Vorteil sein. Denn dieses Zitat von Sigmar Gabriel macht deutlich, wie Politiker sogar – parteiübergreifend – die Psychiatrisierung (mit Geheimakten) benutzten, um bestehende Gesetze zu umgehen um vermeintlich „ehrenvolle“ Ziele zu erreichen !!

    Interessant auch, dass Nikolaus Blome (BILD) bis heute zu dem Zitat von Sigmar Gabriel geschwiegen hat…

    • kranich05 schreibt:

      Ich werde hier im Blog nicht die Diskussion des Solarkritikers führen. Die verlinkte Aussage von Gabriel ist aber in der Tat höchst bedenklich. (Es beruhigt wenig, daß es hier (wie stets!) natürlich um das Beste für den/die Betroffenen geht.)

  26. Caos schreibt:

    Wenn einer meint der Fall Mollath sei ein Einzelfall der irrt gewaltig.
    Ich möchte nicht Wissen was da gewisse Leute im Siegerland ihr Unwesen treiben.

  27. Caos schreibt:

    Genau richtig, das ist noch nicht mal die Spitze des Eisbergs. Unsere Elite hat das schon drauf. Napoleon hat mit seinem Spruch über die Deutschen vollkommen recht. Op in Bayern oder dem Siegerland überall Operative Psychologie.

  28. BB7 schreibt:

    Das ist ja wirklich beachtlich, W I E und was der Herr Gabriel da sagt !!

    klar, – anderer Fall, – und nur zum S c h u t z ! – – das wirft ein Schlaglicht auf die Situation dessen, der als n i c h t ‚Schutzwürdig‘ eingestuft wurde.

    Da ist es wirklich geboten eine Verbindung zum Interview mit Herrn Schindler zu knüpfen, welches in der Kolumne von Ursula Perm diskutiert wurde.

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