Vom Rechtsstaat und vom Kreisen (3)

* Allerleirauh *

Im Festsaal der Mächtigen wird gespeist, man unterhält sich köstlich, bald wird getanzt.

Die Scharen der dienstbaren Geister bewegen sich voll Eifer. Die Vielen in ihren Livreen verschiedenster Farbe, mit ihren Uniform- und Ehrenzeichenen verschiedensten Ranges, wenden unbeirrt ihre Buckel gen Oben und treten fest auf den Boden unter ihnen. Ein Jeder ist gesättigt von Kompetenz und hungrig vor Leistungsgier.

In der Küche schleppt Allerleirauh Holz und Wasser, sie putzt das Gemüse, sie kehrt die Asche und schrubbt die Dielen, 16 Stunden am Tag. Sie ist geduldig wie Eine und ehrbar wie Keine. Wie im Märchen. Allerleirauh gibt sich nicht auf. Sie bringt ihr geheimes Wissen an den Tag. Sie stellt sich den Mächtigen gleich. Und in Vergnügen geht die Geschichte aus.

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In den Residenzen der Superreichen haben sich die Sternenköche übertroffen. Mindestens Barenboim spielt zum Tanz. Die Medienfürstin, der Vielsternegeneral, die Politikerin verstehen sich fast ohne Worte.

Die Heere der dienstbaren Geister, zu jedem Sprung bereit, relaxt bis in die Knochen, ziehen die endlose Premiere des TINA-Balletts durch. Die unzählig vielen PolitikerInnen, JuristInnen, PsychiaterInnen, JournalistInnen, OffizierInnen, GeheimagentInnen, Showmaster- und FußballerInnen in ihren Livreen verschiedenster Farbe, mit ihren Uniform- und Ehrenzeichenen verschiedensten Ranges, wenden unbeirrt ihre Buckel gen Oben und treten fest nach unten.

In den Hallen und Büros rackern tausend Allerleirauh bis zum Borderline, dösen vor dem Fernseher, 16 Stunden am Tag. Sie sind geduldig; bis auf Einige, die im Internet die Augen und dann auch den Mund aufmachen. Das ist kein Märchen. Mühsam schieben sie Müll beiseite und sammeln Bausteinchen für Bausteinchen. Es erscheint aussichtslos aber sie geben nicht auf. Manch verborgenes Wissen kommt an den Tag. Nun liegt es auf dem Marktplatz. – Und vertrocknet in der Sonne? Wie, bitte sehr, stellt man sich den Mächtigen gleich? Und was ist zu tun, damit die Geschichte mit Vergnügen ausgeht?

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2 Antworten zu Vom Rechtsstaat und vom Kreisen (3)

  1. fassungsloser Durchschnittsbürger schreibt:

    Ein wunderschönes, witziges und poetisches Gleichnis, trotz aller realen Bezüge. Treffender kann man unsere soziale Wirklichkeit und die Spaltung unserer Gesellschaft nicht umschreiben.

    „There Is No Alternative“: Ich denke, Sie kennen die Fortsetzung des TINA-Märchens schon und bin gespannt, wie die Alternative Ihrer Meinung nach aussehen könnte. Ist es die Gleichstellung mit den Mächtigen? Oder reicht es aus, die Zusammenhänge bewusst zu machen und zu benennen, um alles wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen zu lassen?

    Wenn ich mich recht entsinne, war die geheime Macht des Rumpelstilzchens auf einen Schlag gebrochen, als die Königin Rumpelstilzchen beim Namen nannte.

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