Zensur im opablog?

Gibt es nicht.

„Redaktionelle Bewertung“ der Kommentare mit anschließendem Schubs in den Papierkorb?

Gab es nicht. Immerhin betreibe ich dieses Blog seit 2005 (schnell bißchen Eigenwerbung. Das alte opablog ist immer noch verfügbar). Kommentiert wurde über lange Strecken wenig. Wenige Male habe ich in all den Jahren Kommentare ‚rausgeschmissen. Dabei ging es, soweit ich mich erinnere, ausschließlich um das, was „Hasbara“ genannt wird, also um Vorwürfe des Antisemitismus an mich, der ich ein strikter Gegner des jüdischen Nationalismus=Zionismus bin. (Beispielsweise habe ich das Buch von Ilan Pappe „Die ethnische Säuberung Palästinas“ ausführlich im Blog vorgestellt und natürlich positiv kommentiert.)

Die Kommentarhäufigkeit hat in letzter Zeit im Zusammenhang mit dem Fall Mollath sehr zugenommen. Das sehe ich gern. Und natürlich gehe ich in keiner Weise gegen Kommentare deshalb vor, weil diese von mir abweichende Positionen vertreten (versteht sich, soweit diese nicht extremistisch sind). Es gibt jedoch Kommentatoren, die nur sehr lose an das Ausgangsposting anknüpfen, um dann mittels Quantität/Intensität ihrer Wortmeldungen, die Diskussion auf andere Gleise zu schieben. Dann geht es plötzlich nicht mehr um Mollath, sondern um Heindl. Ich maße mir gar nicht an, zu bewerten, ob diese „anderen Gleise“ der Diskussion berechtigt sind oder nicht, mir genügt es, daß ich diese „Kurve“, um nicht zu sagen „Umpolung“ der Diskussion im hier gegebene Zusammenhang ablehne. Deshalb wandern solche Wortmeldungen in den Papierkorb.

Und ein zweites Problem habe ich mit Kommentaren, nämlich dann, wenn sich in ein und demselben Kommentar nebeneinander Unqualifiziertes und Qualifiziertes findet. Dann ist die Entscheidung schwierig. Direkte Hinweise an solche Kommentatoren werden oft ignoriert. Und mir fehlen Zeit und Lust in solchen Fällen immer wieder ausufernde Erklärungen zu geben und Diskussionen zu führen. (Man könnte natürlich sagen, daß ich doch eine moralische Verantwortung habe, Letzteres zu tun. Ja, aber wo liegen die Grenzen? Ursprünglich ist das Blog eine private Angelegenheit. Faktisch und im besten Falle wird es doch mehr, wird zu sozialen, gar politischen Angelegenheit. Spannende Frage.) Auch da rückt der Papierkorb näher. Mit dem gelegentlichen Vorwurf der Zensur werde ich wohl leben müssen.

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