Turmbau zu Babel

Miniatur im Präviarium Grimani

Zu meiner kindlichen christlichen Bildung gehörte auch die Geschichte vom Turmbau zu Babel. Wie andere Erzählungen gefiel mir auch diese, konnte ich aber den Schluss auch dieser Geschichte nicht akzeptieren. Warum sollte der Bau eines möglichst hohen Turmes sündhaft ein? Warum konnte man nach seiner Beschädigung nicht neu und besser bauen? Wieso stellen verschiedene Sprachen ein unüberwindliches Hindernis dar.

Die Geschichte vom Turmbau lagerte sich in meinem Gedächtnis ab, wurde Teil meiner Sammlung christlichen Erzählguts mit zweifelhafter Überzeugungskraft. Die Jahre vergingen, die Jahrzehnte. Um die Glaubwürdigkeit des Glaubens ging es schon lange nicht mehr. Doch mit der Zeit konnte die Wahrhaftigkeit von Mythen interessieren.

Wenn ich mir heute vor Augen halte, wie die Sozialisten und Kommunisten über ihren Turm „Realsozialismus“ streiten (oder über den Turm „Stalinismus“), denke ich an die alte Geschichte aus der Bibel. „Gar nicht so dumm, die Geschichte“, muß ich zugeben. Aber auf meinen ungläubigen kindlichen Fragen beharre ich trotzdem.

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Die Abbildung ist eine Miniatur (Präviarium Grimani, 1508-1519) aus der Markus – Bibliothek in Venedig.

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