Wenn ein Leben zu Ende geht

Du erhältst die Nachricht dein Freund, deine Freundin leide an einer schweren Krankheit; die schon weit fortgeschritten ist oder zu spät erkannt wurde. Er oder sie habe nur noch wenige Monate zu leben. Der Schreck durchzuckt dich. Plötzlich wird das sehr greifbar, woran du nur selten denkst und wenn, dann flüchtig denkst. Du fasst dich wieder. Auch Monate sind doch eine lange Zeit, sagst du zu deinem Trost. Ihr werdet jeden Moment der Gegenwart  intensiv durchleben. Die Gegenwart absolut nehmen. Im Grunde ist jeder Augenblick unendlich… kann nicht erschöpft werden… kann unendlich ausgeschöpft werden. Die Wochen vergehen unerbittlich. Eure Kommunikation ist zeitweilig intensiver geworden. Was heißt, ihr habt Leben getauscht. Vielleicht hörst du den Schwanengesang deines Freundes, deiner Freundin? Seine, ihre Botschaften werden seltener, sie werden kürzer. Sie bleiben wochenlang aus. Es rückt die Stille vor. Vielleicht wird die Stille undurchdringlich (du weißt, dass Monate seit der ersten Nachricht vergangen sind). Vielleicht wird sie noch einmal durch einen Abschiedsbrief unterbrochen. Nun dauert die Stille. Er (oder sie) und du, ihr seid beide von der Stille umschlossen. Du mußt es aushalten. Du bist ein Närrchen, wenn du jetzt Lärm machst… Du hörst ein Wispern, eine einzelne kleine Stimme, ein Gemurmel. Deine Stille geht zu Ende. Das ist das Leben, das sich zögernd wieder meldet. Es nimmt dich mit. Auch seine/ihre Stille ist zu Ende gegangen, sie ist ins NICHTS geglitten, hat sich unwiederbringlich aufgelöst, wie die Schneeflocke im Meer. Da ist einfach kein Leben mehr zu tauschen. Aber Leben deines Freundes, deiner Freundin ist in dir aufgehoben. Ein wenig wundersam ist es schon, wie dein Leben dir erlaubt, weiterhin dieses Leben zu tauschen. Nicht ohne Frohsinn. Und ohne Wahn, weder den schreckenden noch den tröstenden.

Das Leben meiner Bloggerfreundin „alte Eule“ geht zu Ende.

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