Demütigung im Jobcenter

Die Mitarbeiterin einer Wohnungslosenhilfe-Einrichtung schreibt über die Situation ihrer KlientInnen in den Jobcentern:

„Heute habe ich wieder einmal erlebt, wie die Dame in der Eingangszone des Jobcenters mit den Wohnungslosen umgeht. Sie hat den jungen Mann, meinen Klienten, regelrecht vollgeschnauzt, ihm Vorwürfe gemacht, dass er den Termin verbaselt habe, er sei doch 34 Jahre alt, da müsse man doch ….Sie hat keine Ahnung, warum er hier ist. Aber das ist ihr egal.
Sie sitzt erhöht hinter dem Tresen, der viel zu hoch ist und kleine Menschen müssen sich recken, um darüber sehen zu können. Sie sagt nicht „guten Tag“ sondern: „Was wollen Sie hier?“. Sie verhält sich so, als hätte sie die Machtbefugnis, darüber zu entscheiden, wer hier überhaupt eingelassen wird. Die Leute, die hier hin gehen müssen, fühlen sich schlecht. Man sieht es, wie sie in der Schlange warten: verängstigt, ganz klein gemacht, still, ausgeliefert. Und es gibt dafür gute Gründe. Im Jobcenter wird ihnen nur eins vermittelt: Sie sind selber schuld an ihrer Situation, sie haben alles falsch gemacht. Und jetzt hätten sie sich deshalb, verdammt noch mal, auch zusammenzureißen. Die MitarbeiterInnen maßen sich an, die Wohnungslosen zu beschimpfen, zurechtzuweisen, zu strafen und zu erziehen wie kleine Kinder. Aber offenbar dürfen sie das. Niemand hat hier Interesse an den Menschen. Die Lage des Einzelfalls – wie es in den Vorschriften heißt – ist allen gleich.“

Ich danke den Freunden vom „Unabhängigen Forum kritische Soziale Arbeit“ (UFo, Webseite „einmischen.com“) für die Erlaubnis,  den vorstehenden Bericht ungekürzt zu übernehmen. Bezug nehmend auf den heutigen tragischen Vorfall im Jobcenter Neuss schreibt die Redakteurin:„Ich mache nicht die Angegriffene selber verantwortlich für diesen Gewaltausbruch, sondern das System, das so einen Umgang mit Menschen in unserer Gesellschaft zulässt, das so etwas duldet, das so etwas vermutlich auch gezielt herstellt.“ 

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