Freiheitsrechte, wie schön!

Als mit der Abschaffung der DDR die sozialen Rechte abgeschafft wurden (ich berichtete), gingen wir nicht leer aus. Wir gewannen bürgerliche Freiheitsrechte.

– – – Einschub: Ich erspare mir die feinsinnige Differenzierung von Rechten auf dem Papier („leeres Wort“) und wirklichen Rechten. Auch im Kapitalismus sind soziale Rechte auf irgendwelchen geduldigen Papieren erklärt, und umgekehrt waren auch im Realsozialismus die bürgerlichen Freiheiten festgeschrieben. Geschenkt! – – –

Was wir gewannen, das sei ohne alle Ironie festgestellt, ist nicht wenig: Es ist die in ziemlich weitem Rahmen gesicherte Freiheit, sich öffentlich nach eigener Willkür zu äußern. Der Mensch ist nun einmal Individuum. Sein Wesen mag noch so tiefgründig als „Ensemble gesellschaftlicher Verhältnisse“ begriffen werden, die Person bleibt einzelne. Sie bleibt es so sehr, daß die ganze Welt (nämlich ihre individuelle) mit ihr lebt und mit ihr stirbt. All diese „Ensembles“, die mit anderen „Ensembles“ kommunizieren und kooperieren, tun das nur nach Maßgaben, die durch ihre sehr begrenzten und verletzlichen und doch sehr lebendigen Köpfe, diese nicht zuletzt physischen Organe, durchgegangen sind.

– – – Einschub: Die herrschende marxistische Weltanschauung hat sich konsequent geweigert und allen Versuchen widersetzt, sich diesen Problemen im Sinne einer marxistischen Anthropologie zu stellen. Die Kritische Psychologie wirkte zwar als eine Art Korrektiv war aber nur ein Leichtgewicht gegenüber dem realsozialistischen Blei. So blieb der Marxismus-Leninismus theoretisch blind und der Realsozialismus politisch taub gegenüber dem unaufhaltsamen individualistischen „Ameisenleben“ seiner so gutwilligen Bürger.  – – –

Die Menschheit denkt aus Individuellem, und das menschliche Individuum hat – wie auch immer – Freiheit und hat sie immer gehabt. So what!

Die bürgerlichen Freiheitsrechte sind eine Existenzform der menschlichen Wesen, des Menschenwesens. Vielleicht sind die bürgerlichen Freiheitsrechte unserer realkapitalistischen Wirklichkeit aber zugleich eine Gefährdungsform und oft genug Vernichtungsform menschlicher Wesen? In den individuellen Freiheitsrechten steckt ein Widerspruch, ein Stachel, ein Dilemma. Wir kommen nicht umhin, den Januskopf des Individualismus zu betrachten.

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