Faschismuskonzept

Allmählich kommt die Krise. Nicht diese und jene, sondern die Existenzkrise. Sie baut sich langsam, Jahr um Jahr, auf. Die Imperialisten, gemeint sind diejenigen, die in diesem System die Macht haben und in die Zukunft blicken, sehen das mit kaltem Blut. Es ist nicht die erste Existenzkrise, der sie sich stellen. (Sie konnten und können immer und überall Feinde identifizieren und auch Todfeinde sind stets präsent.)

Wenn es um Sein oder Nichtsein geht, muss Herrschaft als direkte Aktion funktionieren können (obwohl man einen Teufel tun wird, auf jederlei demokratisches Moment zu verzichten).

In der Krise werden viele Menschen unzufrieden. Immer mehr beginnen sich störrisch zu verhalten. Es beginnt die Phase, in der rechtsstaatliche Routine (Polizei) allein nicht mehr effizient genug ist, sondern zunehmend Bürger (Zivilisten, Aktivisten, „Ehrenamtliche“) gegen die Protestierenden eingesetzt werden. Dafür greift seit eh und je jede Regierung auf den Mob zurück.

Das Neue am deutschen Faschismus war nicht zuletzt die äußerst schlagkräftige und disziplinierte Organisierung des Mobs und seine zeitweilige Verschmelzung mit (oder Einbettung in?) eigentlich nicht zum Mob gehörende(n) Schichten. Mit der straff organisierten SA und SS war das spontane (darum mitunter riskante) Element des Mobs unter Kontrolle und ein zuverlässiges Instrument der systematischen, auch präventiven Liquidierung der bürgerlichen Demokratie verfügbar. Der Zyklus der historischen Ereignisse – Altonaer Blutsonntag – v. Papensche Notverordnung/Absetzung der Regierung Preußens – Machtübertragung an Hitler – darf klassisch genannt werden. Erhellende Darstellung dieser Ereignisse durch Manfred Weißbecker hier.

Ich wage die Vermutung, daß Menschen, die mit Macht zweckmäßig umgehen müssen, diese Ereignisse gründlich studiert und ausgewertet haben (und ebenso die Tatsachen des späteren „aus dem Ruder Laufens“ des Hitlerfaschismus). Etliche Schlussfolgerungen liegen auf der Hand: Ein bestimmtes Maß faschistischer Basis- oder Elementarorganisation ist unverzichtbarer Bestandteil unseres bürgerlich-demokratischen Staatswesens. Wir müssen jederzeit die Kontrolle über diese(s) Organisationsgebilde ausüben. Wir setzen Kräfte aus diesem Feld gelegentlich zielgerichtet ein, auch wenn ihre Hauptfunktion diejenige einer Reserve ist. (Das Progrom von Rostock-Lichtenhagen war ein Beispiel des punktuellen Einsatzes.)

Heute erleben wir manche Modifizierung (jedoch nicht Außerkraftsetzung!) historischer Erkenntnisse: Der „übliche“ Krieg verändert nachhaltig sein Gesicht. (Einige Betrachtungen dazu habe ich hier verlinkt.) Die zielgerichtete Beeinflussung sozialer Prozesse wird in hohem Tempo perfektioniert. Ihre massenmediale Steuerung, die ja bereits ein alter Hut ist, wird (trotz einer gewissen Gegenwehr z. B. im Internet) immer noch durchschlagender. Es nimmt zu die erfolgreiche Implementierung vorab modellierter komplexer sozialer Vorgänge in die Wirklichkeit. Das erlebten wir in Libyen, besonders umkämpft ist es derzeit in Syrien (Update 21.7.: Voltairenet zum aktuellsten Stand!). Eine wachsende Rolle spielen Geheime Spezialkräfte in Kooperation mit Wiedergängern der SA- und SS-Banden (sowie Formen der Fremdenlegion). Die für alle diese Zwecke eingesetzten Geldmittel sind unerschöpflich. Es wird eine Fülle faschistischer Vorgehensweisen praktiziert, jedoch ohne den Faschismus zum Selbstzweck zu erheben. Im Gegenteil, die  bürgerlich-demokratische Rhetorik wird intensiv gepflegt und weiter entwickelt (wobei es zu Kurzschlüssen mit faschistischen Positionen kommt – „Ich freu‘ mich über den Mord an XYZ.“).

Zusammengefasst: Ich beobachte die Durchsetzung eines in ständiger Entwicklung und Modifikation befindlichen Faschismuskonzepts, das den Imperialismus für die entscheidenden Kämpfe (die er fest im Blick hat, nämlich gegen seine Weltantagonisten China/Russland) fit macht. Im Innern der imperialistischen Gesellschaften gibt es keine nennenswerte Gegenwehr. Die parlamentarischen Linken in den imperialistischen Hauptländern sind (teils ohne es zu merken) gekaufte Affen des Systems (was natürlich nicht auf jede(n) Einzelne(n) zutrifft). Fast ausgerottet ist der Gedanke an fundamentale Gegenwehr. Dass sie unmöglich sei, behaupte ich nicht.

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