Geheimpolitik. Vor 50 Jahren Kuba. Heute immer noch Kuba und Libyen und Syrien.

Als die kubanisch-amerikanischen Eindringlinge zwischen 17. Und 19. April 1961 in der Schweinebucht verdroschen wurden, verloren die führenden Politiker der USA mit J. F. Kennedy an der Spitze keinen Tag Zeit, die nächste Intervention vorzubereiten und zwar gründlich. Das streng geheime Memorandum von Verteidigungsminister McNamara über die künftige Politik der US-Regierung gegenüber Kuba an den Chef des US-Generalstabs Lyman Lemnitzer ist vom 20. April 1961 und hat diesen, nach 50 Jahren veröffentlichten, Wortlaut:

 „Der Präsident hat verlangt, daß das Verteidigungsministerium einen Plan entwickelt für den Sturz der Regierung Castro durch die Anwendung militärischer Gewalt der Vereinigten Staaten. Der Plan sollte einschließen:

1. eine Einschätzung der Stärke der kubanischen Streitkräfte,

2. eine Einschätzung des voraussichtlichen Verhaltens der kubanischen Zivilbevölkerung während der Militäraktion,

3. eine Analyse von Alternativprogrammen für das Erreichen dieses Ziels; z.B. eine vollständige Blockade zu Wasser und in der Luft im Vergleich zu einer bewaffneten Invasion,

4. Für das empfohlene Programm:

a. eine detaillierte Aufstellung der nötigen US-Streitkräfte,

b. eine Zeittafel und Beschreibung der besonderen Aktionen, die für nötig gehalten werden, um das Ziel zu erreichen,

c. eine Schätzung der möglichen Opfer der USA und Kubas,

d. eine Schätzung der erforderlichen Zeit für das Gelingen der Aktion,

e. eine Liste der Eventualitäten, auf die wir während der Aktion vorbereitet sein sollten,

f. eine detaillierte Auflistung der aktionsfähigen Luft-, Boden- und Seestreitkräfte, die während der Zeit der Kuba-Operation in anderen Teilen der Welt verfügbar sind, und eine Einschätzung, in welchem Maße diese Kräfte potentielle militärische Konflikte in Laos, Südvietnam und Berlin bewältigen könnten.

Die Anforderung dieser Studie sollte nicht als Zeichen dafür interpretiert werden, daß eine US-Militäraktion gegen Kuba wahrscheinlich ist.

Bis wann könnte ich einen Entwurf Ihres Berichts über diese Sache erhalten?

Robert S. McNamara.“

Neun Tage später war das angeforderte Dokument ausgearbeitet und wurde Präsident Kennedy übergeben. Da dieser sich nicht um alles gleichzeitig kümmern konnte, z. B. hatte er an der Universität in Seattle eine Vorlesung über Freiheit und Menschenrechte zu halten, beauftragte er seinen Bruder Robert Kennedy, Goodwin sowie General Edward Lansdale mit den weiteren Arbeiten zur Umsetzung des Interventionsprogramms.

Alle diese (und weitere) Informationen und Zusammenhänge hat in einem großen Artikel Horst Schäfer in der „jungen Welt“ aufbereitet, den ich hiermit dringend der Lektüre empfehle.

Vor uns liegt ein Originaldokument, das so klar und einfach und klassisch kein  Verschwörungstheoretiker wagen würde, sich auszumalen.

Wer um keinen Preis aus der Geschichte lernen will, der sagt jetzt: „Ja damals!“ und: „Vergangenheit kann nie ein Beweis dafür sein, dass solches heute noch stattfindet.“

Richtig. Die Beweise für heute werden uns bestenfalls in 50 Jahren zugänglich. Heute braucht es geschichtliches Wissen und Kenntnis der öffentlich vorliegenden Konzepte (etwa Brzezinskis „Großes Schachbrett“) sowie Einzelinformationen/Indizien und schließlich den Mut zur Urteilsbildung, um hinter dem Menschenrechts- und Zivilistenschutzgetöse die Handschrift des Imperiums, seine Interessen und seine eiserne Faust zu erkennen.

Übrigens, die merkwürdige amerikanische Gepflogenheit, nach 50 Jahren, das eine oder andere Stück schmutzige Geheimwäsche an die Öffentlichkeit zu bringen, die gibt‘s  in Sauberland, äh, Deutschland natürlich nicht. Dort werden alte Akten rechtzeitig („bedauerlicherweise“, sagt man dann den Aufklärern) entsorgt.

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