Heizen mit Holz – gestern, heute, morgen – und nun eine etwas andere Sicht

Zunächst einige Ergänzungen bzw. Präzisierungen zu den beiden vorangegangenen Postings.

* Unser Holzverbrauch pro Jahr, den ich bisher immer mit etwa 7 Rm angegeben hatte, stieg in dem langen, kalten Winter 2010/2011 auf etwa 8,5 Rm. Das ist der Gesamtheizbedarf für unser Haus, ein Blockhaus mit 90 qm Wohnfläche.

* Holztrocknung; meine Beobachtungen haben eindeutig ergeben, daß unter optimalen Bedingungen ein Jahr zur Holztrocknung ausreicht. Optimale Bedingungen definiere ich so: Das Holz liegt ofenfertig (Länge 30 bis 50 cm, gespalten in Stücke, die nicht dicker als 10 cm sind, eher weniger) luftig und trocken, also überdacht. So gelagert sinkt der Wassergehalt auch frisch geschlagenen Holzes in wenigen Monaten von 55% auf 12 bis 20%. Wenn dieses Holz, wie bei uns, vor dem Verbrennen noch einige Tage in Ofennähe gelagert wird, sinkt seine Feuchtigkeit auf weniger als 7%.

* Meine Holzversorgung läuft über Selbstwerbung im nahe gelegenen Wald oder ebay. Selbst im Wald geschlagenes Holz (also Stammholz), z. B. Birke, kostete mich alles in allem 33,-€/Rm. Bei ebay kaufe ich nur, wenn mir Schnäppchen mit Preisen (einschließlich Transport) von max. 35,- €/Rm gelingen (bei Kiefer und Co.) Für Buche und Co würde ich wegen des höheren Heizwerts 40,- vielleicht 45,-€/Rm ausgeben. Das ist mir aber noch nie gelungen, weil für solches höherwertige Holz überproportional höhere Preise verlangt und auch gezahlt werden.

Überhaupt läßt sich bei ebay gut beobachten, daß Heizen mit Holz zunehmend Modeerscheinung wird und sich darauf Geschäftemacher einstellen, die Brennholz kiloweise in Säcken und Kartons (mit Schleifchen drumherum ;-)) zu Phantasiepreisen anbieten. Nach meinen Erfahrungen bleibt es konkurrenzlos preiswert, mit Holz zu heizen, obwohl ich registriere, daß die Preisforderungen der Förster mit 15,-€/Rm Birke (Stand 2009) für Selbstwerber gegenüber früheren Jahren stark gestiegen sind.

* Feinstaub? Dazu verweise ich auf meine Postings im alten opablog, z. B. hier. Inzwischen habe ich einen aktualisierten Feuerstättenbescheid, der die Unbedenklichkeit bescheinigt.

* Holzasche; dieses Thema habe ich, glaub ich, noch nie erwähnt. Offensichtlich deshalb, weil es kein Thema ist. Es fallen pro Jahr (!) etwa 25 l Asche an. In der Regel entferne ich nur einmal während der aktiven Heizperiode einen Eimer Asche. Die Asche aus dem unbehandelten Holz kommt über den Kompost in den Garten.

* Ofenreinigung; das Innere des Ofens habe ich noch nie gereinigt. Der optimale Schornsteinzug verringert die Gefahr von Staubablagerungen. Hinweise auf Ablagerungen (zu geringe Erwärmung der Außenwände) habe ich bisher nicht festgestellt. Trotzdem könnte es nach sieben Heizperioden langsam soweit sein. Ich werde nach dem Ende der gegenwärtigen Heizperiode dem Innern mal mit einem Staubsaugerschlauch zu Leibe rücken (und mich dabei fühlen wie ein Chirurg beim minimalinvasiven Eingriff). Natürlich hat der Ofen Deckel (an drei Stellen), die geöffnet werden können. Das ist aber aufwändiger.

In fast allen meinen Postings zu meinen Heizerfahrungen spielt die Attraktivität der Kosten und Preise eine Rolle. Dazu ist erst einmal genug gesagt.

In fast allen dieser Postings spielt die ökologische Qualität eine Rolle. Auch dazu soll es vorerst genug sein, obwohl es immer mal kluge Informationen gibt, die vor schrecklichen Feinstaubgefahren warnen oder Holz vor allem als Schwermetallspeicher beschreiben.

Auch einen dritten Aspekt möchte ich nicht ausbreiten, obwohl auch er eine gewisse Berechtigung hat: Selbstversorgung, Krisenvorsorge. Mit Holz zu heizen, fügt sich gut in solche Szenarien ein. Also Waldeigentümer werden, unbedingt mit eigener Quelle (und eigenem Fischteich)? Ja, es macht ein wenig Sinn, seine eigene Abhängigkeit von den allmächtigen Marktbeziehungen zu reduzieren, Komplexität ein wenig zu verringern. Das kann man auch als sportliche Herausforderung sehen. Aber man sollte sich immer klar sein: Frei sein von der Gesellschaft geht nicht. Die Epochenkrise kommt, und keiner kann aussteigen. Eine lebenswerte Gesellschaft, also eine ohne kapitalistisches Privateigentum und mit wahrer Selbstverwaltung, kann nur das Werk der bewußt und solidarisch, mit „großer Initiative“ handelnden Menschen sein.

 

Aber ein vierter Gesichtspunkt des Holzheizens verdient es, endlich hervorgehoben zu werden:

Für mich ist der sinnliche Umgang mit dem Holz ein Wert, fast der Wichtigste! Das geht soweit, daß ich meinen gut funktionierenden hydraulischen Holzspalter verschenkt habe, weil ich es genieße, den Wintervorrat Stück für Stück mit der Spaltaxt zu schaffen. Herrlich, wie eine schwere Spaltaxt, im Unterschied zu jeder anderen Axt, ihr Werk tut, wie glatte Stämme mit einem Hieb gespalten werden aber auch die widerständigsten, quirligsten Wurzelstücke schließlich zerlegt sind.

Es fängt aber mit dem „Ernten“ im Wald an. Zwei Tage in der kalten, klaren, würzigen Luft arbeiten. Schwer tragen, nicht zu schwer. Seit die Arbeitsschutzanforderungen (Schutzausrüstung) sehr erhöht wurden, fälle ich die Bäume nicht mehr selbst. Zusammenarbeit mit dem Waldarbeiter, Zusammenarbeit mit Helfern, versorgt werden. Die „frohe Mühe“ und dann der Reichtum daheim. Vor dem Zaun der Berg von Stammholz, das noch gestapelt, geschnitten, gespalten werden muß.

Der Duft des Holzes in jeder seiner Existenzphasen, Lebensphasen kann man ja schlecht sagen, wenn es zur letzten Trocknung in den Wohnraum kommt. Und dann das Feuerfarbenformenspiel beim Verbrennen, seine Geräusche und Stimmen, seine gebändigte Wildheit, die strahlende Wärme.

Meine Erfolge bei ebay-Holzauktionen empfinde ich eher zwiespältig. Sie könnten die Aktionen im Wald seltener machen, außerdem ist das ersteigerte Holt meist ofenfertig. Schön ist es aber und interessant, Menschen zu treffen, die „Holz machen“, Holz verkaufen, das ist Futter für den „sozialen Sinn“.

Holzsplitter? Na ja, kommt vor. Aber die kundigen Hände sind nicht weit, die die zu entfernen wissen. In der Vergangenheit haben mich die Späne, der Holzabfall um den Hackklotz herum etwas genervt. Aufheben, verwenden als sog. Anmachholz? Ja, aber die vielen kleinen Schnipsel? Kompostieren? Das wurde etwas zu viel Holzanteil im Kompost. Jetzt gibt’s auch dafür die ideale Lösung: Die neuen Wege im Garten „Übersee“, im aufgeschütteten Gartenteil. Für die kann ich gar nicht genug Holzabfall liefern.

Das war’s jetzt aber erst mal vom „Hans im Holzglück“.

 

Dieser Beitrag wurde unter ökologisch, Demokratie, Garten Haus Hund, Gesundheit Alter Tod, Leben, Materialismus, Mensch abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Heizen mit Holz – gestern, heute, morgen – und nun eine etwas andere Sicht

  1. Franz schreibt:

    Ick freu mich jedenfalls, wenn wir es im kommenden Frühjahr wieder mal in den Wald schaffen sollten. Im sinnlichen Teil, gepaart mit Kindheitserinnerungen und verharzten Arbeitshosen kann ich mich auch wiederfinden. Bin dabei!

  2. Franz schreibt:

    P.S. Das mit den Kommentarabgabe ist vielleicht doch nicht ganz so elegant. Die Eingabe der Email könnte abschrecken.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s