Skurriler Antifaschismus

Die Initiative “Liberation weeks”, Sprecher Martin Sonnenburg, kämpft gegen Nazis, besonders gegen Naziverbrechen in Italien und dafür, den antifaschistischen Widerstand nicht zu vergessen.

Am 20. April 2012 wurde gegen den heute 93-jährigen Herbert Wilke demonstriert, 1944 Angehöriger der Elitedivison “Hermann Göring”. Vermutlich, weil gegen ihn persönlich kein Urteil als Kriegsverbrecher erging, forderte die kämpferische Antifa, er solle sich mit den Verbrechen seiner Einheit auseinandersetzen. Der deutsche Rechtsstaat hat die gewünschte aufklärerische Auseinandersetzung vor dem Wohnhaus des Betroffenen nicht erlaubt, jedoch durfte man sich in Rufweite bewegen und hat wahrscheinlich mahnende und anklagende Losungen gebrüllt. Die Kieznachbarn wurden von der seit Tagen “massiv auftretenden” (Selbsteinschätzung) Antifa informiert, recht erfolgreich, wie es scheint, zumindest sind keine Beschwerden wegen ruhestörenden Lärms bekannt geworden.

Die “junge Welt” betitelte ihr Gespräch mit Martin Sonnenburg: “Nicht zu ertragen, daß diese Leute weiter unter uns leben”. Nicht auszumalen, was aus solcher “Unerträglichkeit des Seins” folgen könnte, doch Entwarnung: Es geht nicht um Menschenjagd, sondern nur darum, daß diese Leute nicht unbehelligt unter uns leben.

“Liberation weeks” ist auch im Internet aktiv. Einen zünftigen flashmob hat man zwar noch nicht hingekriegt – weltweite “Schwarm-Demos” sind doch der letzte Schrei (“Menschenjagd als Massenspaß”) –  immerhin aber ein “Mobi-Video“, das neben bekannten Bildern aus antifaschistischer Tradition mit der einmillionsten Version von “Bella Ciao” erfreut.

Die Feinde des rassistischen Zionismus haben es immerhin geschafft, die “Holocaust-Industrie” und auch die “Holocaust-Religion” zu benennen, zu skizzieren, kritisch anzugreifen. Ich meine, die Feinde des Faschismus (des alten, des Neo- und besonders  des heutigen, unfertigen, der weder so noch so zu benennen ist) sollten die politische Dummheit und den Kitsch des Antifa-Kleinbetriebs ähnlich rücksichtslos bloßstellen.

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