Zur Judenfrage

Im Zusammenhang mit dieser Frage muß ich eingestehen, daß mich, der ich mich entschieden zum Historischen Materialismus bekenne, eine Banalität überrascht hat.

Die Banalität besteht darin, daß natürlich auch die Judenfrage, wie ausnahmslos jede gesellschaftliche Frage, historisch ist. Sie kann nur im historischen Zusammenhang gestellt, untersucht, begriffen, beantwortet werden. Historisches aus seinen Zusammenhängen gelöst, wird zum ideologischen Versatzstück, wird Glaubensartikel, Dogmatik.

Und die Überraschung ist die Unselbstverständlichkeit dieser Banalität oder anders gesagt: Die Selbstverständlichkeit, mit der die Judenfrage, heute in der Form „DER HOLOCAUST“, jeder Historisierung entzogen wird.

Selbst ich, der ich bewußt dieser Enthistorisierung widerspreche, habe mich gerade bei ungerechtfertigten, nivellierenden Verallgemeinerungen über die Zeit ertappt. Darauf wurde ich durch Norman Finkelstein aufmerksam. In seinem Buch „Die Holocaust-Industrie“, erstes Kapitel, stellt er dar, daß die massive propagandistische (“industrielle”) Vermarktung der Massenvernichtung der Juden durch die Nazis (Holocaust) auf Grundlage ganz bestimmter (vor allem amerikanischer) Umstände und Interessen im Wesentlichen erst nach dem Sechstagekrieg 1967 einsetzte.

Prüfe die Rechnung, Du mußt sie bezahlen, sagte Brecht.

Prüfe jeden Lehrsatz, jede Propagandathese, jede „übereinstimmende Meinung“ der Allgemeinheit, jede historische Aussage. Jede sog. Staatsräson prüfe zweimal.

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