Korruption im Realsozialismus – Privatisierung, Ausbeutung

Ich habe von den einfachen, geringen, gar „irgendwie berechtigten“ Formen des Korrumpierens gesprochen. Schön war das trotzdem nicht. Im Einzelfall vielleicht unbedeutend, in der Summe aber ärgerlich und vergiftend. Und letztendlich immer Ausdruck von  Willkür der Mächtigen.

Vielleicht wurde ja von manchen die „kleine Korruption“ gar nicht ungern gesehen, konnte sie doch die „große Korruption“ decken. (Nach demselben Muster kriegt heute selbst der Arbeitslose gesagt: „Wir sind doch alle gierig.“) Vielleicht war, positiv gefaßt, die „kleine Korruption“ das Schmierfett, das die notwendige Bewegung innerhalb der zu wenig geschmeidigen Verhältnisse erleichterte.

Anders zählt die bei führenden Funktionären (natürlich nicht bei allen) anzutreffende Korruption; Bevorzugung von Angehörigen der Familienclans, von Kumpeln, dienstbaren Geistern, Typen der Kulturschickeria bis hin zu den unvermeidlichen Weibern. Dafür standen teils ständig, teils zeitweilig Schlösser, Gästehäuser, Jagdhütten, Schiffe usw. usf. zur Verfügung. Dort haben Leute Güter und Leistungen genossen mit keinem anderen „Recht“ als dem ihrer Nähe zur Macht. Das „Volk“ hat manches davon gesehen, hat darüber gemunkelt, hat erzählt und aufgebauscht, hat es beneidet und gehasst.

Im Kapitalismus machen die Korrupten einen „Vertrag“. Die eine Seite zahlt, die andere zeigt sich in geeigneter Weise erkenntlich – nicht gerade sehr klare aber letztlich doch marktförmige Verhältnisse. Im Realsozialismus war die ernsthafte Korruption nicht von den Machthierarchien zu trennen. Kraft seiner nicht hinterfragbaren „Wassersuppe“ entschied ein kleiner Klüngel über Verteilung und Umverteilung und persönliche Aneignung/Privatisierung begehrter Güter und Leistungen. Die Macht („demokratischer Zentralismus“!) wurde zur Privatisierung eingesetzt. Darin liegt der Systembruch. All das schleichend, über Jahrzehnte sich entwickelnd, in der Sowjetunion seit langem krasser ausgeprägt als jemals in der DDR. Jedoch wesensgleich, behaupte ich, in allen realsozialistischen Gesellschaften: Etablierung von Ausbeutung  im Führungskern des Systems. Lange Zeit nur ein Keim. Doch dann ist die Zeit dieses „Keimes“ gekommen.

Meines Wissens hat es nie eine theoretische Begründung/Kritik oder Rechtfertigung dieser Erscheinungen und Entwicklungstendenzen gegeben. Wie sollte es auch? Man leistet sich vor aller Augen ein Tabu nebst zugehörigem Gebot des Beschweigens. Hybris, lange vor dem Untergang.

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