Vielen wird dieser Satz bekannt sein. Vielleicht ist ihnen der merkwürdige Genitiv aufgefallen. Wenn solch Außerordentlicher von solch Außerordentlichem geleugnet wird, dann sollte auch die Sprache einen außerordentlichen Hüpfer machen, mag der Bibeltexter gedacht haben. Sei’s drum, gehört zur Leitkultur. Der Sachverhalt selbst ist ernster.
Da berichtet die heute 90-jährige Jüdin Trude Simonsohn Schülern der 10. Klasse von ihren Erlebnissen, damals im März 1939, nachdem die deutsche Wehrmacht in Olmütz/Mähren einmarschierte: Von einem Tag auf den anderen hätten ihre deutschen Freundinnen sie nicht mehr gekannt. „Haben sie Ihnen nicht einmal auf der Straße heimlich zugelächelt?“, fragt ein Schüler. „Nein, nichts“, sagt Trude Simonsohn
Sechs Tage bevor ich diesen Bericht über die Erfahrung der alten Jüdin las, hatte ich eine ähnliche eigene Erfahrung im Blog festgehalten, in meinem Tagebuchblog tageundjahre.de.
Tabus zu setzen, ist eine alte Technik des Menschen. Dinge, Lebewesen, Menschen werden zu Unberührbaren erklärt, ihr Vorhandensein wird gar geleugnet. Sie werden nicht umgebracht aber für tot erklärt. Sie sind tot und untot zugleich.
Es ist eine merkwürdige Erfahrung. Oft wird sie als zutiefst irritierend empfunden, als verstörend gar. Für manch anderen ist sie von schier zerreißender Komik. „Wie muß es in den Menschen aussehen?“ frage ich mich, „die solche Tabus setzen; wie im Volk der Ostdeutschen, das derartige Setzungen massenhaft, täglich, vollzogen und erlitten hat?“
Das war die Sonntagsfrage. Ich kann’s verstehen, wenn in jeder größeren deutschen Stadt Woche für Woche lieber 60.000 ins Stadion pilgern, um über ein (mit den Füßen erzieltes!) 1:1 zu jubeln, als darauf eine Antwort zu suchen.
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